Lokales

Ein Kleinod der Fotografiegeschichte

Im Kreis von stadtgeschichtlich interessierten geladenen Gästen konnte Ulrike Zimmermann aus der Hand von Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker den Geschichtspreis der Stadt entgegennehmen. Ausgezeichnet wurde sie für ihre Studie "Die Inszenierungen eines Berufsfotografen von 1889 bis 1948 Das Atelier Otto Hofmann in Kirchheim unter Teck".

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Für einen viel versprechenden Auftakt und eine gelungene musikalische Umrahmung der Feierstunde im großen Sitzungssaal des Kirchheimer Rathauses sorgten Regina Otsuka (Violine) und Takashi Otsuka (Viola) mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart sowie Bela Bartok.

Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, die unter den zahlreichen Besuchern der Feierstunde auch Oberbürgermeister a. D. Peter Jakob begrüßen konnte, zeigte zunächst auf, dass der 1987 erstmals ausgelobte Geschichtspreis der Stadt schon zahlreiche historische und kulturelle Impulse gegeben habe. Sie erinnerte an die Themen, mit denen sich die bisherigen Geschichtspreisträger der Stadt befasst haben. Den Auftakt bildete 1987 die "Chronik der jüdischen Bürger Kirchheims seit 1896", der "Die Geschichte des Freihofs in Kirchheim von seinen Anfängen im 14. Jahrhundert", "Das erste Besatzungsjahr 1945/1946 in Kirchheim" und die "Geschichte des Spitals" folgten. Nach der "Chronik der Klavierbauerfamilie Keim" wurde auch die "Erläuterung, was um 1600 alles mit Büchern angefangen wurde", mit einem Preis gewürdigt.

Dass dabei die Messlatte bewusst hoch gesetzt wurde und nur qualifizierte Studien, wie beispielsweise Diplom-, Zulassungs- oder Magisterarbeiten zur Auszeichnung kommen können, stellte sie fest und betonte das besondere Interesse an "originären Heimatforschern", die durch ihre Arbeit das Geschichts- und Heimatbewusstsein anregen und darüber hinaus identitätsstiftend wirken könnten.

Für alle Studien gelte aber, dass sie aus bisher nicht publizierten Primärquellen erarbeitet wurden. Als besonderen Erfolg der Bemühungen, immer wieder Bürgerinnen und Bürger zur Mitarbeit an der Stadtgeschichte zu bewegen, bewertete Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker die Tatsache, dass sich bislang etwa 180 Autorinnen und Autoren an der Schriftenreihe der Stadt beteiligt haben.

Ulrike Zimmermann attestierte sie zunächst, dass ihre an der Ludwig-Maximilians-Universität in München vorgelegte Magisterarbeit zum Thema "Das Atelier Otto Hofmann in Kirchheim unter Teck" der Stadt "sehr willkommen" gewesen sei und nicht nur methodisch und wissenschaftlich allen Anforderungen genüge, sondern auch verständlich geschrieben und gut lesbar sei. Nachdem Ulrike Zimmermann von Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker die "Insignien" des Geschichtspreises entgegengenommen hatte, legte sie Urkunde und Scheck rasch wieder beiseite, um ihr Auditorium selbst von der Qualität ihrer Arbeit zu überzeugen, die als Band 29 der Schriftenreihe des Stadtarchivs erschienen und am Teckbotenschalter und im Buchhandel erhältlich ist.

Dass man sich über Dinge ganz besonders freut, die man nicht erwartet hat, schickte Ulrike Zimmermann gleich voraus. Ihre Faszination für das Fotoatelier Hofmann, in dem fast 60 Jahre lang fotografiert wurde, konnte sie klar begründen, denn es ist "nicht nur das Atelier des Fotografen Hofmann, sondern vor allem auch das Atelier der Kirchheimer". Bei ihren Führungen durch das mitlerweile im Beurener Freilichtmuseum aufgebaute Atelier habe sie immer wieder interessante Menschen kennen gelernt, "die sich noch bildhaft daran erinnern konnten, wie sie als Konfirmand vor Otto Hofmanns Kamera standen", oder auch Jüngere, die stolz die Hochzeitsfotografie ihrer Großeltern zeigten, "die vor vielen Jahren im Hofmannschen Atelier entstand".

Ganz besonders dankbar verneigte sie sich vor den "engagierten und weitblickenden Menschen", die dafür sorgen konnten, dass dem Kirchheimer Atelier das Schicksal erspart blieb, das "die meisten dieser kleinen und unscheinbaren Gebäude ereilte der Abriss". Erst die hier vorliegende Gesamtheit von Gebäude, Innenausstattung und fotografischem Nachlass mache das Atelier zum Besonderen. Die Freude darüber, dass dieses unscheinbare Holzhäuschen nicht wie anderswo "gedankenlos dem Erdboden gleich gemacht" wurde, verband sie mit dem herzlichen Dank an all die Menschen, die in Schubladen, Schuhkartons und Alben gesucht und Fotografien aus dem Atelier Hofmann zutage gefördert hätten. Ohne diese zahlreichen Zeichen seines Schaffens, so zeigte sich Ulrike Zimmermann überzeugt, "wäre diese Arbeit nie zustande gekommen".

Einem dankbaren und höchst interessierten Auditorium konnte sie anschließend anhand ausgewählter Beispiele die Arbeitsweise Otto Hofmanns nahe bringen und auch den Wandel aufzeigen, der sich von den Anfängen über immerhin fast sechs Jahrzehnte mit den Aufnahmen belegen lässt. Höchst originell konnte sie dann mit einem ganz besonders gut ausgewählten Bild eines fröhlichen Umtrunks aus vergangenen Tagen den offiziellen Teil elegant abschließen und zum "gemütlichen Teil" des Festakts überblenden.