Lokales

Ein "alter Kämpfer" begeisterte sein Publikum

KIRCHHEIM Schon seit vielen Wochen war das Konzert mit der britischen Musiklegende Chris Farlowe ausverkauft und die 140 Gäste, die das Glück hatten, Eintrittskarten zu erhalten, waren durch den im Vergleich zu anderen Veranstaltungen

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USCHI NEROLADAKIS

deutlich erhöhten Eintrittspreis gleichzeitig in den Status von Sponsoren gekommen. Es existierte sogar schon eine Warteliste, denn keiner wollte sich dieses Highlight entgehen lassen.

"Saustolz" sei das Bastions-Team, diese Veranstaltung durchführen zu können, die Chris Farlowe im Rahmen seiner diesjährigen Europa-Tournee auch nach Kirchheim führte, betonte dann auch der Vorsitzende, Andreas Kenner, zu Beginn des vielversprechenden Abends. Die Band um den renommierten britischen Gitarristen Norman Beaker eröffnete das Konzert und heizte dem Publikum gleich gewaltig ein.

Im blauen Hawaii-Hemd erschien dann Chris Farlowe und besang in "Don't wanna sing the Blues no more" frühere Weggefährten wie Jimi Hendrix und Joe Cocker. Auch an Chris Farlowe ist die Zeit nicht spurlos vorbei gegangen, doch auf der Bühne entfaltet er wie in früheren Zeiten unglaubliche Energie. Seine Stimme ist sein Instrument: Er singt, schreit, säuselt, schmachtet und faszinierte mit seiner unglaublichen Ausdruckskraft auch das Kirchheimer Publikum.

Chris Farlowe steht seit nunmehr fünf Jahrzehnten auf der Bühne und verfügt über eine bemerkenswerte Ausstrahlungskraft. Er schien sich in der Bastion sehr wohl zu fühlen "das erinnert mich an mein Haus in London" und genoss das Ambiente und die besondere Atmosphäre des Kellergewölbes. Schnell hatte er Kontakt zum Publikum gefunden und es war an diesem Abend sicher von Vorteil, über Englischkenntnisse zu verfügen, um sich den britischen Humor und die Schlagfertigkeit des Alt-Rockers nicht entgehen zu lassen.

Umgeben von hervorragenden Musikern wie Damian Hand am Saxofon, Andy Gibbons an den Keyboards, John Price am Bass, Paul Burgess am Schlagzeug und dem Gitarristen Norman Beaker ließ Chris Farlowe dennoch nicht den geringsten Zweifel aufkommen, wer der Star des Abends war. In den Sechziger-Jahren hatte Farlowe die Gruppe "Thunderbirds" mitgegründet, sang danach bei "Atomic Rooster" und vor allem auch bei "Colosseum" alles klangvolle Namen der Rock- und Bluesgeschichte.

"Rock'n Roll Soldier" heißt die derzeitige Tournee und Chris Farlowe machte deutlich, dass er als alter Kämpfer immer noch dabei sei, die Musikszene aktiv mitzugestalten, auch wenn er vor kurzem 64 Jahre alt wurde. Chris Farlowe beherrschte den Abend mit bemerkenswerter Professionalität, wirkte aber doch jeden Augenblick frisch und spontan und ließ mit alten und neuen Titeln ein Stück Musikgeschichte lebendig werden. Den gefühlvollen Blues "Though on Me, Though on You" ließ er in einen Lobgesang auf deutsche Biere enden und aus dem "Stormy Monday Blues" wurde ein stürmischer Freitagabend.

Dicht gedrängt stand das Publikum im Bastionskeller, als "Handbags and Gladrags" von Mike d'Abo erklang, ein Hit, der später von Rod Stewart gecovert wurde und bei "All or Nothing" konnten dann wirklich alle mitsingen.

Schließlich und endlich gab es dann auch "Out of Time", ein Titel von Mick Jagger und Keith Richard, mit dem Chris Farlowe 1966 die Hitparaden stürmte und den absoluten Nummer-1-Hit landete. Als Klassiker der Rolling Stones ist er heute immer noch jedem Musikfan ein Begriff.

Dass Chris Farlowe bei seinem Eintreffen in Kirchheim am auf ihn wartenden Bastions-Team einfach vorbeimarschierte und statt in den Gewölbekeller in Richtung Rollschuhplatz abbog, mag als gutes Omen für eine Idee gelten, die im Laufe des begeisternden Abends immer mehr Anhänger fand: Ein Konzert mit Chris Farlowe und "Colosseum" auf dem Kirchheimer Rollschuhplatz könnte sicher zu einem absoluten Spitzenereignis für die Teckstadt und natürlich auch für die Veranstalter des club bastion werden.