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Ein Haus zum Preis von 400 Einfamilienhäusern

"Das größte Bauvorhaben, das der Landkreis je in Angriff nahm", hat nach den Worten von Landrat Eininger gestern begonnen: Der Neubau des Nürtinger Krankenhauses wird circa einhundertundeine Million Euro verschlingen. Bis Sommer 2010 sollen die beiden Gebäudeteile des neuen Hauses fertiggestellt sein.

ANDREAS VOLZ

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NÜRTINGEN Tags zuvor hatte der Kreistag über die Eckpunkte für Krankenhauskooperationen diskutiert. "Dabei wurde die Bedeutung einer hochwertigen medizinischen Versorgung bei gleichzeitiger Wirtschaftlichkeit unterstrichen", sagte Heinz Eininger nun beim Baggerbiss auf dem Nürtinger Säer. Den Neubau bezeichnete er dabei als den "entscheidenden Mosaikstein für die Realisierung der neuen Krankenhausstruktur", für die der Kreistag im März 2003 nach einem "schwierigen Entscheidungsprozess" die Weichen gestellt habe. Als nächsten Stein im Mosaik nannte er am Rande die notwendigen Erweiterungs- und Umbaumaßnahmen am Kirchheimer Krankenhausstandort.

"Die finanzielle Last des Neubaus zu stemmen das ist nicht einfach", kam Eininger auf den finanziellen Kraftakt für den Kreis Esslingen zu sprechen. Aber immerhin unterstütze das Land Baden-Württemberg die Baumaßnahme maßgeblich, und zwar mit einer Fördersumme von 54 Millionen Euro. Beim Blick auf die Kostenentwicklung überkommt den Landrat Wehmut, falle der Bau doch in die Phase nach der Mehrwertsteuererhöhung. Auch mit den derzeit positiven Wirtschaftsdaten seien "erhebliche Kostensteigerungen im Baubereich" verbunden.

Für die derzeit veranschlagten Gesamtkosten von einhundertundeiner Million Euro sollen innerhalb der nächsten drei Jahre ein Funktionsbau mit vier Ebenen und ein fünfgeschossiger Bettenbau entstehen, führte Heinz Eininger gestern aus. Im Funktionsbau seien unter anderem sechs Operationssäle vorgesehen, eine interdisziplinäre Intensivstation mit 19 Betten, drei Kreißsäle, ein Notfall-Sectio-OP, die Röntgen- und Nukleardiagnostik sowie die Diagnostik- und Behandlungsräume aller Abteilungen. Im Pflegebau sollen einmal 312 Betten untergebracht werden. Am Standort Nürtingen entstehe nun der operative, gastroenterologische und geburtshilflich-gynä-kologische Schwerpunkt des Klinikums Kirchheim-Nürtingen.

Rund 100 Millionen Euro könnten "nicht lautlos und heimlich" verbaut werden, fuhr Landrat Eininger fort und bat die Anrainer um Geduldwährend der Bauphase. Um die Anwohner so weit wie möglich vom Baustellenverkehr zu entlasten, habe der Landkreis als "politischer Bauherr" besonderen Wert darauf gelegt, dass die neue Verbindungsstraße von Reudern her auf den Säer rechtzeitig fertiggestellt wurde.

Nürtingens Oberbürgermeister Otmar Heirich kam in seinem Grußwort ebenfalls auf diese Straße zu sprechen, "mit der wir die notwendigen infrastrukturellen Maßnahmen geschaffen haben, um die beiden Kliniken in Nürtingen und Kirchheim noch besser zu verbinden". Durch den Neubau auf dem Säer, der hoffentlich planmäßig im Jahre 2010 in Betrieb gehen werde, könnten bestehende Betriebsabläufe verbessert und neue Kapazitäten im Röntgen-, Computer- und Kernspintomografenbereich geschaffen werden. "Dem Ziel des Gesamtklinikums, rund 200 000 Menschen im südlichen Landkreis Esslingen medizinisch und pflegerisch auf höchstem Niveau zu versorgen, kommen wir ein Stück näher." Oberbürgermeister Heirich unterstrich ebenfalls die Bedeutung der Kooperation der Krankenhäuser, die vielleicht auch über die Kreisgrenzen hinausgehen könne.

Bevor Landrat Eininger am Bagger zur Tat schreiten konnte, erläuterte Architekt Gerhard Hoppe vom verantwortlichen Planungsbüro Hoppe-Sommer aus Stuttgart-Degerloch auf recht anschauliche Weise die Dimensionen des neuen Bauwerks: "Das geplante Bauvolumen entspricht in etwa dem von 200 Einfamilienhäusern. Mit den veranschlagten Gesamtkosten könnten dagegen 400 Einfamilienhäuser finanziert werden." Die Grundfläche entspreche der Größe von zwei Fußballfeldern, die Bruttogeschossfläche der von fünf Fußballfeldern. Das Gebäude werde auf mehr als 600 Pfählen mit einer Gesamtlänge von circa zehn Kilometern gegründet.

Außer 3 800 Tonnen Stahl würden für das neue Klinikum auch 26 500 Kubikmeter Beton verbaut: "Mit dieser Menge könnte man einen Kubus reinen Betons mit einer Kantenlänge von 30 Metern gießen, ohne ein bisschen Luft dazwischen."

Bis zur Übergabe und Inbetriebnahme in drei Jahren hätten alle Projektbeteiligten viel zu leisten. "Doch ich bin mir sicher, dass das Ergebnis die Mühe lohnen wird", schloss Gerhard Hoppe seine Ausführungen.