Lokales

Durch die Flusstäler von Saale, Main und Tauber

Eine Gruppe der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Kirchheim radelte fünf Tage lang durch die Flusstäler von Fränkischer Saale, Main und Tauber. Damit wurde die Reihe der alljährlichen Sommerradtouren, organisiert von Diakon Wolfgang Burlein und Martha Bernecker, fortgesetzt.

KIRCHHEIM Drei Badestädte bescherten den 26 Teilnehmern nach vierstündiger Busfahrt einen eindrucksvollen Auftakt. Alle drei Kurorte profitieren vom Salz der über 200 Millionen Jahre alten Zechsteinschichten, das von Mineralwässern nach oben gespült wird.

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In Bad Neustadt, etwa 35 Kilometer nördlich von Schweinfurt gelegen, hinterließ bei einem Stadtrundgang außer dem hoch aufragende Hohntor, dem Wahrzeichen der Stadt, die klassizistische Stadtpfarrkirche mit ihren korinthischen Säulen den stärksten Eindruck. Der gepflegte Kurpark von Bad Bocklet, der zweiten Kurstadt, bot Gelegenheit zu einer ersten Verschnaufpause, hatte doch die Fahrt, ganz anders als erwartet, mit einer starken Steigung begonnen.

Schloss Aschach kurz nach Bad Bocklet eine gewaltige Anlage aus dem 16. Jahrhundert, wurde wieder aufgebaut, nachdem die Bauern es im Bauernkrieg zerstört wurde. Heute beherbergt es drei Museen, und ein Schlosscafé lädt zum Genuss fränkischer Küche ein.

In Bad Kissingen, dem dritten unter den Badeorten, winkte schließlich im Hotel "Sonnenhügel" hoch über der Stadt das erste Nachtquartier. Die Aussichtsplatte vor der Burgruine Botenlauben gewährte bei einer Stadtführung einen herrlichen Ausblick auf die Badestadt im tief eingeschnittenen Tal der Saale und auf die bewaldeten Berge der Bayerischen Rhön darüber. Fürst Otto von Bismarck, der eiserner Kanzler, zählt zu den vielen prominenten Kurgästen. An Kaiserin Sissi erinnert eine Handchaise, auf der sie sich durch den Kurpark kutschieren ließ.

Nach einer knapp zweieinhalb-stündigen Wald- und Wiesenfahrt und einem kurzen Aufenthalt in der katholischen Kirche von Euerdorf bot Hammelburg Gelegenheit zur Mittagspause. Die Stadt gilt als ältestes und nördlichstes Weinbaugebiet Frankens. Der Weinkeller unter dem Schloss gilt als der zweitgrößte Frankens, er wird heute von der Ham-melsburger Winzergenossenschaft genutzt. Unterhalb der Stadt wechselt der Weg oft die Flussseite auf Brücken aus rotbraunem Sandstein mit bis zu sieben Bögen. In Gemünden, dem zweiten Tagesziel, fließt die Fränkische Saale in den Main. Das ehemalige Rathaus Gemündens aus dem 16. Jahrhundert wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs von den Amerikanern zerstört und mit ihm zwei Drittel der Stadt. Erfreulichere Akzente setzten zu Beginn des dritten Fahrtages das Maintal abwärts große blaue Kornblumenbestände versetzt mit leuchtend rotem Klatschmohn.

In der Innenstadt von Lohr herrschte während eines einstündigen Aufenthaltes buntes Markttreiben. Das Schloss mit zwei hoch aufragenden, von Kegeldächern bedeckten Rundtürmen und der Bayersturm, ein letzter Rest der Stadtbefestigung heute als Aussichtsturm genutzt zählen zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Eine starke Fahrstunde später, während der Mittagspause in Marktheidenfeld, galt dem Haus des zu Reichtum gekommenen Weinhändlers Franck das besondere Interesse. Mit seiner reichen Barockfassade ist es ein eindrucksvolles Beispiel für das aufstrebende Bürgertum des 18. Jahrhunderts. Der dritte Fahrtag endete schließlich in der schönen Altstadt Wertheims, zwischen der Taubermündung und der Ruine einer hoch über der Stadt liegenden Burg, welche die Grafen von Wertheim und ihre Nachfolger zu einer gewaltigen Anlage ausgebaut haben. Nach der alltäglichen Morgengymnastik und der anschließenden Andacht rollte tags darauf die Fahrradkolonne mit Wolfgang Burlein an der Spitze das Taubertal aufwärts.

Nach einem kurzen Aufenthalt im ehemaligen Zisterzienserkloster Bronnbach folgte die Mittagspause in Tauberbischofsheim, der Hauptstadt des Main-Tauber-Kreises. Einige Sehenswürdigkeiten der Stadt konnten dabei besichtigt werden, darunter das ehemalige kurmainzische Schloss. Eine Stunde später war Bad Mergentheim, das Ziel des vierten Tages, erreicht. Höhepunkte einer Führung durch das Zentrum der Kurstadt bildeten die Marienkirche am Markt und das Deutschordensschloss. Der Abend im Kurpark diente der Entspannung von Körper und Geist.

Der sehr erlebnisreiche und anstrengende fünfte und letzte Tag begann nach einer etwa einstündigen Fahrt mit der Besichtigung der Barockresidenz in Weikersheim. Wie eine Ausstellung im Schloss zeigte, bauten die Grafen von Hohenlohe-Weikersheim die Anlage, obwohl sie hoch verschuldet waren und Jahr für Jahr über ihre Verhältnisse lebten. In der Herrgottskirche bei Creglingen bewunderten die Radfahrer die Schnitzkunst Tilmann Riemenschneiders am dortigen Marienaltar. Viel Auf und Ab und ein kräfteraubender steiler Anstieg, dann war Rothenburg ob der Tauber, das Endziel der Fahrt, erreicht. Im Anschluss an die ersehnte Erholungspause und einem kleinen Stadtrundgang endete die Fünftagestour und hinterlässt bei den Teilnehmern unvergessliche Eindrücke. Zwei Gruppen haben die Fahrt bereits durchgeführt, eine dritte folgt im September, angeführt von Hermann Steffen.

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