Lokales

Durch Bildung den Teufelskreis der Armut durchbrechen

"Rokpa" ist tibetisch und heißt "helfen, dienen". Und genau das will der gleichnamige, in der Schweiz gegründete Verein: Menschen, vor allem Kindern und Frauen in Tibet, aber auch Nepal und Zimbabwe, ihr Überleben sichern. Inzwischen gibt es auch in Kirchheim eine "Rokpa"-Gruppe.

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM Die Gartenbau-Ingenieurin Ute Eisele aus Bissingen hörte zum ersten Mal den Namen "Rokpa" in Zusammenhang mit einem Vortrag der Stuttgarter Gruppe im Lindenmuseum. Das war im Mai 2007. Damals sprach der Rokpa-Gründer und Präsident, Dr. Akong Tulku Rinpoche über die tibetischen Nomadenkinder zwischen Schulbildung und alter Tradition und beschrieb das harte, entbehrungsreiche Leben der Tibeter und Nepalesen am Himalaya bei Minustemperaturen bis 40 Grad im Winter. Im Lindenmuseum zugegen war auch die Rokpa-Vizepräsidentin Lea Wyler aus der Schweiz, die berichtete, wie Rokpa in Kathmandu/Nepal die erste Gassenküche für Bettler einrichtete "es begann mit 1 000 Kilo Reis, ein paar hundert Kilo Linsen, Zwiebeln und Gewürze, langen Bambusstäben, Stroh und einem Plastikdach für die Küche sowie einige Lastwagenladungen Holz".

Ute Eisele war beeindruckt von der Ausstrahlung und dem Engagement von Dr. Akong Rinpoche und Lea Wyler und wollte sich ebenfalls für die Waisenkinder in Tibet und Nepal engagieren. Bei einem Gespräch unter Freunden erzählte sie auch Dr. Claudia Brudna und Günter Merkle von Rokpa. Die beiden, die ebenfalls in Bissingen wohnen, beschäftigen sich schon des Längeren mit tibetischer Medizin und Kultur. Gemeinsam gründeten sie die Rokpa-Gruppe Kirchheim, zu der auch Angela Fegg und Christine Knauer-Dickhoff zählen.

Die Kirchheimer Gruppe hat sich zur Aufgabe gemacht, drei Rokpa-Projekte zu unterstützen: Das ist zum einen das Luchu Waisenhaus mit Primär- und Mittelschule in Osttibet, dann die Nähwerkstatt für Frauen in Kathmandu und zum Dritten die Baumpflanzaktion in Osttibet. Dafür sammeln die Kirchheimer Spenden und verkaufen die wunderschönen, exotischen Artikel der Näherinnen und organisieren Patenschaften und Benefizkonzerte. "Unser Traum wäre es, wenn eine Schulklasse einen Luchu-Schüler unterstützen würde", sagt Ute Eisele, die auch den Kontakt mit Schulen anstrebt.

Die Luchu Grund- und Mittelschule wurde von der chinesischen Regierung gebaut. In ihr darf jedoch tibetisch unterrichtet werden. Der Schule angeschlossen ist ein Waisenhaus. Rokpa bezahlt die Ausbildung für 265 Waisen und Kinder aus der ärmsten Bevölkerungsschicht, die keine Schulgelder bezahlen können, sowie die Kosten der medizinischen Versorgung und die Ernährung und Unterkunft im Waisenhaus.

In der von Lea Wyler gegründeten Nähwerkstatt arbeiten Frauen, die noch vor Jahren betteln gehen mussten. Jung geheiratet, keine Ausbildung, mehrere Kinder geboren, Mann weggelaufen, bedeutete für sie Armut und Perspektivlosigkeit. Die 1980 in Zürich gegründete Hilfsorganisation nahm die Frauen an die Hand und ließ ihre Kinder unterrichten, um den Teufelskreis der Armut zu durchbrechen.

Um etwas Existenzielles geht es auch beim Wiederaufforstungsprojekt in Osttibet. Die langjährige systematische Abholzung großer Waldgebiete im Hochland zeigt besorgniserregende Folgen für Mensch und Tier. So bedrohen nicht nur Lawinen im Winter und Erdrutsche und Überschwemmungen das tägliche Leben. Mit dem Verschwinden der Bäume verschwanden auch viele tibetische Heilpflanzen. Das wiederum bedeutet eine ernsthafte Gefährdung der lokalen Gesundheitsversorgung zu niedrigen Kosten. Seit 2001 wird das Rokpa-Wiederaufforstungsprogramm von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) vom Bund finanziell mitgetragen. Patenschaften für das Pflanzen und Pflegen eines Nadelbaumes kostet übrigens 1,50 Euro.

Rokpa ist eine unpolitische, überkonfessionelle internationale Organisation, die ihre Kraft gezielt einsetzt auf das tätige "Helfen wo Hilfe gebraucht wird", so auch in Zimbabwe, wo aidskranke Frauen und Mütter mit behinderten Kindern eine Existenzgrundlage gegeben wird.

INFOWer sich für die Arbeit der Kirchheimer Rokpagruppe interessiert, kann sich an Dr. Claudia Brudna in Kirchheim, Rossmarkt 3, wenden, Telefon 07021/73 64 64, oder E-MailAdresse Rokpa-Kirchheim@arcor.de. Kurzinformationen gibt es auch unter www.rokpa-deutschland.de.