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"Ein Glückstag für Kirchheim"

Nach längerem Tauziehen hat am Dienstag der Ministerrat in Stuttgart entschieden: Das Pädagogische Fachseminar (PFS) in Kirchheim bleibt erhalten. Es wird künftig die Räume im Schloss und im Marstall in größerem Umfang nutzen können. Die Werkstatt- und Fachräume im Marstallgebäude werden saniert.

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM Im vergangenen Herbst waren es zunächst Gerüchte: Das Pädagogische Fachseminar sollte mit dem Fachseminar in Schwäbisch Gmünd zusammengelegt werden. Dann kam die Nachricht aus dem Kultusministerium, dass via Kabinettsbeschluss ein Prüfungsauftrag sowohl an das Finanz- als auch an das Kultusministerium ergangen sei. Im Mittelpunkt standen "Ausbildungs-, Bedarfs- und Effizienzgesichtspunkte". Eine mögliche Zusammenlegung der auf Karlsruhe, Schwäbisch Gmünd und Kirchheim verteilten Standorte sei Teil der Prüfung. In der Teckstadt schrillten die Alarmglocken. Der Prüfungsauftrag ließ die Kirchheimer Politiker ebenso wie Gemeinderat und Stadtverwaltung nichts Gutes ahnen. In Gesprächen und Briefen traten sie für den Erhalt des Pädagogischen Fachseminars ein. Die politischen Entscheidungsträger im Land sollten von der Unverzichtbarkeit und der Qualität des traditionsreichen Seminars in Kirchheim überzeugt werden. Im Hintergrund liefen die Strippen heiß. Noch im Mai hieß es nach einem Gespräch des Kirchheimer Landtagsabgeordneten Karl Zimmermann, CDU, und Bürgermeister Günter Riemer mit Ministerialrat Wolfgang Fischer vom Kultusministerium, die Entscheidung bezüglich des Fachseminars sei offen und zwischen den betroffenen Ministerien strittig. Eine Empfehlung an das Kabinett könne nicht ausgeprochen werden.

Im Juni informierten sich Vertreter des Finanzministeriums vor Ort über den Zustand des in die Jahre gekommenen Gebäudes an der Kirchheimer Alleenstraße 22 und versprachen eine "wohlwollende Prüfung". Die Feinziselierung der Ämterneuordnung im Rahmen der laufenden Verwaltungsreform war zum damaligen Zeitpunkt allerdings noch nicht abgeschlossen.

Dies ist inzwischen geschehen. Zugunsten des Pädagogischen Fachseminars in Kirchheim. Die Verwaltungsstrukturreform macht's möglich, dass das Kirchheimer Schloss künftig in größerem Maß vom Fachseminar genutzt werden kann. Im benachbarten Marstallgebäude werden wie bisher Werkstatt- und Fachräume untergebracht und saniert. Damit kann bei Investitionen von 1,7 Millionen Euro das PFS Kirchheim zufriedenstellend und zeitgemäß untergebracht werden, lautete das Urteil aus Stuttgart. Zuvor war bei einer ursprünglich vorgesehenen Konzentration im Gebäude Alleenstraße 22 von Umbau- und Sanierungskosten in Höhe von 6,2 Millionen Euro ausgegangen worden. Jetzt kann das Finanzministerium durch die optimierte Unterbringung gar 4,5 Millionen Euro gegenüber den Baukosten am bisherigen Standort Alleenstraße einsparen. Weitere 1,5 Millionen Euro flössen ins Staatssäckel, würde das Land das Gebäude Alleenstraße 22 mit einem Teil des Grundstücks verkaufen.

"Das ist ein Glückstag für Kirchheim." Mit Freude reagierte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker auf die Nachricht aus Stuttgart. Sie sei froh darüber, dass der "junge Geist" am Standort Kirchheim erhalten und die Teckstadt auch weiterhin ein Zentrum für gute pädagogische Arbeit bleibe.

Der Kirchheimer Landtagsabgeordnete Karl Zimmermann verwies gestern auf seine zahlreichen Gespräche im Finanz- und Kultusministerium, um das Damoklesschwert der Verlegung nach Schwäbisch Gmünd von Kirchheim zu nehmen. Dabei habe es sich bezahlt gemacht, dem Wunsch der Ministerien nach Einsparmöglichkeiten Rechnung zu tragen. Er habe deshalb wiederholt mit Schloss und Marstall Alternativen zur teuren Sanierung der Alleenstraße 22 aufgezeigt, die den Erhalt des Fachseminars am Standort Kirchheim in den Bereich des Möglichen rückten.

Auch die Landtagsabgeordnete Carla Bregenzer, SPD, nahm die Nachricht aus dem Staatsministerium freudig zur Kenntnis. "Unter Einbeziehung von Räumlichkeiten im Schloss und im Marstallgebäude werden sich auch die Arbeitsbedingungen verbessern", stellte Carla Bregenzer erleichtert fest.

Mit der Kabinettsentscheidung ist die Gefahr zunächst vom Tisch. Doch der Rotstift bleibt auch weiterhin der Landesregierung liebstes Kind. Sollte der Ansturm auf die drei Pädagogischen Fachseminare im Land nachlassen und aufgrund der rückläufigen Zahlen eine Zusammenlegung notwendig erscheinen lassen, so gibt es auch hierfür bereits Rechenexempel.

Im Falle einer Zusammenlegung mit dem PFS Schwäbisch Gmünd in Kirchheim könnten die beiden Fachseminare unter Einbeziehung des Forstamts und einem Aufwand von 300 000 Euro untergebracht werden. Dagegen setzt eine Zusammenlegung am Standort Schwäbisch Gmünd den Umbau der alten Mensa mit Baukosten in Höhe von 2,5 Millionen Euro und deren gemeinsame Nutzung von PFS und Pädagogischer Hochschule voraus. Allerdings könnten dann in Kirchheim Marstall und Alleenstraße 22 verkauft werden, so sieht es das Papier vor.