Lokales

Ein „Brückenbauer“ im Schwabenalter

Bunte Feier zum 40-jährigen Bestehen des AKB Kirchheim in der Stadthalle

Der AKB Kirchheim ist ins Schwabenalter gekommen. Dabei haben dem „sozialen Brückenbauer“ alle Festredner bei der bunten Jubiläumsfeier in der Stadthalle Respekt und Anerkennung dafür gezollt, schon lange vor dem 40. Geburtstag „gscheit“ gewesen zu sein und Inklusion gelebt zu haben.

Mit viel Spaß bei der Sache: Die AKB-Theatergruppe am Jubiläumsabend in Aktion beim ¿Roboter-Tanz¿ auf der Bühne der Stadthalle.
Mit viel Spaß bei der Sache: Die AKB-Theatergruppe am Jubiläumsabend in Aktion beim ¿Roboter-Tanz¿ auf der Bühne der Stadthalle.Foto: Markus Brändli

Kirchheim. Wenn man hierzulande ins Schwabenalter kommt, ist das allemal ein Grund kräftig zu feiern. Darin macht die große AKB-Familie, die sich seit Kurzem in einem Verein zusammenschloss, keine Ausnahme. Da sie seit vielen Jahren Inklusion lebt, wie ihr Landrat Heinz Eininger anerkennend bescheinigte, ist es auch nur konsequent, nun den Namen „Aktionskreis für Menschen mit und ohne Behinderung“ zu führen.

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„40 Jahre im sozialen Ehrenamt unterwegs zu sein, ist etwas Besonderes“, zollte nicht nur der Landrat dem Aktionskreis Respekt. „Viele Städte beneiden uns um den AKB“, wusste Kirchheims Bürgermeister Günter Riemer und bedankte sich ebenso wie zuvor Landrat Eininger bei dem Geburtstagskind für dessen Einsatz. „Es zeigt unserer Gesellschaft, dass es zur Teilhabe behinderter Menschen am alltäglichen Leben keine Alternative gibt“, waren sich die Festredner einig. „Sie sind einfach dabei, zum Beispiel beim Dämmerschoppen, und bei uns in der Innenstadt präsent bei vielen Anlässen mit vielen Aktivitäten“, erinnerte Günter Riemer daran, dass es für den Aktionskreis selbstverständlich ist, Menschen mit Handicaps einzubinden und ihnen das Gefühl der Gleichwertigkeit zu geben.

Sowohl Eininger wie Riemer betonten den Wert der gemeinsamen Freizeitgestaltung: „Sie sind gerne unter Menschen, feiern gerne, essen gerne und machen gerne Ausflüge. Das ist etwas, was Normalität zeigt“, so der Landrat.

Auf einen weiteren Aspekt in diesem Zusammenhang wies Bürgermeister Riemer hin: „Ihr Engagement gibt den Angehörigen Zeit zum Verschnaufen“. Sein Fazit lautete deshalb: „Wenn es den AKB nicht gäbe, würde uns etwas fehlen“.

Die Geburtstagsglückwünsche der Lebenshilfe Kirchheim überbrachte Vorsitzende Bärbel Kehl-Maurer. „Der AKB wird nicht erst im Schwabenalter gscheit, er war es von Beginn an und hat seine Ziele umgesetzt, als es noch keine UN-Behindertenkonvention gab.“ Kehl-Maurer unterstrich die Gemeinsamkeiten von AKB und Lebenshilfe und wies auf die vielen Ehrungen hin, „die der Aktionskreis zu Recht erhalten hat, und ich bin sicher, es werden noch weitere folgen“. Die Vorsitzende der Lebenshilfe Kirchheim sicherte dem „Aktionskreis für Menschen mit und ohne Behinderung“ auch weiterhin ihre Unterstützung zu.

Die „Happy Voices“ sorgten mit schwungvollen, bekannten Songs für eine stimmige musikalische Unterhaltung zwischen den Reden.

