Lokales

Ein Keller mit fast 90 Tonnen geht auf Reisen

Nachdem das Ausgedinghaus aus Pfronstetten-Aichelau seine Pforten schon seit geraumer Zeit für die Besucher des Freilichtmuseums Beuren geöffnet hat, wird nun mit dem Aufbau des Gewölbekellers des Haupthauses am neuen Standort begonnen.

BERENIKE NORDMANN

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BEUREN Bei dem Haupthaus handelt es sich um ein so genanntes gestelztes Eindachhaus, das heißt, dass sich unter einem Dach sowohl der Stall als auch die Wohnräume befanden. Im Untergeschoss ist Platz für das Vieh und den Wirtschaftsbereich, im Obergeschoss befinden sich die Wohnräume. Der Gewölbekeller entspricht grob einem Viertel der Gesamtfläche des Hauses und ist etwa zwei auf sechs Meter groß. Da der Lehmboden aber nicht eben ist, beträgt die Höhe des Raums zwischen 1,60 und 1,80 Meter.

Bevor der Abtransport des Kellers beginnen konnte, hatte wochenlange Vorarbeit geleistet werden müssen. So wurde in dieser Zeit ein Stahlkäfig rund um den Keller erstellt, damit er aus seinem bisherigen Standort herausgehoben werden konnte. Um dies möglich zu machen, musste der Raum innen und außen frei gegraben und mit einem Betonfundament unterfangen werden. Daraufhin schob man Stahlträger unter und hob das ganze Konstrukt mitsamt dem darüber liegenden Pflasterbelag aus dem Boden.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch hievte man den Keller, der in seiner Verkleidung aussah wie ein Kokon, auf einen Schwertransporter und fuhr über Bad Urach und die Beurener Steige zum Freilichtmuseum. Hatte das eigentliche Ausheben nur zehn Minuten beansprucht, so war der Transport über drei Stunden unterwegs. Auch der Aufbau fand nicht ganz reibungslos statt. Ursprünglich waren eineinhalb Stunden für den Wiederaufbau des Kellers eingeplant, doch wie Projektleiter Schmauder weiß, "sieht die Baupraxis ganz anders aus als die Theorie am Schreibtisch", und so musste erst noch die Standfestigkeit des Bodens gesichert werden.

Zum ersten Mal in der Geschichte des Freilichtmuseums Beuren wurde die Aushebung eines Kellers am Stück getätigt. Eine Alternative dazu wäre gewesen, den Keller in Einzelteile zu zerlegen, wobei dann aber unter Umständen viele Steine verloren gegangen wären. So wurden zwar einige Tonnen Stahl und Beton verbraucht, doch konnten damit die statischen Anforderungen eingehalten werden. Beim Transport wog der Keller zusammen mit der Beton-Stahl-Konstruktion fast neunzig Tonnen. Dies wäre nicht unbedingt der Fall gewesen, wenn man den Keller neu hätte aufbauen müssen. "Wir wollten die ganze Atmosphäre des Gebäudes, beziehungsweise des Raumes im Museum den Besuchern zugänglich machen," erklärte Schmauder.

Wenn der Keller steht, wird im Oktober der Rest des Hauses darüber gebaut. Bis dahin liegen die Bauteile noch zur Überwinterung und Restaurierung in einer Arbeitshalle in Rot an der Rot (Kreis Biberach). Es ist geplant, dass zwischen Mitte und Ende Oktober das Haus samt Dach fertiggestellt ist. Allerdings muss dazu wieder sehr viel Vorarbeit geleistet werden, um das Gebäude während des Wiederaufbaus zu stützen. Stehen jedoch erst einmal die Wände, soll das Gebäude in seinem Zustand um 1800 dargestellt werden. Auf der Rückseite, zum Ausgedinghaus hin, erhält es die Fassade aus der Zeit zwischen 1940 und 1950. Noch ist offen, ob der Keller im Museum wieder als Vorratskeller eingerichtet werden soll, was dessen eigentliche Funktion war, oder ob man ihn als Dokumentationsraum nutzen wird, in dem verschiedene Zeitabschnitte des Hauses dargestellt werden.

Die Eröffnung des neuen Hauses war zunächst für das Jahr 2010 vorgesehen, doch allem Anschein nach wird sie wohl vorgezogen werden können. Die Kosten des Projekts, die bei 900 000 Euro angesetzt waren, wurden bisher deutlich unterschritten. Demnach werden am Ende Haushaltsreste übrig bleiben, und es kann eine positive Bilanz gezogen werden. Finanziert wird die Translozierung des Gebäudes vom Land Baden-Württemberg und dem Landkreis Esslingen als Museumsträger. Ebenso unterstützt der Förderverein Freilichtmuseum Beuren das Projekt.