Lokales

Ein Fußweg erhitzt die Gemüter

Anlieger mit Gemeinderatsentscheidung nicht einverstanden: „Gässle schließen“

Unverständnis herrscht bei den Anliegern des Fußweges zwischen Kelter und Oberer Straße in Bissingen über die Gemeinderatsentscheidung, den Weg nicht zu schließen.

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richard umstadt

Bissingen. Fritz Schaufler versteht die Welt nicht mehr. An anderer Stelle in Bissingen wurden Privatwege, die aus altem Gewohnheitsrecht öffentlich begangen werden durften, geschlossen. Nur das Gässle zwischen Kelter und Oberer Straße, entlang seines Grundstücks, soll offen bleiben. So jedenfalls entschied der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause. Sechs Bürgervertreter waren für die Schließung, sechs sprachen sich dagegen aus. Seit zwanzig Jahren bereitet das Thema dem Bissinger Kopfzerbrechen. „Mindestens fünf Anträge habe ich gemeinsam mit den anderen Anliegern gestellt, den Fußweg zu schließen, doch es hat nichts genützt“, stellt Fritz Schaufler frustriert fest. Dabei wies er die Gemeinde in dem Schreiben auf die Gefahren hin, denn in dem etwa 80 Zentimeter breiten Wegle könnten ältere Menschen jugendlichen Radfahrern nur schlecht ausweichen. Gefährlich könne es auch für Kinder werden, die aus dem Fußweg plötzlich in die Obere Straße rennen oder fahren. Wiederholt sei in der Gasse ein dort befindlicher Holzstoß angezündet worden. Keiner weiß, von wem. Außerdem werde der Weg von Hundebesitzern benutzt, deren Vierbeiner ihre „Geschäfte“ dort und in den Vorgärten als „Tretminen“ hinterlassen. Auch sei das Gässle beim Kelterfest immer wieder als Pissoir missbraucht worden.

Im Zuge der Ortskernsanierung hätten Verwaltung und Gemeinderat durchleuchtet, bei welchen Wegen öffentliches Interesse bestehe, sie als Durchgang zu erhalten. Beim Fußweg zwischen Kelterplatz und Oberer Straße sei dies der Fall, so Bürgermeister Wolfgang Kümmerle. Die Privatwege, die in den „Unteren Gärten“ und in der „Seestraße“ von der Gemeinde geschlossen wurden, hätten zu Gärten geführt und seien auch nur als Zugang zu diesen gedacht gewesen. „Die Fälle sind anders gelagert als beim Fußweg zur Kelter“, sagt der Bürgermeister. Im Übrigen stünde für die Anlieger der Klageweg nach dem Privatrecht offen. Dieser sei jedoch noch nie beschritten worden. Sollten sich neue, wesentliche Gesichtspunkte ergeben, könnten sich Fritz Schaufler und seine Mitstreiter wieder an den Gemeinderat wenden. Dann wird das Thema erneut behandelt. Es wird wohl so schnell nicht ad acta gelegt werden können, denn bei der Überprüfung des Lageplans der Gebäude Obere Straße/Kelter Straße stellte der Anlieger fest, dass „vermutlich bei der Asphaltierung des Verbindungsweges“ ein Grenzstein verschütt ging und dies macht nach Aussage Fritz Schauflers eine Nachvermessung des Gebäudes Obere Straße 12 am umstrittenen Gässle notwendig.