Lokales

Ei und Wasser als Zeichen des Lebens und der Fruchtbarkeit

Am Samstag hat Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker den vom Mährisch-Schlesischen Sudetengebirgs- verein MSSGV gestalteten ersten Kirchheimer Osterbrunnen der Bevölkerung übergeben.

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM Der Marktbrunnen im Herzen der Teckstadt erhielt ein österliches Gesicht. Acht, mit immergrünem Buchs geschmückte und mit insgesamt rund 450 in den Stadtfarben gelb-blau bemalte Ostereier und Bänder zieren die zu einer Krone zusammengefassten Bögen. Das Wappen der Stadt Kirchheim sowie das des MSSGV vervollständigen das schmückende Gesamtwerk.

Günther Buck, Erster Vorsitzender des MSSGV, wies in seiner Begrüßung auf den Brauch des Osterbrunnens hin, der heute vor allem im Fränkischen lebendig ist. Doch die Ursprünge liegen weit zurück. Der erste Bericht über einen Osterbrunnen stammt aus dem Jahre 1322. Vermutlich handelt es sich um einen Brauch aus dem slawischen Raum, der dem Wasser als Lebenselexier eine besondere Bedeutung beimisst und in Folge dessen auch der Brunnenpflege.

Die Gestaltung des ersten Kirchheimer Osterbrunnens lag in den Händen von Wolfgang Znaimer, der sowohl für den MSSGV als auch für die Stadt Kirchheim schon viele Ausstellungen schuf. Im MSSGV-Vereinsheim wurde sein Entwurf verwirklicht. Die Stadt übernahm die Kosten, besorgte den Buchs, reinigte den Brunnen. Seit Samstag fließt aus seinen Rohren wieder das Wasser.

"Mit einem lachenden und einem weinenden Auge" übergab Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker den Osterbrunnen. Sie war sich sicher, dass der Osterschmuck noch mehr Attraktivität in die Stadt bringt und freute sich darüber. Nicht verhehlen wollte sie allerdings auch ihre Enttäuschung über den nächtlichen Vandalismus, der auch vor den Buchsgirlanden mit den von Wolfgang Znaimer in mühseliger Arbeit einzeln angemalten Ostereier nicht Halt machte. Am Freitagnachmittag angebracht, fehlten am Samstagmorgen bereits viele der runden österlichen Symbole. "Es ist schade und macht traurig, dass das Gesamtwerk nicht eine Nacht überlebte."

Die Idee, auch in der Teckstadt den Brauch des Osterbrunnens einzuführen, geht auf Angelika Matt-Heidecker zurück. Wie sie sagte, sei ihr der Gedanke bei der letztjährigen Ostereierausstellung des MSSGV gekommen und sie äußerte sich dankbar darüber, dass der Mährisch-Schlesische Sudentengebirgsverein, allen voran Wolfgang Znaimer, ihre Anregung sofort aufgegriffen habe. Wie Günther Buck zuvor, so warf auch die Oberbürgermeisterin einen Blick in die Historie des österlichen Brauchtums. "Das Osterei steht für das Leben und galt auch als ein Zeichen der Wiedergeburt und als Symbol der Auferstehung."