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Durch Prävention "zwanzig Jahre vierzig bleiben"

"Der gesunde Rücken Von der Therapie zur Prävention" Rückenschmerzen sind ein alltagsbegleitendes Problem für Jung und Alt. Sportwissenschaftler Dr. HartmutWolff legte in seinem Vortrag in der Kirchheimer Stadthalle die Schwerpunkte auf vorbeugende Maßnahmen und individuelle Therapie.

KATHRIN WALDOW

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KIRCHHEIM Das Volksleiden Rückenprobleme betreffe nicht nur ältere Menschen, auch schon 15-Jährige hätten durch mangelnde Bewegung, Fehlhaltung, Stress und psychosoziale Belastungen Schmerzen zwischen dem Schulter- und Lendenbereich, begann Dr. Hartmut Wolff seinen Vortrag. "Wenn ich morgens an der Bushaltestelle stehe und lässige Jugendliche nach vorne gebeugt beim SMS-Schreiben beobachte, wobei die Hose gerade noch so über der Analfalte schwebt, ist klar, dass durch derartige Fehlhaltungen Rückenprobleme entstehen können", erklärte er dem amüsierten Publikum. Durch das Vorziehen der Schultern verkürze sich der Brustmuskel, der mitverantwortlich für die Stabilität des Rückens ist.

Während seiner Präsentation stand der Mediziner auch als Modell auf der Bühne. Er demonstrierte persönlich, welche Körperpartien für ein Rückenleiden verantwortlich sein können. Dabei ist das zum Beispiel der Hüftbeuger, der vordere Oberschenkel, die Bauchmuskulatur, Brust- und Schultermuskulatur und die Gesäßmuskulatur.

Er betonte auch, dass der menschliche Körper in seiner steinzeitlichen Konstitution für Jäger und Sammler, nicht dafür ausgerichtet sei, stundenlang vor einem PC zu sitzen.

"Der Körper ist mit 639 Muskeln ausgestattet, die bewegt werden wollen" aktiv, versteht sich. "Wir sind dazu verdammt uns zu bewegen", so sei das nun einmal. Ansonsten würden sich die Muskeln verkürzen und zurückbilden.

Auch Übergewicht und Problemzonen hängen eng mit einem Rückenleiden zusammen. "Wer einen großen Bauch durchs Land trägt, hat meistens auch ein Hohlkreuz und leidet bei nicht ausreichender Rückenmuskulatur an Rückenschmerzen."

Doch seien nicht nur die physischen Aspekte Gründe für Verspannungen und Schmerzen. Wie Dr. Wolff am Beispiel der Belastung einer berufstätigen Frau mit Kindern, die nebenher noch den Haushalt zu regeln hat, erläuterte. Auch Mobbing am Arbeitsplatz und andere psychosoziale Belastungen sowie Stress könnten zu starken Rückenschmerzen führen, die sich vor allem im oberen Halswirbelbereich äußerten.

Zum Thema Bandscheiben merkte der Sportwissenschaftler an, dass nur etwa 20 Prozent der Rückenprobleme tatsächlich Bandscheibenvorfälle seien. Sodann charakterisierte er eine "typische Rückenschmerzkarriere", die nach Eigenbehandlung und Schonung meist beim Arzt und mit dessen Rezept für eine sechsmalige Behandlungstherapie beim Krankengymnasten endet. Diese Therapie sei der erste Schritt, jedoch kratze sie nur an der Oberfläche der Problematik. Sie sei einseitig und vor allem viel zu kurz, um die grundlegenden Probleme zu beheben.

Als Ausweg aus diesem Dilemma stellte Dr. Wolff ein ganzheitliches Gesundheitstraining vor, in dem hauptsächlich die Bereiche Kraft, Beweglichkeit, Ausdauer und Koordination trainiert werden. Allem voraus geht eine individuelle Analyse, an einem eigens dafür entwickelten Messgerät.

Mit Hilfe eines Freiwilligen aus dem Publikum demonstrierte der Mediziner wie so eine Messung einher geht. Die Werte vergleicht dann eine Software mit Referenzwerten eines untrainierten Kandidaten im gleichen Alter.

"Mit diesem Training können Sie zwanzig Jahre vierzig bleiben" scherzte Dr. Wolff. "Das ist nicht bewiesen", sagte er, " aber es wäre doch schade, wenn sie später in der wohlverdienten Rente, aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr die Dinge tun können, die Ihnen Spaß machen." Deshalb sei gerade die Prävention so wichtig.

Der Unterschied zwischen Sport und einem gezielten Gesundheitstraining liege darin, dass Sport meist speziell und einseitig sei und zu Verletzungen führen könne. Ein Gesundheitstraining hingegen sei vielseitig und beuge Verletzungen vor.

Veranstalter des Vortrags, der etwa 260 überwiegend ältere Besucher anzog, war die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) in Zusammenarbeit mit dem Asahi Zentrum für Gesundheit, Fitness und Wellness, eines der etwa 300 Dr.-Wolff-Rückenzentren. Zum Thema Rückenprobleme bieten viele Krankenkassen Informationen sowie vielseitige Therapie-Angebote an.