Lokales

"Eigenständige Kraft" im kirchlichen Gesamtensemble

Das Kirchheimer Architekturbüro Knoblauch-Luippold-Einselen (KLE) konnte den Wettbewerb um das neue katholische Gemeindehaus an der Vendelaustraße in Nürtingen klar für sich entscheiden. Mit dem Bau soll im Herbst 2007 begonnen werden.

NÜRTINGEN Der Neubau erschien notwendig, weil die italienische Mission San Martino und ihr kroatisches Pendant seit 1. Juli kirchenrechtlich eigene Gemeinden sind. Damit haben sie auch Anspruch auf eigene Büro- und Gruppenräume. Die Kirche Sankt Johannes wird weiterhin gemeinsam genutzt. Ursprünglich war daran gedacht worden, die jetzigen Räume einfach aufzustocken. Als Diözesanbaumeister Heiner Giese die Sache unter die Lupe nahm, warnte er schnell, dass dafür ein riesigen Batzen Geld in die Hand zu nehmen sei, um eine ästhetisch völlig unbefriedigende Lösung zu realisieren. Aus Sicht des Experten herrscht schon jetzt im Foyer eine regelrecht drückende Atmosphäre, und nach einer Erweiterung sei mit exorbitant hohen Bewirtschaftungskosten zu rechnen.

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"Das war für uns zunächst schon ein Schock", räumt Pfarrer Wolfgang Sedlmeier ein. Die Information, dass es bei der Diözese ein Programm für Architektenwettbewerbe gebe und Rottenburg die Hälfte dieser Kosten übernehmen würde, beschloss der Gemeinderat, "sich auf diesen Weg einzulassen". Mit einem ebenso unerwarteten wie großen Problem sahen sich die Verantwortlichen im Blick auf die so genannten "Bedarfsanerkennung" konfrontiert. Die Diözese gesteht den Nürtingern um sage und schreibe ein Drittel weniger Quadratmeter zu als sie jetzt schon haben. Die zweifellos anspruchsvolle Herausforderung für die am Wettbewerb beteiligenden Architekten lautete also: Nicht nur dasselbe wie bisher möglich zu machen, sondern sogar mehr, dabei aber weniger Fläche zur Verfügung zu haben, ein Ensemble mit den flankierenden Bauten (Kirche und Verwaltungsgebäude) zu schaffen, die Sondernutzung deutlich werden zu lassen, die Säle auf den Garten hin auszurichten, damit das Grün besser genutzt werden kann, zu zeigen, dass sich die Katholische Kirchengemeinde als selbstbewusste Kraft im Gemeinwesen versteht (ohne dabei zu protzen) und den Baukörper zugleich in die Umgebung der Vorstadt einzupassen.

30 Architekten versuchten sich mit ihrer Kreativität daran. Fünf waren von der Kirchengemeinde "gesetzt" worden, fünf Plätze für junge Architekten reserviert, 20 namhafte Wettbewerber kamen per Losverfahren dazu und aus diesen Reihen stammt der Sieger: das Kirchheimer Architekturbüro Knoblauch Luippold Einselen (KLE). Für deren Konzept sprach nicht nur das "großzügige Entree mit dem lichtdurchfluteten Foyer auf zwei Ebenen", sondern auch, dass die Planer das neue Gemeindehaus freistellten, sodass es als "eigenständige Kraft" wirken könne. Dadurch gebe es einen Vorhof, der den bisher fehlenden Kirchhof ersetzt. Aufgrund der kompakten Bauweise sei auch mit einer großen Wirtschaftlichkeit zu rechnen.

nz / tb