Lokales

Ein Halleluja aus hunderten Kehlen

Der Posaunenchor Jesingen feierte mit vielen Gästen und Gratulanten seinen 60. Geburtstag

Kirchheim. Er ist fast genau so alt wie die Bundesrepublik: Der Posaunenchor Jesingen hat am Samstag und Sonntag sein 60-jähriges Bestehen stilvoll begangen. Und fast

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Michael Kraft

der gesamte Ort sowie viele Gäste und Gratulanten von außerhalb feierten kräftig mit. Was für ein Bild, was für ein Klang: Mehr als 100 Blechbläser aller Altersklassen, Männer und Frauen, Jungen und Mädchen, lassen Posaunen, Trompeten, Hörner und Tuben lautstark erschallen, die Menschen in der übervoll besetzten Jesinger Gemeindehalle singen kräftig und voller Andacht mit, es herrscht strahlendes, sommerliches Wetter – der Festgottesdienst zum Bezirksposaunentag 2009 am Sonntagvormittag bot beste Bedingungen für feierliches Hochgefühl.

Das hatte sich auch bereits am Abend zuvor eingestellt, als der Teckbläserdienst unter der Leitung von Helmut Feuchter den Bezirksposaunentag mit einem anspruchsvollen und abwechslungsreichen Konzert in der Jesinger Petruskirche eröffnet hatte.

Das Geburtstagskind, um das sich das ganze Wochenende drehte, wurde 60. Es erfreut sich sicht- und hörbar bester Gesundheit: Der Posaunenchor Jesingen, 1949 auf Anstoß des späteren Chorleiters Heinrich Kurz und seines Vetters Johannes Kirschmann aus der Taufe gehoben, demonstrierte im 60. Jahr seines Bestehens lebendiges Musizieren, große Vielfalt und bläserisches Können. Heinrich Kurz war beim Jubiläumsfest selbst unter den Gästen in Jesingen.

„Was kann schöner sein als ein Posaunenchor?” Jesingens Ortspfarrer Roland Conzelmann stellte die Frage beim Festgottesdienst am Sonntag und gab die Antwort gleich selbst: „Zwei oder mehr Posaunenchöre”, befand Conzelmann beim Blick auf die mehr als 100 Bläserinnen und Bläser aus den Chören des Dekanats Kirchheim, die vor der Bühne der Gemeindehalle versammelt saßen und darauf warteten, dass Helmut Feuchter den Taktstock hob.

„Von ganzem Herzen danken”, „Sein Herz vor Gott ausschütten” sowie „Voll und ganz vertrauen”, unter diese drei Leitgedanken stellte Gottfried Heinzmann, Leiter des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg, seine Predigt in Jesingen. Es sei wichtig, musikalisch „dranzubleiben”, in den Posaunenchören immer wieder neue Musik aufzugreifen. Das geschehe hier vorbildlich, wie die Auswahl der musikalischen Gestaltung für den Festgottesdienst in Jesingen deutlich gezeigt habe.

Der Jesinger Festgottesdienst am Sonntag lieferte den stilvollen Rahmen für die Einsetzung von Andreas Forro, neuer Bezirks- Jugendreferent für Schulkontaktarbeit. Der 33-Jährige aus Denkendorf soll das Projekt „Jugendliche Lebenswelten und Jugendgemeinde” im Kirchenbezirk Kirchheim mit Leben erfüllen.

„Posaunenarbeit ist Jugendarbeit”, unterstrich Hermann Murweis, der Vorsitzende des Evangelischen Jugendwerks im Bezirk Kirchheim. Murweis dankte allen, die sich dafür einsetzen, und gratulierte: „Darum bin ich stolz, dass es euch gibt.”

„Musizieren zum Lobe Gottes und den Menschen zur Freude”, diese Aufgabe erfüllen nach den Worten von Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker Gruppen wie der Jesinger Posaunenchor mit großem Engagement. Matt-Heidecker dankte dem Chor auch für dessen ökumenischen Dienst, beispielsweise beim Martinsritt. Die Oberbürgermeisterin hatte die Lacher in der Halle auf ihrer Seite, als sie Parallelen zwischen Jesingen und dem alttestamentarischen Jericho zog. Damals hätten bekanntlich Posaunen die Mauern zum Einstürzen gebracht. Sie vertraue darauf, „dass die Jesinger Mauern stehen bleiben.”

Angelika Matt-Heideckers Bild von den Mauern griff Jugendwerks-Leiter Gottfried Heinzmann zum Schluss seiner Worte noch einmal auf. „Wenn wir als Posaunenchöre spielen, geht es nicht darum, Stadtmauern einzureißen”, beruhigte Heinzmann. Es gebe aber auch andere Mauern, die Menschen um sich aufrichten: Mauern der Enttäuschung, der Bitterkeit, der Gleichgültigkeit; „Ich wünsche euch Bläserinnen und Bläsern, dass ihr als Erben dieses Posaunenchors von Jericho diese Mauern zum Einsturz bringt, mit Gottes Hilfe.”