Lokales

Ein cooler Rapper mit großem Herz

Abschlussveranstaltung der Kompetenzwerkstatt an der Werkrealschule in Lenningen

Eine gewisse Spannung liegt in der Luft, denn schließlich ist es ein besonderer Tag für die 24 Schülerinnen und Schüler der Klasse 7 a der Werkrealschule in Lenningen. Sie haben zur Abschlussveranstaltung der Kompetenzwerkstatt in die Aula im Schulzentrum Oberlenningen eingeladen.

Die Klasse 7¿a mit dem Wegweiser für die Kompetenzwerkstatt. Foto: Jean-Luc Jacques
Die Klasse 7¿a mit dem Wegweiser für die Kompetenzwerkstatt. Foto: Jean-Luc Jacques

Lenningen. „Zur Veranstaltung geht es da lang. Sie können gleich reingehen, die Tür ist offen“, werden die Gäste schon in der Hohen Steige begrüßt. Es ist eine steile Straße. Wer nicht in unmittelbarer Nähe des Schulzentrums einen Parkplatz gefunden hat, ist hier schon leicht außer Atem und freut sich, auf Halbhöhenlage mehr oder weniger ebenen Wegs auf die Aula zusteuern zu können. Dort ankommen, empfängt die Besucher ein überwältigender Duft. Gebackene Leckereien machen sofort Appetit auf mehr und das aufgeregte Durcheinander zahlreicher Jugendlicher zeigt deutlich: Dies ist für 24 Jungs und Mädels kein gewöhnlicher Abend – es ist ihr Abend.

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Was in den nächsten ein, zwei Stunden passiert, das haben die Jugendlichen selbst in der Hand. Wie bei vielen Erwachsenen auch, ist Vieles auf den letzten Drücker umgesetzt worden – und perfekt sind schließlich nur die Uncoolen. Gespannt harren Eltern, Geschwister und Lehrer der Dinge, die da kommen werden. „Es ist das erste Mal, dass die Kompetenzwerkstatt an unserer Schule stattfindet“, freut sich Andrea Geltz, Konrektorin der Grund- und Werkrealschule Lenningen, und erklärt, um was es im Wesentlichen dabei geht: die Stärken entdecken und daran weiterarbeiten.

„Die Schüler haben viel vorbereitet und der Abend gehört den Jugendlichen“, macht Heike Deigendesch denn auch unmissverständlich klar. Sie ist Leiterin der Offenen Schulbezogenen Jugendarbeit Lenningen, eine Einrichtung des Kreisjugendrings (KJR) Esslingen. Seit 2006 initiiert der KJR im Landkreis Esslingen die Kompetenzwerkstatt, die in Lenningen im vergangenen Schulhalbjahr stattgefunden hat. „Es ist ein stärkeorientiertes Programm, das aus verschiedenen Modulen zusammengesetzt ist. Dabei geht es um die Berufsorientierung“, erklärt Heike Deigendesch. An diesem Abend bekommen alle Schüler ein Zertifikat überreicht. Jeder und jede wird namentlich aufgerufen und so das Engagement des Einzelnen gewürdigt und dokumentiert. „Das Zertifikat kann man bei der Bewerbung für einen Ausbildungsplatz mitschicken“, zeigt Heike Deigendesch die Vorteile auf.

„Wir sind die Organisationsgruppe und begleiten euch durch den Abend“, stellen sich drei Mädchen vor und leiten ohne viel Federlesens zu Sebastian und Sepp über. Die haben sich mächtig ins Zeug gelegt und präsentieren stolz ihr Modell. Ihr Ziel ist die Verwirklichung einer Skaterbahn in Schopfloch. Welche Schikanen die haben soll, ist klar ersichtlich. In Teilen erinnert sie an eine Radrennbahn und es gibt Berg- und Tal-Abschnitte. „Das Ganze hat uns jede Menge Zeit und Nerven gekostet“, verraten die zwei und haben die Lacher damit auf ihrer Seite. Wie es aus ihrer Sicht weiter gehen soll, ist klar: „Wir hoffen, dass wir dafür eine Genehmigung bekommen – einen Platz hätten wir schon“, erklären sie selbstbewusst in Richtung des Bürgermeisters.

Völlig andere Interessen hat dagegen die zweiköpfige Kindergartengruppe. Ihr Traumberuf ist Erzieherin, und dem sind sie ein kleines Stückchen nähergekommen. Sie verbrachten einen Vormittag im Kindergarten Regenbogen und hatten richtig Spaß mit den Kleinen. „Zuerst haben wir uns mit den Kinder warmgespielt und dann in der kuscheligen Leseecke vorgelesen“, erzählen sie ihre Erlebnisse. Die Erfahrungen, die sie sammeln konnten, waren allesamt positiv. So ist es nicht verwunderlich, dass sie sich durchaus vorstellen können, diesen Beruf zu ergreifen.

Aufgelockert wird der Abend durch die Darbietungen der Musikgruppe, weitere Schüler erzählen von ihrem Engagement im Sportunterricht und was sie in der Backgruppe so alles angestellt haben – außer backen. „Wir haben viel Quatsch gemacht und uns die Gesichter mit Mehl weiß gemacht“, erzählen die Mädels lachend. Davon gibt es sogar Beweisfotos, die an einer Stellwand hängen.

Nachhaltigen Eindruck hinterlässt die zweiköpfige Rap-Gruppe, die zunächst Bushido, den erfolgreichsten Rapper Deutschlands, vorstellt. Dann wollen die beiden ihre selbst geschriebenen Texte vortragen, doch die Anlage zickt zunächst. Von all dem lässt sich Semih nicht aus dem Konzept bringen und trägt seinen Part vor. Darin kommt klar zum Ausdruck, dass vieles Sch. . . ist, er aber trotzdem auf einen Schulabschluss hinarbeitet, denn er will schließlich einen guten Job, um sich Auto, Wohnung, tolle Frau und vieles mehr leisten zu können. Den krönenden Abschluss soll Elmi mit seinem Text übernehmen, doch er fällt aus dem Rhythmus und verstummt. Bange Sekunden vergehen, Semih hält eisern zu seinem Gesangspartner, baut goldene Brücken und seinen Kumpel auf. Und dann gibt es ein Happy End: Elmi fasst sich ein Herz und gibt seinen Song ohne Musik zum Besten – lang anhaltender Applaus zollt beiden Respekt.