Lokales

„Ein bisschen Anarchie ist immer“

260 Kinder nehmen an der Spielstadt „Rainbow City“ teil

Wieder einmal ist es so weit: Die Spielstadt „Rainbow City“ hat zum 15. Mal ihre Tore geöffnet. Rund 260 Kinder im Alter zwischen neun und dreizehn Jahren konnten es kaum erwarten und fieberten vor dem Stadttor dem Startschuss für das Ferienangebot auf dem Gelände rund um die Schlierbacher Sporthallen entgegen. Nachdem sie „ihre“ Stadt in Besitz genommen hatten, machten sie sich daran, die verschiedenen Angebote und ihre „Arbeitsstellen“ zu erkunden.

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Volkmar Schreier

Schlierbach. Die Begrüßung der Kinder erfolgte standesgemäß: Die Neubürger der Regenbogenstadt durften durch das Spalier der 140 Betreuer in die Stadt einziehen. Erste Station: Das sogenannte Fernsehstudio, der zentrale Versammlungsraum der Spielstadt, wo nicht nur das Betreuerteam, sondern auch Schlierbachs Bürgermeister Paul Schmid die Neubürger begrüßten.

Der obligatorischen Begrüßung durch den Rathauschef folgte eine weitere wichtige Amtshandlung: „Ab jetzt seid ihr die Herrscher über diesen Teil Schlierbachs“, übergab Schmid einen Teil seiner Befugnisse an die Bürgerinnen und Bürger der Spielstadt. Denn einen Gemeinderat und ihren Bürgermeister wählen die Einwohner von Rainbow City traditionell selbst aus ihren Reihen.

Das Prinzip der Spielstadt „Rainbow City“ ist so simpel wie effektiv: Neun Tage lang bis zum 30. August sind die Kinder „Bürger“ der Stadt, gehen verschiedenen Arbeiten und Aktivitäten nach, verdienen Geld in der Stadtwährung, den „Rainies“, und können in ihrer Freizeit dieses Geld wiederum an den vielen Ständen der Spielstadt ausgeben.

Die Stadt hat alles im Kleinen, was es im richtigen Leben auch gibt: Von A wie Arbeitsamt, wo sich die Kinder alle zwei Tage eine neue Arbeitsstelle suchen können, bis Z wie Zirkus, der für Unterhaltung sorgt, findet sich ein breites Spektrum verschiedenster Angebote und Aktivitäten. In der Bäckerei wird eifrig gebacken, in der Seifenwerkstatt stellen die Kinder selber Seife her und in der Action Academy gibt es verschiedene Vorträge und Kurse im Stile einer Volkshochschule. „Uns ist wichtig, dass auch behinderte Kinder mitmachen können“, sagt das Mitglied des Organisationsteams Andre Knaus. Dafür arbeiten die Veranstalter eng mit dem Göppinger Verein „Gemeinsam leben – Gemeinsam lernen e.V.“ zusammen.

Natürlich haben überall zahlreiche Betreuer ein Auge darauf, dass nichts passiert. Insgesamt 140 Jugendliche, die größtenteils zwischen 14 und 17 Jahre alt sind, sind rund um die Uhr im Einsatz und übernachten auch – im Gegensatz zu den Bürgern der Stadt – auf dem Gelände. Interessanterweise sind die allermeisten der Betreuer selbst ehemalige Bürger der Regenbogenstadt, was aber durchaus gewollt ist. Sarah Kischka, seit dem Jahr 2000 als Aufpasserin dabei, erzählt: „Wir wollen die Spielstadt nicht nur für die Kinder machen – die Betreuer sollen auch die Möglichkeit haben, für sich etwas zu lernen.“

„Im Vordergrund steht immer der Spaß für alle Teilnehmer und das gemeinsame Ausprobieren von Neuem“, sagt Andre Knaus. Natürlich gelingt nicht immer alles, aber: „Die Stadt soll leben – und ein bisschen Anarchie ist immer.“ Dass die Spielstadt auch im kommenden Jahr wieder leben wird, ist bereits ausgemachte Sache. Dann schlägt „Rainbow City“ in Ebersbach die Zelte auf.