Lokales

Ein 90 Millionen Euro schweres Bauprojekt

Die definitive Entscheidung des Kreistags zum Baubeschluss für ein neues Klinikum auf dem Nürtinger Säer nahm Oberbürgermeister Heirich zum Anlass, dem Gemeinderat Informationen aus erster Hand zu bieten. Dazu waren Krankenhausdirektor Siegfried Schmid und Architekt Gerd Sommer in die Gemeinderatssitzung gekommen. Schmid rechnet für das Frühjahr 2007 mit dem Baubeginn für das knapp 90 Millionen Euro schwere Großprojekt.

UWE GOTTWALD

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NÜRTINGEN Schmid skizzierte nochmals die grundsätzliche Strukturentscheidung des Kreistags vom März 2003, die Kliniken in Nürtingen und Kirchheim zwar an ihren Standorten zu erhalten, gleichzeitig aber doppelt vorgehaltene Leistungen abzubauen und die einzelnen Fachbereiche auf die beiden Kreiskrankenhäuser zu verteilen. Damit einhergehend sollen beide Kliniken umfangreich modernisiert werden. Der Großteil der Investitionen wird in Nürtingen anfallen, wo wegen der Asbestbelastung ohnehin gehandelt werden musste.

Neben den Inneren Abteilungen an beiden Häusern wird in Kirchheim die ambulante Kurzzeitchirurgie und die Psychiatrie Platz finden, in Nürtingen soll eine große operative Intensivstation und ein chirurgisches Zentrum entstehen, außerdem die gynäkologische Abteilung mit der Geburtshilfe. Kirchheim wird 271 und Nürtingen 331 Betten vorhalten.

Architekt Gerd Sommer vom Planungsbüro Hoppe und Sommer GmbH stellte die Pläne für Nürtingen vor. Der mehrgeschossige Bau soll so an die Topografie angepasst werden, dass er nicht allzu weit über die Hangkante hinausragt. Der Neubau entsteht in etwa auf der Fläche der Parkplätze für das seitherige Krankenhausgebäude. Die Pläne für das neue Gebäude mit 160 000 Kubikmeter umbautem Raum und insgesamt rund 33 000 Quadratmeter Fläche mussten wegen der Vorgaben aus dem Sozialministerium, das den Zuschuss bewilligt, abgespeckt werden. Architekt Sommer: "Wir werden nicht den Standard einer Universitätsklinik bekommen, wohl aber ein modernes Kreisklinikum."

Mit dem Ausschreibungsverfahren soll im Mai nächsten Jahres begonnen werden, um im Februar 2007 loslegen zu können. Schon im kommenden Frühjahr jedoch wird eine rege Bautätigkeit auf dem Säer einsetzen. Sommer dazu: "Die Bauflächen müssen vorbereitet werden, außerdem sind Leitungen und Anschlüsse zu legen, weil künftig nicht nur die Klinik, sondern auch die Schulen zentral mit Wärme versorgt werden sollen." Dafür ist ein umweltfreundliches und energieeffizientes Blockheizkraftwerk vorgesehen. Für diese vorbereitenden Bauarbeiten, die noch Ende dieses Jahres ausgeschrieben werden sollen, müssen die Parkplätze verlegt werden.

Gemeinderätin Erika Maag-Brammer wollte in diesem Zusammenhang wissen, ob auf die Stadt noch Umlegungskosten zukommen könnten. Davon, so Sommer, gehe man nicht aus. Gemeinderat Thomas Hauptmann fragte nach, ob in Anbetracht der großen Flächen an eine Fotovoltaikanlage gedacht sei. Krankenhausdirektor Schmid dazu: "Bis jetzt ist geplant, die Dachflächen zu begrünen." Er habe allerdings erst vor kurzem eine Anfrage der Stadtwerke bezüglich einer Solarstromanlage erhalten und der Krankenhausdirektor ist nicht abgeneigt: "Neben Einnahmen aus der Vermietung der Dachflächen sind Erträge aus der Stromeinspeisung zu erwarten." Eine Entscheidung hänge jedoch auch davon ab, inwieweit die Stadt auf einer vollständigen Begrünung bestehe.

Gemeinderat Dieter Braunmüller (Nürtinger Liste/Grüne) hatte die nicht unerheblichen Kosten für den Abbruch des asbestbelasteten alten Krankenhauses im Blick: "Der Abbruch des Altbaus steht demnach wohl noch in den Sternen." Einen konkreten Termin konnte Schmid nicht nennen, zunächst gehe es um die Finanzierung des Neubaus. Man plane jedoch bereits Rücklagen für den Abbruch ein.

Bis die ersten Patienten in dem neuen Krankenhaus behandelt werden können, wird es noch bis zum Jahr 2010 dauern. Gerechnet wird mit einer Bauzeit von dreieinhalb Jahren, inklusive der erforderlichen Anlaufzeit von vier bis fünf Monaten für den Betrieb. Sommer dazu: "Das Klinikum erhält modernste Krankenhaustechnik, die muss erprobt und das Personal in den Umgang eingewiesen werden." Der eigentliche Umzug darf dann nicht länger als drei Tage dauern.