Lokales

Ein kleiner Piks gegen die Grippe-Viren

Noch verwöhnt ein goldener Oktober mit viel Sonne, doch die ersten verschnupften Nasen sind schon zu sehen. Eine Erkältung ist lästig, ein grippaler Infekt noch mehr, doch wenn es sich um eine waschechte Grippe handelt, sind die Auswirkungen meist heftig, für geschwächte Menschen können sie sogar bedrohlich werden. Deshalb rufen die Gesundheitsbehörden bundesweit und auch im Kreis Esslingen wieder zur Schutzimpfung auf.

UWE GOTTWALD

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KREIS ESSLINGEN In unseren Breiten ist es die Influenza B, die als gefährlich eingestuft wird. Welche Mengen an Impfstoff gebraucht werden, ist nicht ganz einfach einzuschätzen. In der Regel wird zunächst nicht viel mehr Impfstoff produziert, als von den Ärzten als voraussichtlicher Bedarf geordert wird, ist aus Apothekerkreisen zu hören. Die Hersteller wollten schließlich nicht auf ihren Beständen sitzen bleiben, die im darauffolgenden Jahr wertlos sind. Der Grund dafür: Das Virus ändert von Jahr zu Jahr seine Oberfläche und trickst so das menschliche Immunsystem und bereits entwickelte Antigene immer wieder aus. Das Robert-Koch-Institut und dessen ständige Impfschutzkommission müssen deshalb in Zusammenarbeit mit international agierenden Organisationen immer wieder aufs Neue entscheiden, welche Virenstämme dem Menschen in der kommenden Grippe-Saison gefährlich werden könnten.

Die Impfzeit beginnt in der kälteren und nassen Jahreszeit, erreicht aber ihren Höhepunkt in der Zeit zwischen Ende Januar bis Mitte März, so Dr. Walter Kontner, Dezernatsleiter des Gesundheitswesens beim Landratsamt in Esslingen.

Bis jetzt sei im Land erst ein Fall aufgetreten. Die Impfung sollte jedoch schon früher einsetzen, immerhin dauert es rund 14 Tage, bis das injizierte Mittel seine Schutzwirkung im Körper entfaltet. Es besteht aus abgetöteten Teilen verschiedener Influenza-B-Viren und regt das menschliche Immunsystem an, Antikörper zu bilden.

Dass durch den Impfstoff selbst eine Grippe ausgelöst werden kann, ist laut Dr. Kontner wissenschaftlich nicht haltbar. "Manche bekommen danach vielleicht zufällig einen anderen Infekt und glauben fälschlicherweise, dass es sich um Grippe handelt, doch das ist nicht möglich", beruhigt der Dezernatsleiter und Amtsarzt.

Laut Impfkommission, so Dr. Kontner, wird die Impfung zumindest all denjenigen empfohlen, die Risikogruppen angehören. Dazu zählen Kinder mit einer Vorbelastung der Atemwege, wie zum Beispiel durch Asthma oder andere Allergien, auch ältere Menschen ab 60 Jahren, bei denen naturgemäß die Funktion des Immunsystems schwächer wird, ebenso Menschen mit Herz-Kreislauferkrankung oder schwereren Störungen der inneren Organe. Aber auch Personen mit viel Publikumsverkehr, wie zum Beispiel Busfahrern oder Verkaufspersonal, wird die Impfung empfohlen, darüberhinaus Berufsgruppen wie Ärzten und Pflegepersonal, die mit Risikogruppen zusammenkommen und diese nicht anstecken sollten. Weil es sich um eine Vorsorgemaßnahme handelt, übernehmen laut Dr. Kontner in der Regel die Kassen die Kosten. Auch die Praxisgebühr werde nicht fällig, wenn der Arztbesuch nur der Impfung gilt.

Neu, so Kontner, ist die Empfehlung zur Impfung an Personen, die häufig in Kontakt mit Nutzgeflügel oder Wildvögeln kommen. Dahinter steckt eine gesundheitspolitische Überlegung. Zwar schützt die Influenza-Impfung nicht gegen das Vogelgrippevirus, doch kann durch die Schutzimpfung die Gefahr eingedämmt werden, dass sich die beiden Virenstämme genetisch austauschen und ein von vielen Wissenschaftlern befürchtetes Supervirus entsteht, gegen das es zumindest im Moment keinen Schutz gäbe.

Ob die Diskussion um Grippe und Vogelgrippe die Menschen für das Thema Schutzimpfung stärker sensibilisiert hat, wird sich wohl erst in einigen Wochen zeigen. Bis jetzt scheinen die georderten Impfstoffe das meiste wird bereits im Sommer von Ärzten bestellt auszureichen, wie eine kleine Umfrage unter Apotheken zeigte.