Lokales

"Ein Gewinn an Stadt" auch ohne Expansion

"Ein Gewinn an Stadt Innenentwicklung am Beispiel von Kirchheim unter Teck" lautete der Titel, den Planungsamtsleiter Dr. Oediger seinem Vortrag gegeben hatte, den er auf Einladung des Kunstvereins der Stadt im Rahmen der derzeit laufenden Ausstellung "Mitten drin statt nur am Rand" in der Galerie im Kornhaus vor interessiertem Publikum hielt.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Im Namen des Kirchheimer Kunstvereins begrüßte Berthold Luippold das kunst- und architekturbeflissene Publikum in der in Zusammenarbeit mit dem Städtebauinstitut der Universität der Stadt Stuttgart veranstalteten Ausstellung "Mitten drin statt nur am Rand". Insgesamt acht studentische Arbeiten zeigen dort unter anderem Strategien für die zukünftige Entwicklung des Stadtzentrums von Schwäbisch Gmünd sowie des Unionsareals in Aalen auf. In den ausgewählten Arbeiten geht es dabei mehr um die innovative Weiterentwicklung des Bestandes als um die Expansion der Siedlungsfläche.

Planungsamtsleiter Dr. Oediger nutzte das Ausstellungsambiente mit seinen Impulsen für die Entwicklung der untersuchten Zentren, um sich mit den interessierten Besuchern gemeinsam darauf zu konzentrieren, wie sich Kirchheim in den zurückliegenden Jahren entwickelt hat und was daraus an Strategien für die künftige Entwicklung abgeleitet werden kann. Dass dieser gemeinsame Blick über die Entwicklungsgeschichte der Stadt vieles in Erinnerung rufen und Zusammenhänge verdeutlichen konnte, machte ein aktiv am Prozess "Lokale Agenda" beteiligter Zuhörer abschließend deutlich. Er sei jetzt wieder ein bisschen stolzer darauf, in Kirchheim zu leben, kommentierte er die beamerunterstützte Führung durch die verschiedenen Winkel der Stadt und dort ablesbaren stadtplanerischen Strategien.

Dass Kirchheim dem Anspruch "Innen vor Außen" schon heute gerecht werde, die Innenentwicklung jedoch weiter zu führen sei, lautete Dr. Oedigers Eingangsthese. Nachdem er mit gut gewählten Bildern die derzeitigen und künftigen innerstädtischen Bauaktivitäten illustriert hatte, sensibilisierte er sein Publikum dafür, dass durch eine planvolle Innenentwicklung Eingriffe in Natur und Landschaft vielleicht nicht völlig vermieden, aber immerhin vermindert werden können. "Innenentwicklung verlangt jedoch eine Qualifizierung der verbleibenden Frei- und Grünflächen", machte er in diesem Zusammenhang deutlich.

Zu berücksichten sei aber auch, dass Innenentwicklung teilweise zu Lasten ehemals gewerblich genutzter Flächen gehe. Dass Stadterneuerung und Innenentwicklung nicht nur Themen für Wohn- und Mischgebiete seien, sondern auch ältere Gewerbegebiete in geplante Aktivitäten mit einbezogen werden müssten, lautete eine weitere These. Die teilweise bestehenden Defizite und die teilweise erstaunlich großen Flächenpotenziale konnte er dabei mit entsprechenden Luftbildern überzeugend vor Augen führen.

Passende Bilder für die Aussage, dass das verarbeitende Gewerbe in Kirchheim nicht nur in Gewerbegebieten produziert, konnte er mit dem derzeit am vorhandenen Standort expandierenden Unternehmen "Apparatebau Kirchheim" und an der Firma Schempp-Hirth Flugzeugbau GmbH in der Krebenstraße beispielhaft belegen, und darauf verweisen, dass die quantitative Bedeutung von gewerblichen Betrieben in Streulage oft unterschätzt wird.

Keine Belege brauchte er für die Gültigkeit seiner nächsten These. Der Aussage, dass die Außenentwicklung an die Grenzen der Bezahlbarkeit stößt, wurde von niemand widersprochen. Dasselbe galt für die Feststellung, dass Innenentwicklung die Verkehrsbelastung vermindert und zugleich die Naherreichbarkeit und den öffentlichen Verkehr fördert.

Einen weiteren positiven Aspekt gezielter Innenentwicklung sieht Planungsamtsleiter Dr. Oediger darin, dass damit die Zentren als Einkaufs-, Wohn- und Arbeitsort sowie als Mittelpunkte des gesellschaftlichen Lebens gestärkt werden. Eines hatten die den Vortrag begleitenden Diagramme, Luftbilder und Übersichten über innerstädtische Sanierungsgebiete und Bebauungspläne ebenfalls überzeugend belegt: Innenentwicklung ist komplexer, langwieriger und planerisch aufwändiger als das Bauen auf der so genannten "grünen Wiese". Dass es sich trotzdem immer wieder lohnt, lautete Dr. Oedigers abschließender Kommentar, der von den vielen zuvor gezeigten Aufnahmen von gelungenen Projekten auch optisch schon überzeugend vorweggenommen worden war.