Lokales

Ein Fest für die Sinne in Wendlingen

WENDLINGEN Vor einem Vierteljahrhundert wurde zum ersten Mal das Zelt am Schäferhauser See aufgebaut. Über 43 000 Gäste besuchten das Zeltspektakel, eine der ältesten nicht kommerziellen Veranstaltungen in der Region.

BRIGITTE GERSTENBERGER

An die 192 Gruppen und Künstler und mehr als 400 Stunden Programm begeisterten das Publikum.

Reichlich Gründe also für die Zeltspektakelmacher, das Jubiläum gemeinsam mit ihrem Publikum zu feiern. So fand nun am Samstag eine hinreißende Geburtstagsparty statt, zu der die Besucher in Scharen strömten.

Der Wettergott hatte ein Einsehen, rechtzeitig zum Festbeginn erstrahlte die Sonne und vertrieb somit auch schlagartig die Sorgenfalten von Jörg Fritz und seinen Mitstreitern. "Es ist unglaublich, wir haben nicht mit so vielen Besuchern gerechnet", so ein sichtlich erleichterter Fritz, der in Anbetracht zunehmender Warteschlangen vor den Getränkeständen trotz allem nicht aus der Ruhe zu bringen war. Derweil vergnügte sich die Jugend im Zelt mit den Bands "Coach Potatos" und "Funky Fizzle". Zwei Bands, die beim Nachwuchswettbewerb im Jugendhaus knapp an den ersten beiden Plätzen vorbeigeschrammt waren.

Inzwischen waren alle Biertische und Bänke rund ums Zelt und im Zelt belegt und diejenigen, die keinen Platz mehr fanden, machten es sich auf der Wiese vor dem See bequem oder spazierten mit der Familie um diesen herum. Eine generationsübergreifende Party, deren Besucher voller Spannung auf das abendliche Ereignis warteten. Anstelle eines Zeltspektakels hatten sich die Veranstalter zum Jubiläum ein "Seespektakel" ausgedacht. Ein illuminierter See mit farbenprächtig angestrahlten Fontänen und Wasserspielen.

Zu solch faszinierendem Szenario in lauer Sommernacht passte natürlich die geölte Rhythmusmaschine "Agua Loca", was in der Sprache der Indios soviel wie "verrücktes Wasser" bedeutet, perfekt. Beim musikalischen Höhepunkt des Abends gab es vom ersten Ton an ausgelassene Party-Stimmung. Mit einer scharfen Mixtur aus Flamenco-, Reggae-, Socca- und Salsa-Rhythmen begeisterte die Band die Zuhörer aller Altersklassen. Salsa, die spanische Kurzform für salsa picante, "scharfe Soße" feuriger ging es kaum mehr.

Saturday-Night-Fieber und südländisches Flair am Schäferhauser See, da zuckten schweißtreibend Schultern, Arme und Beine, und Hüften bewegten sich schwungvoll im Takt. "Das ist genau der richtige Sound für uns", jubelten verzückt die Latin-Fans Rita, Marina und Heide aus Kirchheim in die tanzende Menge.

Unterdessen war die Nacht hereingebrochen und die Verzauberung am See konnte beginnen. Rotes Wasser, lila Schwäne, gelb beleuchtete Fontänen, das farbenfrohe Scheinwerfer-Gemisch verwandelte die Landschaft nebst See in eine bizarre Märchenwelt. Und als der aufgehende, orange leuchtende Vollmond durch die Baumwipfel schimmerte, wurden fliegende Heißluftlampions gestartet. Ein imposantes Erscheinungsbild zur nächtlichen Stunde und ein traumhaftes, stimmungsvolles Sinnerlebnis, das vom Publikum mit viel Applaus honoriert wurde.

Ein überaus gelungenes, liebevoll inszeniertes Jubiläumsfest, das in gewohnter Manier von einem engagierten Zeltspektakel-Team veranstaltet wurde.

Große Freude herrschte auch bei Jörg Fritz über das wieder erfolgreiche Fest. Sicherlich ein gutes Omen für das nächste Zeltspektakel, das vom 11. bis 14. Oktober stattfindet und mit einer Neuheit aufwartet. "Es wird mit einer Eröffnungsgala mit verschiedenen Künstlern aus dem Varieté beginnen. Eine der Hauptkapellen sind die ,Leningrad Klauboys', die kommen alle aus der Gegend und haben uns vor Jahren schon mal einen fulminanten Zeltspektakel-Abend beschert". Über den musikalischen Top-Act hüllt sich Fritz allerdings noch in Schweigen, "die Vertragsverhandlungen sind aber so gut wie in trockenen Tüchern."

Dafür verrät er aber schon mal, dass Uli Keuler bei diesem Programm selbstverständlich dabei sein wird. Ein besonderes Geburtstagsgeschenk hat sich die Musikschule Wendlingen/Köngen ausgedacht. Sie wird mit sieben Musikvereinen am Sonntagnachmittag ein Konzert zusammenstellen. Ein lieber Künstler ist auch Heiner Kondschak. Mit fünf Musikern "Die fantastischen Fünf" wird er das Kinderprogramm bestreiten.

Von der Stadt Wendlingen bekam der Verein für das Jubelfest den Platz und das Zelt gebührenfrei, die Köngener Verwaltung hingegen befindet sich noch im Entscheidungsprozess, ob das Geschirrmobil und die Toilettenwagen zur Verfügung gestellt werden. Gut Ding will Weile haben, "schließlich hat es ja auch seine Zeit gebraucht, dass der Schäferhauser See in dieser Art und Weise erstmals benutzt wurde", so ein schmunzelnder Jörg Fritz, der dem kulturbegeisterten Publikum in der Region für das 25. Zeltspektakel schon mal "die gleiche Qualität wie immer" garantiert.

Anzeige