Lokales

Ein Fest der Bewegung und Begegnung

LENNINGEN "Du heilger Geist bereite ein Pfingstfest nah und fern" diese Liedzeile nehmen die Oberlenninger beim Wort. Seit Jahren reisen Mitglieder der evangelischen Kir-

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ERIKA HILLEGAART

chengemeinde in ihre über 800 Kilometer weit entfernte slowenische Partnerstadt, um mit deren evangelischen Minderheitsgemeinde des Augsburger Bekenntnisses Pfingsten zu feiern.

Nun ist die kleine Delegation ins Lenninger Tal zurückgekehrt, zwei Kirchengemeinderäte, sechs Jugendliche und Pfarrer Karlheinz Graf. Die Weitgereisten sind erfüllt von den Erlebnissen und bewegt vom Fest der Begegnung. Anlass war heuer der fünfte Gedenktag an die Einweihung der dortigen "Heilig-Geist-Kirche". Ihre Erbauung ist ein wahres Pfingstwunder: Zahlreiche Gemeinden und Einzelpersonen aus ganz Europa und den USA spendeten großzügig für den modernen Bau. Auch Oberlenningen trug kräftig "Steine mit aufs Baugerüst". So ist es kein Wunder, dass Pfarrer Graf als Gastprediger am Pfingstsonntag, dem Geburtstag der Kirche, über "Lebendige Steine nicht auf Sand gebaut" sprach. "Die Geburtsstunde der Kirche war einst begleitet von einem plötzlichen Brausen und dem Hören in der jeweils eigenen Sprache, das sind Symbole für Bewegung und Verständnis". Die urchristliche Gemeinde sei von vier Säulen getragen worden: von der Lehre der Apostel, der Gemeinschaft, dem Brotbrechen und dem Gebet.

Die Jugendlichen, alle mitverantwortlich in der Oberlenninger Jugendarbeit, zeigten an Trinitatis, dem Dreifaltigkeitssonntag in der Sankt-Martins-Kirche in Oberlenningen, was Begeisterung heißt. Sie nannten ihre Bilderschau von den Höhepunkten des Gottesdienstes, der Gastfreundschaft und der gesellschaftlichen Treffs in Nitra schlichtweg Power Point Präsentation. Der Funke oder war es eine Flamme? sprang über. "Wir waren beeindruckt von dem feierlichen Gottesdienst mit vielen liturgischen Elementen und Chorgesängen", so die Jugendlichen. Die Gottesdienste seien stets gut besucht, auch von den Studentender 100 000-Einwohner-Universitätsstadt. In den Gastfamilien sei deutsch und englisch gesprochen worden, sie seien überreich bewirtet und verwöhnt worden und hätten Geschenke für Oberlenninger Bekannte mit ins Gepäck bekommen.

Die Bilder und Berichte der Jugendlichen vertiefte Pfarrer Graf: Partnerschaften müsse man leben, erleben. Es gälte die Gemeinschaft über Grenzen hinweg zu stärken und sich trotz Sprachschwierigkeiten für einen europäischen Dialog stark zu machen. "Partnerschaften bereichern stets und wenn sie weitergehen sollen, müssen sie auch verjüngt werden", sagte Pfarrer Graf und übermittelte auch die Grüße seines Kollegen in Nitra; Pfarrer Ivan Elko sieht in der Spontaneität, einem langen Atem und in der Glaubenszuversicht die Grundlage dieser Freundschaft. In der Tat sind seit über zehn Jahren durch Besuche und gemeinsame Feste viele Fäden gespannt und zu einem Band der Freundschaft verflochten worden.

Pfarrer Graf berichtete auch von einem Gespräch mit dem slowakischen Botschafter Jan Voldin, der sechs Jahre lang in Berlin war und seit kurzem wieder in Bratislava als persönlicher Berater des slowakischen Präsidenten für wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der BRD sei. Der Politiker habe diese Partnerschaft gewürdigt, denn die größer gewordene Europäische Union habe Fragen und Ängste geweckt. Die Politik brauche das zivilgesellschaftliche und kirchliche Engagement für das Zusammenwachsen. In diesem Sinn unterstützen auch die baden-württembergischen Landesbischöfe und Synodalpräsidenten die Paten- und Partnerschaften mit Nitra und der Thüringer Kirchengemeinde Frauensee: "Der Glaube hilft, Ängste ernst zu nehmen und dennoch hoffnungsvoll an der Zukunft mitzuwirken. Europa braucht eine Seele".

Und es braucht die Jugend. Dies sei für die älter werdende Kirchengemeinde ein hoffnungsvolles Zeichen, meinte ein Gottesdienstbesucher. Nathalie und Julia hatten stellvertretend auch für Stefan, Maren, Larissa und Matthias von ihrem Jugendtreffen in Jablonic berichtet, einem kleinen Ort östlich von Nitra. Dort hat die evangelische Kirchengemeinde Nitra ein älteres Haus gekauft. Dies soll ein Freizeitheim für Begegnungen der Jugend werden. Für dessen Sanierung erhofft sich die dortige Gemeinde auch Spenden vom Kirchenbezirk Kirchheim und von der Oberlenninger Kirchengemeinde.

An diesem Dreieinigkeitsfest einem zunehmend unbekannten Kirchenfest gelang es der jungen Delegation von einer lebendigen Beziehung über die Grenzen hinweg unbeschwert und offen zu erzählen.