Lokales

Durch die Stadt rollen nicht mehr Brummis als vor der Maut

Befürchtungen der Bürgerinitiativen von Wendlingen und Ötlingen, die Autobahn-Maut habe zur Verlagerung des Schwerlastverkehrs auf die L 1200 geführt, haben sich nicht bestätigt: Messungen vom Frühjahr haben keine Belege geliefert. Allerdings liegt der Stickstoffdioxid-Gehalt der Luft an der Messstelle in der Stuttgarter Straße in Wendlingen über den Grenzwerten.

CHRISTA ANSEL

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WENDLINGEN Wendlingens Bürgermeister Frank Ziegler bittet deshalb das Umweltministerium um Verlängerung der Messstation-Standzeit, um verbindliche Jahresmittelwerte zu bekommen.In der Stuttgarter Straße in Wendlingen war die Messstation der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg installiert. Von Februar bis April wurden gemessen, wie stark die Luft belastet war durch Ruß und Stickstoffdioxid. Parallel dazu wurde vom 26. April bis 7. Mai auf Höhe der Ludwig-Uhland-Schule eine Verkehrszählung durchgeführt. Ziel beider Messungen war, genaue Informationen zu erhalten, um gegenüber den Wünschen der Bürgerinitiative um Gisela Eisele argumentieren zu können. Wichtig war der Stadtverwaltung dabei nicht nur die Klärung der Verkehrsdichte, sondern auch die Belastung der Luft durch Ruß und Stickstoffdioxid. Wendlingen wurde mit 105 Städten und Gemeinden ins Messprogramm aufgenommen. Die Ergebnisse liegen jetzt vor.

Bürgermeister Frank Ziegler, Alexander Bollheimer und Fred Schuster erläuterten das Messergebnis. Bei der Verkehrszählung wurde bestätigt: der Lkw-Verkehr auf der L 1200 hat nicht zugenommen. Bestätigt wurde mit der Messung im Frühjahr das Ergebnis einer Verkehrszählung im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Stadt Kirchheim. Diese Zählung war von den Bürgerinitiativen Kirchheim und Wendlingen angezweifelt worden. Gezählt wurde deshalb mit Hilfe eines schier unsichtbar installierten Laserzählgeräts. Die Werte korrespondierten mit der vorangegangenen "Handzählung" und mit zeitgleichen Zählungen in Ötlingen.

Im Schnitt fahren werktags rund 15 000 Fahrzeuge auf der L 1200 in beide Fahrtrichtungen, darunter rund 300 Lastkraftwagen. Das entspricht einem Anteil am gesamten Verkehrsaufkommen von durchschnittlich knapp fünf Prozent. Eine "signifikante Zunahme des Lkw-Verkehrs", sind sich die Fachleute der Stadtverwaltung Wendlingen einig, kann nicht festgestellt werden. Es gäbe deshalb auch keinerlei Ansatzpunkte, über die Verkehrsmenge Maßnahmen bei der Unteren Verkehrsbehörde zu veranlassen. Von "Maut-Flüchtlingen" auf der L 1200 könne nicht gesprochen werden.

Von der Ordnungsverwaltung soll jetzt bei den einheimischen Firmen der jeweilige Lkw-Verkehr abgefragt werden, um noch präziser den innerörtlichen Verkehr abgrenzen zu können. Einen verkehrsberuhigten Bereich wird es nach Ansicht des Bürgermeisters auf der L 1200 allerdings nie geben können.

Alarmierender sind die Mess-Ergebnisse in Sachen "Feinstaub". Von den 105 Messstellen im Land erreicht Wendlingen Platz 58 und liegt vor allem bei der Belastung durch Stickstoffdioxid über dem derzeit geltenden Grenzwert. Gemessen wurde in drei Monaten (Februar bis April) eine Belastung von 53 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft. Der Grenzwert liegt bei 48 Mikrogramm und soll auf 40 Mikrogramm herabgesetzt werden. Beim Ruß wurden 4,7 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft ermittelt. Der Grenzwert liegt bei acht Mikrogramm.

Bürgermeister Ziegler hat die Messergebnisse zum Anlass genommen, an Umweltministerin Tanja Gönner zu schreiben mit der Bitte, die Messungen über die drei Monate hinaus auszudehnen. Vorgesehen sind dafür vom Land bislang nur die 25 am stärksten belasteten Kommunen und dazu zählt Wendlingen nicht.

Interessanter Nebeneffekt der Verkehrszählung: die Autofahrer halten sich weitgehend an die Tempobeschränkung. Im Mittel wurden auf der viel befahrenen Straße zwischen 57 und 63 Stundenkilometer gemessen. Nur einmal wurde ein Spitzenwert von 110 Stundenkilometer ermittelt.