Lokales

Ein Halali für eine "phänomenale" Strecke

DETTINGEN

Anzeige

Die Jäger tragen außer traditionellem Grün inzwischen auch sehr viel Orange der eigenen Sicherheit wegen. Und ihre Sprache

ANDREAS VOLZ

auf dem Käppele bei Dettingen ist nicht Latein, sondern Schwäbisch. Über die Größe des Wilds konnten die Jäger am Samstag auch gar keine übertriebenen Angaben machen. Schließlich werden die tatsächlich geschossenen Tiere vor aller Augen ausgelegt. Und die Strecke war beachtlich: 17 Sauen und neun Rehe legten Jäger und Treiber auf die grünen Zweige, um dem Wild mit den entsprechenden Hornsignalen die letzte Ehre zu erweisen. Jagdpächter Hartmut Müller bezeichnete die Beute als phänomenal: "Das hatten wir noch nie."

Einer der "alten Hasen" unter den Dettinger Jägern hatte denn auch frühzeitig seine Wette verloren. Als das 13. Wildschwein zur Strecke getragen wurde, gab er zu, auf maximal elf getippt zu haben. Doch nicht nur des Tippers Glück, sondern auch Waidmanns Glück war am Samstag zwischen Dettingen und Talwald unterschiedlich verteilt. Während die einen Jäger mit bis zu vier Bruch-Wedeln für erfolgreiche Abschüsse bedacht wurden, gab es auch andere, die während der ganzen Jagd kein einziges Wildschwein zu Gesicht bekommen hatten.

Außer der Jagdgesellschaft Dettingen waren am Samstag auch in Beuren, Owen und im Kirchheimer Talwald die Nachfolger Nimrods am Werk. 54 Sauen seien im gesamten Bereich geschossen worden, teilte Jochen Sokolowski mit, der seinerseits in Dettingen gejagt und dabei "zwei starke Sauen" im Talwald erlegt hatte.

In seiner Eigenschaft als Bezirksjägermeister steht Jochen Sokolowski ungefähr 10 000 Jägern im gesamten Regierungsbezirk Stuttgart beziehungsweise Nord-Württemberg vor. Die Jagd ist für ihn nicht in erster Linie ein Vergnügen, sondern schlichte Notwendigkeit. Landwirte und Grundstücksbesitzer zeigen immer mehr Wildschäden an und sind deshalb in aller Regel dankbar, wenn die Jäger zum Halali blasen, nachdem sie die Wildpopulation in der Umgebung wieder einmal etwas eingedämmt haben.

Dass es auch nach der Jagd noch genügend Wild in den Wäldern gibt, deutete einer der Jäger auf dem Käppele an, der mit einem Blick auf die stattliche Strecke skeptisch anmerkte: "Das sind keine zehn Prozent von dem, was da im Wald ,rumsaut'." Obwohl die Jäger feierlich die Signale "Sau tot", "Reh tot" und "Jagd vorbei" in ihre Hörner bliesen, dürften sich also noch mehr als genug Wildschweine und Rehe quicklebendig in den Wäldern rund um die Teck tummeln.