Lokales

Ebenerdiger Weg ersetzt alte Brücke

Am Kirchheimer Rambouilletplatz haben die Abbrucharbeiten an der baufälligen Brücke begonnen

Seit Jahren schon war die Fußgängerbrücke zwischen Bulkesweg und Teck-Realschule in Kirchheim Gegenstand heftiger Diskussionen. Zum einen ist unter ihr schon lange kein Zug mehr durchgefahren, sodass die Brücke eigentlich gar keinen Sinn mehr hatte. Und zum anderen hätte sie wegen Baufälligkeit ohnehin bald gesperrt oder abgerissen werden müssen. Diese Woche nun kommt das endgültige Aus für das Bauwerk.

Abbruch der Brücke mit verbindung Rambouilletplatz / Bulkesweg / Teckrealschule
Abbruch der Brücke mit verbindung Rambouilletplatz / Bulkesweg / Teckrealschule

Andreas Volz

Anzeige

Kirchheim. Die Fußgängerbrücke sei nicht nur baufällig gewesen, sondern auch „aus heutiger Sicht viel zu steil“, sagte Bürgermeister Günter Riemer gestern bei einem kurzen Baustellenbesuch am Rambouilletplatz. Schon allein angesichts der Tatsache, dass immer mehr ältere Menschen künftig die Brücke benutzen würden, sei eine Steigung von maximal sechs Prozent möglich. Die alte Brücke, die noch im Lauf dieser Woche vollständig abgetragen werden dürfte, habe aber eine Steigung von bis zu zehn Prozent gehabt. Für einen Neubau nach aktuellen Vorgaben wäre demzufolge eine 140 Meter lange Rampe nötig gewesen.

Seit über 25 Jahren schon sei auf der Bahnstrecke unterhalb der Brücke kein Zug mehr gefahren, weiß Günter Riemer weiter zu berichten. Deswegen aber die Brücke einfach einzureißen und stattdessen einen „normalen“ Überweg über die nicht mehr benötigten Schienen zu schaffen, ist gar nicht so einfach. Oberste Priorität der Bahn sei nämlich die Sicherheit, sagt er. Und diese Sicherheit solle auch gewährleistet sein für den hypothetischen Fall, dass eines fernen Tages in der Zukunft wieder einmal Züge auf der alten Bahnstrecke fahren sollten.

Die Strecke sei nämlich noch nicht entwidmet. Das heißt, dass sie auch noch nicht wirklich stillgelegt ist – auch wenn sie schon längst nicht mehr benutzt wird, auch wenn sie allenthalben überwuchert ist und mit neuen Gleisen versehen werden müsste, sollte sie jemals wieder für eine Zugfahrt zur Verfügung stehen. Deshalb hat die Stadt Kirchheim vor Beginn der Abbrucharbeiten der Deutschen Bahn auch vertraglich zugesichert, an der Stelle der alten Brücke rein planerisch eine Unterführung vorzusehen, für den Fall einer Reaktivierung der Bahnstrecke.

Bis vor ungefähr zwei Jahren habe es ernsthafte Überlegungen gegeben, auf der Strecke wieder Züge fahren zu lassen: Züge, die das Abraummaterial aus dem Tunnelbau für die neue ICE-Strecke hätten transportieren sollen. Inzwischen sei aber klar, dass kein Unternehmen, das an der Neubaustrecke beteiligt sei, den Abraum tatsächlich auf dem Schienenweg transportiere. Deshalb bleibt die Bahnlinie, die einstmals den Kirchheimer Südbahnhof mit Weilheim verbunden hatte, bis auf  Weiteres ungenutzt.

Zwei Jahre hat es allerdings gedauert, bis die Stadt Kirchheim zur Tat schreiten und die Brückenabbrucharbeiten vergeben konnte. So lange zumindest hatten sich die Verhandlungen mit der Bahn hingezogen, bevor diese grünes Licht gab.

Martin Zimmert, der für Hoch- und Tiefbau zuständige Geschäftskreisleiter bei der Stadt Kirchheim, geht davon aus, dass von der Brücke bis Ende der Woche nicht mehr viel zu sehen sein wird. Bis die Arbeiten aber endgültig abgeschlossen sind, dürfte es noch zwei Monate dauern. Ende März könnte es also genau an der Stelle einen „Überweg über die Schienen“ geben, an der sich etwa 50  Jahre lang die Brücke befunden hatte. Bislang gibt es nebenan einen provisorischen „Überweg“. Aber auch dieser ist bereits keine „Querung“ im eigentlichen Sinne mehr, da die Schienen an dieser Stelle abgetrennt und entfernt sind. Es geht also wirklich bereits ebenerdig über die alte Bahnstrecke, wenn auch noch ein bisschen holprig. Aber wenn alles fertig ist, soll es statt des provisorischen Schotterwegs einen asphaltierten und ordentlich befestigten Weg geben, der dann für völlig neue Verbindungen sorgen wird.

Zur Gesamtplanung gehört nämlich auch der neu zu gestaltende Kinderspielplatz am Bulkesweg, dem Martin Zimmert zufolge „unter sozialen Gesichtspunkten“ eine besondere Bedeutung zukommt. Schon in die Planungen für den Spielplatz waren Anwohner einbezogen worden. Und auch in diesem Fall soll schnell gearbeitet werden: Mit einer Fertigstellung des Spielplatzes rechnet Martin Zimmert bereits für den „Spätsommer“ dieses Jahres.

Eine weitere Rechnung macht der Geschäftskreisleiter mit Blick auf die Kosten auf: Rund 260 000 Euro dürfte die Stadt Kirchheim zahlen, allein für den Abriss der Brücke und für den Wegebau. Das mag viel Geld sein, aber es ist auf jeden Fall günstiger als die Alternative, die zudem nicht sonderlich sinnvoll erscheint: „Hätten wir die baufällige Brücke durch eine neue Brücke ersetzen müssen, dann hätte das 600 000 Euro gekostet.“

Was die alte Bahnstrecke betrifft, berichtet Günter Riemer von Planungen, sie künftig vielleicht als Radweg zu benutzen. Aber auch in diesem Fall gilt, dass die Möglichkeit bestehen soll, die Bahnstrecke eines Tages wieder zu reaktivieren. Und einen Radweg wieder in einen Schienenweg zu verwandeln, geht leichter, als das bei einer Wohnbebauung der Fall wäre.

Abbruch der Brücke mit verbindung Rambouilletplatz / Bulkesweg / Teckrealschule
Abbruch der Brücke mit verbindung Rambouilletplatz / Bulkesweg / Teckrealschule
Abbruch der Brücke mit verbindung Rambouilletplatz / Bulkesweg / Teckrealschule
Abbruch der Brücke mit verbindung Rambouilletplatz / Bulkesweg / Teckrealschule