Lokales

Durch die "neue" Bücherei soll an der Schule Lesefieber ausbrechen

"Lesen beflügelt die Fantasie": Unter diesem Motto feierte die Owener Sibylle-von-der-Teck-Schule die Übernah-me der einstigen Stadtbücherei. Ein Aktionstag "rund ums Buch" machte in allen Klassenstufen der Grundschule deutlich, wie sehr die Fantasie tatsächlich vom Lesen beflügelt werden kann.

ANDREAS VOLZ

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OWEN "Lesa sott mr" so brachte Owens Bürgermeister Siegfried Roser eine der wichtigsten Konsequenzen der PISA-Studie besonders griffig und schwäbisch-bodenständig auf den Punkt. Die Möglichkeit, spannenden Lesestoff kostenlos in der Bücherei auszuleihen, war in Owen allerdings schon seit längerer Zeit nicht mehr gegeben. Am Standort Rathausstraße 6, den die Bücherei damals aus der Wehrbachstraße kommend 1982 bezogen hatte, war der Bestand in der Zwischenzeit so veraltet, dass die Ortsbibliothek nur noch mit enormen Kosten hätte aufgepäppelt werden können. Rat und Verwaltung der Stadt schreckten aber vor der notwendigen Investition zurück vor allem auch im Blick auf die Folgekosten für das Personal.

"Bei den Beratungen im Gemeinderat hatten wir ein schlechtes Gewissen", gab Bürgermeister Roser nun anlässlich der Bücherei-Wiedereröffnung ehrlich zu. Umso mehr freute er sich, "dass die büchereilose Zeit jetzt vorbei ist" und dass sich der Lese- und Ausleihraum wieder mit Leben fülle. Dass es so weit kommen konnte, ist das Verdienst der Schule: Lehrerinnen und Eltern haben die alten Bücher durchgesehen, den gesamten neuen Bestand etikettiert und auch sonst die Ausstattung und die Systematik der alten Stadt- und neuen Schulbücherei auf Vordermann gebracht.

"Wir haben eine gut ausgebaute Kinder- und Jugendbücherei", lobte Siegfried Roser die ehrenamtlich geleistete Arbeit. Jährlich erhält die Schule von der Stadt einen Betrag in Höhe von 5 000 Euro. Das Geld steht für die Bücherei zur Verfügung, um neue Lektüre und sonstige Medien zu kaufen oder um Lesungen zu veranstalten. Zunächst ist das Projekt Schulbücherei für ein Jahr befristet, aber schon der überwältigende Start könnte gezeigt haben, dass das Modell auch darüber hinaus erfolgreich weiterzubetreiben ist. Immerhin betonte Bürgermeister Roser bereits in seiner Eröffnungsansprache: "Es ist gut, dass wir uns jetzt keine Gedanken mehr machen müssen, wie es mit dem Raum weitergeht."

Als "normale" Leihbücherei soll der Raum am Standort der ehemaligen Kelter fortan mittwochs zwischen 14 und 16 Uhr dienen. Der Bücherbestand ist so ausgelegt, dass Kinder bis zu zwölf Jahren auf interessante Angebote stoßen können. Folglich beschränkt sich die künftige Büchereiarbeit nicht nur auf die Grundschulkinder. "Wir müssen sehen, wie es läuft. Wenn es notwendig wird, richten wir auch noch eine andere Ausleihzeit ein", stellt Christa Eckel in Aussicht, die als Schulleiterin nun kraft Amtes auch noch zur Büchereileiterin geworden ist.

"Für mich ist die Hauptarbeit jetzt geleistet", meinte sie am Eröffnungstag. Die Ausleihe funktioniere mittels Mausklick und Scanner. Bedient werden diese Geräte vom freiwilligen "Heinzelmännchen"-Team, also von den Müttern, die schon im Vorfeld fleißig mitgearbeitet haben, um die Schulbücherei einrichten zu können. Das gesamte Team sorge dafür, dass sich die Arbeit besser verteilen lässt.

"Nur wer richtig liest, kann richtig lernen." Getreu dieser Devise möchte die Owener Sibylle-von-der-Teck-Schule mit der vielbeschworenen Lesekompetenz zugleich auch den Wissensstand ihrer Schüler verbessern. Da kommt die Schulbücherei mit dem zusätzlichen Raum in unmittelbarer Nähe der Schule gerade recht. Im schuleigenenen Curriculum ist die Bücherei jetzt schon ein wichtiger Bestandteil. Vor allem sind jede Woche feste Lesezeiten vorgesehen, zu denen jede Klasse in die Bücherei wandert. Die Lesestunden werden somit zu etwas ganz Besonderem, weil sie mit einem Ortswechsel verbunden sind, ähnlich wie der Sportunterricht.

Außerdem soll die Bücherei den Grundschülern für die neue Fächerkombination "Mensch, Natur, Kultur" zur Verfügung stehen, die sich inhaltlich ziemlich mit dem Vorgängermodell "Heimat- und Sachunterricht" deckt. Die Schüler können sich dann anhand spezieller Literatur über Sachthemen informieren. Für das Curriculum-Thema "Heimatliche Spurensuche in unserer Stadt" dürfte die Bücherei ebenfalls von großer Bedeutung sein. Ansonsten sind Autorenlesungen ebenso angedacht wie eine Lesenacht, die regelmäßige Erstellung einer Hitliste der ausgeliehenen Bücher, die Beteiligung an der Frederick-Woche und an Lesewettbewerben oder auch die Einführung in die Systematik einer Bücherei für die Viertklässler.

Eine erste Einführung in die wichtigsten Grundregeln gab es vorab bereits beim Eröffnungstag: "Behandelt die Bücher gut und stellt sie bitte wieder an den Platz zurück, wo ihr sie hergeholt habt. Dann können andere Kinder nach euch die Bücher wieder finden." Wenn sich die Owener Schüler an diese Regeln halten, haben sie außer Lesekompetenz auch gleich ein wichtiges Stück Sozialkompetenz erworben.

Beim Begleitprogramm zum Aktionstag konnten sich die Grundschüler je nach Klassenstufe mit verschiedenen Themen rund ums Buch beschäftigen. So bastelten die einen ein Täschchen für den Leseausweis, die anderen stellten sich ein Abc-Büchlein zusammen oder ließen sich vom "Bilderbuchkino" in Fantasiewelten entführen. Auch eine erste Autorenlesung war im Angebot: Astrid Nagel stellte den Drittklässlern ihr Buch "Verschollen in Antania" vor das erste "phantastische Abenteuer" aus ihrer "M A C"-Reihe. Sie machte dabei große Lust aufs (Weiter)-Lesen.

Der Begeisterung nach zu urteilen, mit der sich die Owener Kinder am ersten Tag ihre neue Bücherei eroberten, braucht es nicht allzuviel Fantasie, um sich vorzustellen, dass sich die größte Hoffnung von Schulleiterin Christa Eckel schon bald erfüllen könnte: "Ich wünsche mir, dass an unserer Schule ein richtiges Lesefieber ausbricht."