Lokales

Ein knochenharter Traum-„Ferienjob“

SWR 1-Moderatorin Petra Klein half gestern dem Kirchheimer Gastwirt Michael Attinger einen Tag lang beim Brauen

„Ferienjobberin“ Petra Klein hat gestern dafür gesorgt, dass Kirchheim in ganz Baden-Württemberg präsent war: Regelmäßig hat sich die Radiomoderatorin aus der Gasthausbrauerei „Stiftsscheuer“ im Funkstudio gemeldet und von ihrer Tätigkeit als Aushilfsbrauerin berichtet. SWR 1-Hörer waren gestern also ganz Ohr für Kirchheim.

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Andreas Volz

Kirchheim. In den Sommerferien gehen SWR 1-Moderatoren gerne irgendwelchen „Ferienjobs“ nach. Das heißt, sie berichten aus der Berufspraxis ganz unterschiedlicher Leute im Sendegebiet. Petra Klein hat sich dieses Mal für das Bierbrauen entschieden: Schon früh am Morgen hat sie gestern angefangen, für den brauenden Gastwirt Michael Attinger schwere Malzsäcke vom Lager herunterzuschleppen und das Malz fachgerecht zu schroten. Die Zielvorgabe Michael Attingers war klar und eindeutig: „Heute machen wir Weizenbier.“

An diesem Ziel richtet sich auch Petra Klein immer wieder auf, denn die Arbeit an solch einem heißen Sommertag ist nicht nur schwer, sondern auch schweißtreibend. „Das ist wirklich eine harte körperliche Arbeit“, erklärt sie ihren Hörern am frühen Nachmittag, direkt von der Theke der Stiftsscheuer aus. „Das ist Handarbeit von der ersten Minute an“, kann sie aus eigener Erfahrung berichten, um den Kirchheimer Stiftsscheuerwirt anschließend landesweit für seine hohe körperliche Belastbarkeit zu loben: „Der Michael macht das gerne auch mal 17 Stunden am Tag.“

So lange dauerte der Arbeitseinsatz Petra Kleins freilich nicht, auch wenn Michael Attinger alle möglichen Arbeiten für sie parat hatte: Neben dem eigentlichen Brauen durfte die Moderatorin auch Fässer putzen und Bier abfüllen. Besonders begeistert war sie davon, die Zapfanlage zu bedienen: „Das ist mein Traum schlechthin“, schwärmt sie und ist in diesem Fall gerade nicht auf Sendung: „Ich hab‘ schon immer gesagt, wenn‘s mit meinem Job mal nichts mehr sein sollte, dann gehe ich in die Gastronomie.“

Den Kollegen im Studio muss es ähnlich gehen, denn obwohl der „Ferienjob“ am Braukessel harte Arbeit bedeutet, stellt Petra Klein mit großer Genugtuung fest: „Meine Kollegen sind alle total neidisch.“ Vor allem denkt sie dabei an den Moderator der Frühsendung, als ihr erstes frisch gezapftes Bier auf dem Tresen steht: „Thomas Schmidt würde jetzt wahrscheinlich morden für dieses Bier.“ Dass er großes Interesse an der Arbeit seiner Kollegin hat – vor allem aber am Ergebnis –, das hat Thomas Schmidt ihr gegenüber schon während einer der ersten Live-Schaltungen angekündigt. Auf die Frage, wann das Weizenbier denn fertig sei, musste sie ihn allerdings vertrösten: Erst in circa drei Wochen. Dann allerdings will sich ein größeres SWR 1-Team auf den Weg nach Kirchheim machen, zur gemeinsamen Verköstigung.

Verköstigt wurde freilich gestern schon, als Petra Klein um die Mittagszeit eine „32-Grad-Hochsommer-Bierprobe“ ankündigte. Drei Kirchheimer waren gefragt, drei verschiedene Biersorten zu erkennen und sich anschließend zu einer Lieblingssorte zu bekennen. Zur Auswahl standen Michael Attingers Pils „Rotblond“, sein helles Hefeweizen sowie sein „Kirchheimer Ölsch“ – das auf die Abkürzung „K-Ölsch“ hört und nach Art des Kölsch gebraut wird, aber nicht „Kölsch“ heißen darf. Die Blitzumfrage fürs Radio erhebt keinen Anspruch darauf, repräsentativ gewesen zu sein, aber immerhin gab es eine eindeutige Mehrheit: Zwei Drittel bekannten sich als Angehörige der Weizenbier-Fraktion.

Petra Klein hatte vor der Verköstigung pflichtgemäß davor gewarnt, in der Mittagshitze zu viel Bier zu trinken. Sie selbst hielt sich während ihres Kirchheimer „Ferienjobs“ auch ausschließlich an Wasser und Obst. Das Obst hat sie zwischendurch auf dem Kirchheimer Wochenmarkt gekauft, was ihrem Bekenntnis zu lokalen Produkten voll und ganz entspricht. Das war auch einer der Gründe, warum sie als „Frau für Essen und Trinken im SWR 1-Programm“ unbedingt zu Michael Attinger in die Stiftsscheuer kommen wollte: „Ich bin überzeugt von regionalen Produkten und finde es klasse, wenn hier jemand sein Bier selbst braut.“

Doch nicht nur Petra Klein wollte sich gestern davon überzeugen, dass in der Stiftsscheuer tatsächlich gebraut wird. Auch Passanten kamen immer wieder vorbei, um zu schauen, was dort vor sich geht – mitunter ganz gezielt. „Guten Morgen“, sagte eine Frau, „ich habe SWR 1 gehört, und jetzt wollt‘ ich mal schauen, ob Sie auch wirklich was arbeiten. Im Radio wird ja viel erzählt.“ Nachdem sie sich also von der Richtigkeit der Angaben im Radio überzeugt hatte, meinte sie: „Wenn man in Kirchheim wohnt und so was hört, dann ist man ja auch ein bisschen stolz.“

Michael Attinger selbst war gestern auch stolz auf seine neue „Mitarbeiterin“. Während er ihr eine kurze Pause für ihren Marktgang gönnte, meinte er anerkennend: „Ich hätte nie gedacht, dass die hier wirklich so viel arbeitet.“ Aber da war Petra Klein in der Tat eisern. Als ihr der „Chef“ einmal eine Arbeit abnehmen wollte, weigerte sie sich beharrlich, den Platz zu räumen: „Wenn ich schon hier bin, dann mach‘ ich das selber.“

Schließlich erklärte sie gestern ja auch höchstpersönlich im Radio, was es mit Hopfen und Malz auf sich hat, dass Stärke in Zucker umgewandelt werden muss oder dass sie gerade gemeinsam mit Michael Attinger die „Jod-Probe“ gemacht hat. Dabei zog sie ein öffentliches Fazit, das sogar mitten in den Sommerferien auch für Lehrer und Schüler von großer Bedeutung ist: „Das ist richtig viel Bio-Chemie hier. Aber so macht Chemie Spaß. Das hätte ich schon in der Schule wissen sollen.“