Lokales

Ein doppelter Grund zum Feiern

KIRCHHEIM Am kommenden Montag stehen dem Ehepaar Portius gleich zwei große Ereignisse ins

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NATALIE DE JONG Haus: Zum einen das 60-jährige Bestehen ihrer Ehe und zum anderen der Geburtstag des Bräutigams. Denn am 27. Februar 1946 wurde dem ohnehin schon freudigen Festtag durch die Hochzeit von Jutta und Heinz Portius noch ein zweiter Grund zum Feiern hinzugefügt.

Heinz Portius stammte aus einem Dorf in der Nähe von Naumburg an der Saale. Nach seinem achtjährigen Militärdienst bei der Marine kehrte der junge ledige Mann nach Hause zurück und lernte dort seine große Liebe Jutta kennen. Schon nach kurzer Zeit war dem heute 86-Jährigen klar, dass er "diese schöne Frau" heiraten will. Dieses Vorhaben setzte er dann auch wenig später in die Tat um.

Einige Zeit nach der Hochzeit nahm Heinz Portius, gelernter Metzgermeister und Koch, einen Job als Küchenchef auf Usedom an. Ein Jahr später setzte er sich in den Westen, nach Stuttgart, ab. Danach folgte eine harte Zeit für das junge Paar. Jutta Portius, die mit den Kindern es waren inzwischen zwei Töchter und ein Sohn aus ihrer Ehe hervorgegangen ihrem vorausgereisten Mann folgen wollte, bekam keine Ausreisegenehmigung. Erst nach einem dreiviertel Jahr der Trennung erhielt sie endlich die Erlaubnis, ihrem Mann folgen zu dürfen. Da jedoch die Gefahr bestand, dass die Genehmigung wieder zurückgezogen wurde, brach Jutta Portius mit ihren drei Kindern im Dezember 1954 in einer Nacht- und Nebel-Aktion von zu Hause auf und schaffte es, heil bei ihrem Mann in Stuttgart anzukommen. So wurden alle Fünf nach einer langen Zeit wieder zusammengeführt.

1967 verschlug es die Familie nach Ötlingen, da sich hier für Heinz Portius die Möglichkeit einer eigenen Metzgerei bot. Obwohl er sich bei seiner Arbeit als Koch erfolgreich mit der Herstellung schwäbischer Speisen, wie zum Beispiel den guten traditionellen Spätzle, angefreundet hatte, verkaufte er in seiner Metzgerei dennoch vorwiegend Thüringer Spezialitäten. Nach einem Unfall auf dem Schlachthof

ordnete er sein berufliches Leben neu und arbeitete bis zu seinem 63. Lebensjahr als Hausmeister bei der Kreisbau. Zu den drei Kindern gesellten sich im Laufe der Jahre sechs Enkel und schließlich sogar drei Urenkel, von denen der jüngste gerade erst 16 Wochen alt ist.

Seit über zwei Jahrzehnten genießt Heinz Portius mit seiner Frau, die lange Zeit als Verkäuferin gearbeitet hat, die Vorzüge des Ruhestands. Das Kochen hat er nie aufgegeben. Auch heute noch zaubert er an den Wochenenden für sich und seine Frau ein leckeres Festmahl, bevorzugt mit Fisch verfeinert. Außer natürlich am nächsten Samstag, denn da wird zur nachträglichen Feier des außergewöhnlichen Hochzeitstages mit der ganzen Familie im Restaurant gegessen.