Lokales

Eigenleistung hilft Geld sparen

Kirchheimer Wehr legt dem Gemeinderat ihren selbst erarbeiteten Feuerwehrbedarfsplan vor

Die Kirchheimer Feuerwehr hat ein umfangreiches Werk erstellt, unter Beteiligung aller Abteilungen: den Feuerwehrbedarfsplan. Er gibt zum einen einen Überblick über den Leistungsstand der Freiwilligen Feuerwehr Kirchheim, zum anderen ist er Grundlage für Zuschussanträge bei künftigen Fahrzeugbeschaffungen.

Andreas Volz

Kirchheim. Der Auslöser kam von oben: Das Land Baden-Württemberg hat darauf gedrängt, dass in den einzelnen Kommunen Feuerwehrbedarfspläne vorhanden sind. Im August 2006 hat das Landratsamt den Städten und Gemeinden im Kreis Esslingen schließlich mitgeteilt, dass ein solcher Bedarfsplan bei Zuschussanträgen mit einzureichen sei. So steht es im Kirchheimer Feuerwehrbedarfsplan, so steht es in der Sitzungsvorlage des Gemeinderats, und so führte es auch Stadtbrandmeister Roland Schultheiß aus, als er das Werk im Kirchheimer Gemeinderat vorstellte.

Stadtbrandmeister Schultheiß wies ausdrücklich darauf hin, dass die Feuerwehr der Stadt Kirchheim geholfen habe, Geld zu sparen, indem sie den Bedarfsplan in Eigenregie erstellt habe: „Bei einer professionellen Firma hätte das rund 20 000 Euro gekostet.“ Sparen sei generell ein Ziel der Feuerwehr. So sei in Kirchheim daran gedacht, den Fahrzeugbestand zu reduzieren. Statt zwei Drehleitern solle es künftig beispielsweise nur noch eine geben. Insgesamt führe die Fahrzeugplanung der Kirchheimer Feuerwehr in den nächsten Jahren zu Einsparungen von über 800 000 Euro. Allerdings könne die Feuerwehr nun nicht noch mehr Geld einsparen, im Gegenteil: Das Budget des selbstverwalteten Haushalts der Kirchheimer Feuerwehr müsse erhöht werden.

Seit 1995 sei dieses Budget eingefroren, bei rund 317 000 Euro. Zwei Drittel entfielen auf fixe Kosten wie Wartungsverträge, Einsatzgelder oder Aufwandsentschädigungen. Nur ein Drittel des Budgets könne die Feuerwehr variabel nutzen, für Ausrüstung, Geräte, Einsatzkleidung oder Lehrgänge. Im Bedarfsplan wird darauf verwiesen, dass eine ganze Reihe von Kosten seit 1995 extrem gestiegen sei – angefangen von den Kraftstoffpreisen bis hin zu den Kosten für einen Führerschein. Die Feuerwehr sei dringend darauf angewiesen, genügend Fahrer zu haben. Sogar ein eigener „Führerscheinbedarfsplan“ ist schriftlich angekündigt.

Die Personalentwicklung sei zufriedenstellend, wie Stadtbrandmeister Roland Schultheiß im Gemeinderat ausführte. Derzeit habe die Freiwillige Feuerwehr Kirchheim 449 Mitglieder. Davon wiederum stehen 256 als aktive Mitglieder für Einsätze zur Verfügung. Der Altersdurchschnitt liege momentan bei 35,7 Jahren, aber der Trend gehe nach oben. Um dem entgegenzuwirken, denkt die Kirchheimer Feuerwehr an entsprechende Mitgliederwerbung. Insbesondere Frauen sollen für den ehrenamtlichen Dienst in der Feuerwehr gewonnen werden.

Bei der Verfügbarkeit sieht Roland Schultheiß „im Moment noch keine Probleme“. Die einzelnen Abteilungen hätten genügend Personal, um ihre Einsätze selbstständig bewältigen zu können. In 95 Prozent aller Fälle erreiche die Kirchheimer Feuerwehr einen Einsatzort in der vorgeschriebenen Zeit.

Ein Kernpunkt des Feuerwehrbedarfsplans ist das Beschaffungskonzept für die Fahrzeuge der Gesamtfeuerwehr. Der größte „Brocken“ ist die neue Drehleiter mit dem Standort Kirchheim, die die alte Drehleiter aus dem Jahr 1984 ersetzen soll. Die Kosten, die dafür veranschlagt sind, liegen bei 850 000 Euro. Laut Sitzungsvorlage für den Gemeinderat soll diese „Ersatzbeschaffung“ 2009 beim Landratsamt beantragt werden. Sollte die Genehmigung noch im selben Jahr erfolgen, könnte die neue Drehleiter 2011 in Dienst gestellt werden.

Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker betonte im Gemeinderat, dass der neue Bedarfsplan die Leistungsfähigkeit, den Ausbildungsstand und die Motivation der ehrenamtlichen Feuerwehrmitglieder hervorhebe. Die Einsätze seien äußerst vielfältig und würden sich nicht nur auf das Löschen beschränken. Außerdem bringe der Plan zum Ausdruck, „wie sicher die Bürgerschaft in Kirchheim ist“. Zum Zahlenwerk des Feuerwehrbedarfsplans hatte die Oberbürgermeisterin allerdings noch eine Anmerkung: Dort heißt es, dass die Aufwendungen für den selbstverwalteten Feuerwehrhaushalt in Kirchheim bei 6,13 Euro pro Jahr und Einwohner liegen. Dazu wollte Angelika Matt-Heidecker noch ergänzen, dass die Kosten für die Feuerwehr den Kirchheimer Verwaltungshaushalt für 2009 mit 24,17 Euro pro Einwohner belasten. Immerhin aber stellte sie fest: „Dieser Betrag ist richtig investiert.“

Der Gemeinderat sah dies ganz genauso: Nachdem einzelne Redner die Bedeutung der Feuerwehr und des ehrenamtlichen Engagements gewürdigt hatten, stimmte das Gremium dem Feuerwehrbedarfsplan einstimmig zu. Laut Sitzungsvorlage soll außerdem im kommenden Jahr geklärt werden, ob und wie der selbstverwaltete Haushalt der Freiwilligen Feuerwehr Kirchheim erhöht werden kann.

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