Zu Beginn hatten Thomas Mailänder, Simon Deuschle und Arthur Neidich, drei von rund 100 AKBlern, den „bunten Haufen, der gerne feiert“, in der Stadthalle begrüßt. „Ich bin gerne beim AKB, weil ich hier viele Unternehmungen machen kann, die ich alleine nicht machen könnte, weil wir sehr viel Spaß miteinander haben können, weil es da sehr gutes Essen gibt und weil man Bus fahren kann“, begründete Arthur Neidich seine Vorliebe für den Aktionskreis. Und Thomas Mailänder und Simon Deuschle beschrieben im Zeitraffer die Entwicklung des AKB seit 1972 vom ersten Bastelnachmittag in der Auferstehungskirche bis zum Café Paradiesle in der Begegnungsstätte in der Kirchheimer Saarstraße.

Bereits vor der Saalöffnung hatte der Aktionskreis bei einem Sektempfang Ehemalige, Freunde, Förderer und Mitglieder im Foyer der Stadthalle begrüßt. Nach dem Abendessen war Theater und Tanz in der Halle angesagt.

Aktionskreis für Menschen mit und ohne Behinderung: Wie alles begann

Über die ersten Jahre des AKB berichteten Gerhard Thrun, Karl Blankenhorn, Gaby und Martin Lempp sowie Martin Renz. 1972 schlug eine Jugendgruppe der Auferstehungskirche vor, mehrmals im Jahr Ausflüge mit behinderten Kindern und Jugendlichen zu unternehmen. Die Einladungen dazu erfolgten über Kontakte mit der Bodelschwinghschule, früher Kirchheim, später Nürtingen, und Verantwortlichen der Lebenshilfe Kirchheim. Die Jugendgruppe traf sich in den Räumen der Auferstehungskirche, einer Baracke mit Miniglockenturm. Nicht alle hatten einen Bezug zu Kirchengemeinden. Die Leitung hatte, wie heute beim AKB, ein Team inne und die Gruppe war gemischtgeschlechtlich, zur damaligen Zeit bei kirchlichen Jugendgruppen eher eine Seltenheit. Bereits 1972 für den AKB die Inklusion Leitidee. Junge Menschen wollten versuchen, durch Spiele gemeinsame Erlebnisse und Begegnungen behinderte Kinder und Jugendliche in ihrer Freizeit zu beschäftigen und in die Gesellschaft einzugliedern. Die ersten Aktivitäten 1972 waren ein gemeinsamer Gottesdienst in Sankt Ulrich, Sonntagsaktivitäten der Jungen Gemeinde an der Auferstehungskirche, Spielnachmittag im Doschler, Besuch des Segelfluggeländes Dettingen, ein Referat für Mitarbeiter über Behinderungen, ein Sommerfest mit der Kontaktgruppe Weilheim, Osterbazar mit anschließendem Kauf eines Klettergerüsts für die Au-Baracken, eine Wanderung zur MSSGV-Hütte bei Schopfloch und eine Wochenendfreizeit in der Sigelshütte. Heute gibt es acht Clubs im AKB. Der erste Club wurde im März 1975 gegründet und traf sich 14-tägig. Die ersten Veranstaltungen des AKB gingen in der provisorischen Kirche und später im Neubau der Auferstehungskirche über die Bühne. Später wurde dann nach dem Auszug der Sonderschule in die Bodelschwinghschule dem Schulkindergarten eine Baracke und die andere dem AKB zur Verfügung gestellt. Die beiden Baracken in der Austraße in Kirchheim hatte die Lebenshilfe von der Stadt angemietet. Die gemeinsame Freizeitgestaltung von Menschen mit und ohne Behinderung entsprach in den 70er Jahren nicht dem Zeitgeist. Erst allmählich und durch die Erfolgsmeldungen über den AKB sowie die Erfahrungsberichte meldeten sich immer mehr Interessenten. Viele hatten zuvor keinen Kontakt zu behinderten Menschen. Etwa gegen Ende der 70er Jahre war es „in“, im AKB mitzuarbeiten. Viele Realschüler, Gymnasiasten, Studenten, aber auch andere Interessierte arbeiteten in den Clubs und bei den Freizeiten mit.