Lokales

Ein „Frequenzbringer“ mit maroder Fassade

Die Regionalversammlung Mittlerer Neckar Ost der Volkshochschulen tagte gestern im Kirchheimer Spital

Wenn die Volkshochschulen weiter bestehen wollen, müssen sie sich ständig den wechselnden Bedingungen anpassen – aktuell beispielsweise der Politik des Landes, das die Zuschüsse immer weiter kürzt. Um solche und ähnlich wichtige Themen ging es gestern bei der Regionalkonferenz der Volkshochschulen in Kirchheim.

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Andreas Volz

Kirchheim. Die Kirchheimer Volkshochschule ist eine von 28 innerhalb der vhs-Region Mittlerer Neckar Ost. Dazu gehören die Volkshochschulen in den Landkreisen Esslingen und Göppingen sowie im Rems-Murr-Kreis. Zweimal im Jahr treffen sich Vertreter dieser 28 Bildungseinrichtungen zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch. Gestern war die Volkshochschule Kirchheim nach längerer Zeit wieder einmal Gastgeber dieser Regionalkonferenz.

Themen der ganztägigen Sitzung waren der Ausbau der Kooperationen untereinander, das Erschließen neuer Geldquellen durch Sponsoring, die Kursleiterakademie Stuttgart sowie die Qualitätsentwicklung und das Selbstverständnis der Volkshochschulen. Fried Peter Bourseaux, Leiter der Volkshochschule Leinfelden-Echterdingen und zugleich Regionalvorsitzender, bezeichnete die Kirchheimer Volkshochschule gestern als „eine der wichtigsten und renommiertesten“ in der Region Mittlerer Neckar Ost.

Eher ungewöhnlich ist die Situation in Kirchheim, dass die Volkshochschule ein Verein in freier Trägerschaft ist und kein städtischer Betrieb. Da­ran erinnerte der Vereinsvorsitzende Ludwig Kirchner in seinem Grußwort zum Auftakt der Konferenz: „Daraus ergeben sich besondere Finanzierungsschwierigkeiten.“ Die vhs Kirchheim werbe jetzt vermehrt um neue Vereinsmitglieder. Auch Firmenmitgliedschaften habe der Verein eingeführt. Trotzdem sei die Volkshochschule zwingend auf die Unterstützung der Stadt angewiesen.

„Die Kommune springt immer wieder ein, auch mit Sonderfinanzierungen“, erklärte Ludwig Kirchner den fachkundigen Gästen aus drei verschiedenen Landkreisen. Die Stadt Kirchheim sei für die Volkshochschule ein zuverlässiger und interessierter Partner. Weil sich das Land aus der Finanzierung der Volkshochschulen immer mehr zurückziehe, seien überall verstärkt die „Sitzkommunen“ oder private Partner in der Pflicht.

Bürgermeister Günter Riemer bestätigte aus Sicht der Stadt, dass die Zusammenarbeit zwischen Kommune und Volkshochschule in Kirchheim funktioniert. Er bedankte sich ausdrücklich für die Leistung, die die Volkshochschule erbringt: „Da wird etwas vermittelt, und dadurch werden auch Werte geschaffen.“ Die Volkshochschule sei ein wichtiger „Frequenzbringer“ der Kirchheimer Innenstadt. Wer einen Kurs im Spital belege, bekomme einen Bezug zur Stadt – „und wer sich wohlfühlt, kommt auch gerne wieder.“

Ein großes Problem ist allerdings die Gebäudesubstanz des Spitals, das die Stadt der Volkshochschule zur Verfügung stellt. „Die rückwärtige Fassade ist in die Jahre gekommen und sehr von der Witterung geschädigt“, sagte Bürgermeister Riemer gestern. In den 70er-Jahren sei an dieser Fassade Fachwerk freigelegt worden, das immer verputzt war. Inzwischen sei das Holz bis ins Mauerwerk hinein verfault, sodass die Tragfähigkeit der Wand bald nicht mehr gesichert sei. Günter Riemer sprach von Sanierungskosten, die deutlich über einer Million Euro liegen.

Dass nicht nur die Finanzierung der eigentlichen Arbeit, sondern auch die Gebäudesubstanz ein generelles Problem sein kann, von dem andere Volkshochschulen ebenso betroffen sind, verdeutlichte Volker Dauscher, der Leiter der Volkshochschule Ostfildern. Genau dasselbe Problem habe es in der Zweigstelle Neuhausen gegeben: Sie war in einem alten Fachwerkgebäude untergebracht, das schließlich wegen Einsturzgefahr geschlossen werden musste. Vorsorglich stimmte Dauscher seine Kirchheimer Kollegin Susanne Voigt schon einmal auf die Schwierigkeiten während einer langen Umbauphase ein. – Der Regionalvorsitzende Fried Peter Bourseaux dachte in ähnlich langen Zeiträumen, als er ankündigte, dass die Regionalkonferenz wohl in einem wunderschönen, sanierten Gebäude zusammenkomme, wenn Kirchheim das nächste Mal an der Reihe ist, dieses Treffen auszurichten.