Lokales

Ein Geburtstag im Kreise aller Freunde

Einen runden Geburtstag feiert man am liebsten in großer Runde. Genau das hat der Musikverein Neidlingen (MVN) am vergangenen Wochenende getan. Mit drei Tagen voller Unterhaltung, Spaß und natürlich Musik beging der Verein sein 50-jähriges Bestehen. Höhepunkt war der große Festzug, bei dem alle Neidlinger Ortsvereine dem Jubilar ihre Aufwartung machten.

NICOLE MOHN

Neidlingen. Sorgenvoll war in der vergangenen Woche der Blick der vielen Helfer des MVN gen Himmel gegangen. Im strömenden Regen hatte der Verein am Dienstag das Festzelt aufbauen müssen. Zum Festwochenende hatte Petrus allerdings ein Einsehen mit den Musikern, die seit fast drei Jahren auf die großen Feierlichkeiten zum Jubiläum hingearbeitet haben, und ließ zumindest zeitweise die Sonne vom Himmel lachen.

Und so konnten die vielen Zaungäste entlang der Strecke den liebevoll gestalteten Festzug denn auch – fast – trockenen Hauptes erleben. Vorneweg gaben die Jubilare mit Dirigent Frank Zuber den Ton an. Einen Platz im Festwagen hatten die Gründungsmitglieder Erwin Böhm, Hans Spengler, Fritz Ruoß, Erwin Hepperle, Karl Pflüger und Franz Ott sicher, die zusammen mit 16 anderen Männern am 15. Januar 1960 den Musikverein aus der Taufe hoben.

Unter dem Zug-Motto „Die 60er-Jahre“ zeigten die Landfrauen, wie einst per Handkarren die schweren Milchkannen zur Neidlinger Molke gebracht wurden – der in den 50ern und 60ern ein beliebter Treff für die Jugend war, wie Bürgermeister Rolf Kammerlander, der für die Zuschauer den Festzug kommentierte, berichtete. Der Obst- und Gartenbauverein präsentierte die Fahrt zur Kirschenernte.

Die Volkstanzgruppe des Schwäbischen Albvereins zeigte sich im Tanzhäs, das nach alten Schnittmustern gefertigt wurde. In einer zweiten Gruppe führten die Männer, Frauen und der Nachwuchs vor, wie es einst bei der Heuernte 1960 zuging. Die angeschlagenen Gemeindefinanzen thematisierte die dritte Gruppe: War das „Fass ohne Boden“ 1960 noch klein, sieht’s für 2010 ganz anders aus, wie der Güllewagen andeutete. Da nahm die älteste Vereinigung im Dorf, der Schützenverein, vorsichtshalber gleich mal den Pleitegeier aufs Korn.

Ihr Sportgerät führte der Tennisclub Neidlingen gleich mit: Filzbälle, Schläger und Netz machten die Straße zum Tenniscourt. Auch das zweite Neidlinger Geburtstags-„Kind“ durfte nicht fehlen: Der TV Neidlingen, der im Juni sein 100-jähriges Bestehen feiert, zeigte einen Querschnitt durch sein vielfältiges Angebot von Fußball bis Skifahren. Gar eine Bob-Mannschaft hatten die Sportler dabei.

Zwischen die Fußgruppen und Festwagen mischten sich immer wieder die liebevoll gepflegten und restaurierten alten Autos, Motorräder und Traktoren der Oldtimerfreunde unter dem Reußenstein. Musikalisch in die 60er ging es beim Motorsportclub, der die legendären Pilzköpfe auf den Festwagen holte. Und beim Liederkranz rockte Elvis mit den Sängerinnen um die Wette.

Das Team vom Bauwagen 23 brutzelte angesichts des Stückchen blauen Himmels, das sich um die Mittagszeit zeigte, auf dem Festwagen Würstle und das Jugendrotkreuz zeigte Retter-Mode aus fünf Jahrzehnten. Die Kollegen der Feuerwehr, die den Festzugweg absicherten, schickten das erste selbst fahrende Fahrzeug der Wehr, das 2009 nach 38 Jahren außer Dienst ging, auf die Strecke.

Musikalisch sorgten neben den Jubilaren die Musikvereine aus Holzmaden, Notzingen-Wellingen und Donnstetten sowie die Stadtkapelle Weilheim für den guten Ton. Auch der MVN-Nachwuchs zeigte Taktgefühl.

Bereits am Samstagabend hatte das Fest mit der „Allgäu Power“ gehörig Fahrt aufgenommen. Zum sonntäglich Frühschoppen unterhielt die Föhrenberger Blasmusik und am Sonntagabend sorgte das Bodensee-Quintett für Feierlaune. Gestern lud der MVN Kinder und Senioren zu einem fröhlichen Nachmittag ein, bevor die „Lindachtaler“ die Schlussrunde einläuteten.

_ Fotos: Nicole Mohn

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