Lokales

Ein langer, harter Weg bis zur Fertigstellung

Ob Landrat, ob Schulleiter oder der Kfz-Innungsmeister, bei den Festrednern schwang ein gewisser Stolz in der Stimme mit. Stolz dürfen sie aber auch sein auf den schmucken Werkstattneubau im Gelände der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Nürtingen. Neben den zwölf neu geschaffenen Werkstätten sind auch die entsprechenden Theorieräume entstanden und dies wurde am gestrigen Nachmittag auch entsprechend gefeiert.

RUDOLF STÄBLER

Anzeige

NÜRTINGEN Bewundertes und viel bestauntes Geschenk zur Einweihung des Werkstattneubaus der Schule war dann ein nagelneuer BMW der 1er-Serie, der vom BMW-Vertrieb Süd-West in Zusammenarbeit mit dem Nürtinger Autohaus Briem auf dem Hof stand.

Landrat Heinz Eininger, der die zahlreichen Gäste begrüßte, betonte, dass die Einweihung eines Neubaus, vor allem für eine berufliche Schule, ein großes Fest sei. Was er dann bei einem Blick in die Runde auch als bestätigt sah. Der Landrat erinnerte an die Geschichte des Baus, bei dem man über Jahre hinweg gerungen, Alternativen geprüft, Ideen verworfen und neue Wege gesucht habe. Und der Kreischef erinnerte auch an den Schock im Sommer 2001, als die Kosten bei 44 Millionen anstatt der geplanten 24 Millionen Mark lagen.

39 Vertreter von Autohäsuern haben sich zu der Einweihung angemeldet, das zeige auf, dass man ein sehr gutes Verhältnis zu den dualen Partnern habe. Die Kfz-Innung war so auch von Anfang an der treibende Motor für diesen Neubau. Der Landkreis habe mit diesem Gebäude auf die Innovationsexplosion der Kfz-Industrie in den vergangenen Jahren reagiert. Eininger betonte, dass es die Aufgabe des Kreises als Träger der beruflichen Schulen sei, die Schulen in die Lage zu versetzen, junge Menschen so auszubilden, dass sie den Ansprüchen gerecht werden, die die heutige hochtechnologisierte Welt an Fachkräfte stelle.

Das neue Gebäude in Nürtingen wird auf 4125 Quadratmetern Nettogeschossfläche 2250 Quadratmeter Schulfläche bieten. Das Ergeschoss sowie das erste Obergeschoss werden vor allem der praktischen Ausbildung dienen. Hier sind zwölf Werkstätten untergebracht, in denen neben den hochmodernen Kfz- Werkstätten auch Schweißen und Blechbearbeitung unterrichtet werden können. In diesen Stockwerken befinden sich, ganz im Sinne der neuen Lernfeldkonzeption, ortsnah auch Theorieräume, so genannte Laborräume, die eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis ermöglichen. Im zweiten Obergeschoss befinden sich vier Klassenräume, die Raum für den reinen Theoriebereich der Ausbildung bieten. Somit steht dieses Gebäude komplett der Ausbildung für das Kfz-Handwerk zur Verfügung. Aber auch die Innung wird dieses Gebäude nutzen als überbetriebliche Ausbildungsstätte und für Kurse. Eininger: "Die enge Kooperation von Innung und Schule macht Sinn für beide Seiten. 9,31 Millionen Euro hat sich der Landkreis letztlich diesen Neubau kosten lassen. Mit dem damaligen "alten" Oberschulamt wurde das Raumprogramm in langen Diskussionen aufgestellt und die Planungen besprochen. Eininger freute sich über die dortige zügige "und vor allem wohlwollende" Behandlung des Antrages auf Schulbauförderung. Und zur Freude des Kreiskämmerers ging vor wenigen Tagen eine Zusage vom Land über eine Förderung von 2,1 Millionen Euro ein.

Eininger betonte, dass mit der Einweihung ein langer Weg zu Ende gehe. Der Planungs- und der Baustress und zuletzt noch der Umzugsstress für den Neubau des Werkstatttrakts sei jetzt fast vergesssen. Gleichzeitig machte er aber klar, "das hört noch nicht auf." Die Philipp-MatthäusHahn- und die Otto-Umfrid-Schule werden noch weitere zwei Jahre aus- und einziehen, Planungsbesprechungen führen und mit dem Baulärm fertig werden müssen. Nach der Voraussage des Landrats werden erst in rund zwei Jahren die Schulen in Nürtingen, nach Fertigstellung des Neubaus auf dem Säer und nach den Umbauten in den Gebäuden A und D sowie der Fritz-Ruoff-Schule endgültig umstrukturiert sein.

Wilfried Hajek, Technischer Dezernent der Stadt Nürtingen, der den erkrankten Oberbürgermeister Otmar Heirich vertrat "der hat gerade keine Stimme", machte klar, dass Baulärm für die Techniker kein Lärm sei, "das ist Musik in unseren Ohren." Konstantin Lepadusch, Kfz-Innungsobermeister, stellte heraus, dass für seine Innung und für die Lehrlinge dieser Tag ein großer Festtag sei. Sein Dank galt Landtag und Kreistag für den Bau. Diplom-Ingenieur Michael Wendel sprach bei der Schlüsselübergabe an den Landrat von einer "tollen Mannschaftsleistung" die erbracht worden sei.

Schulleiter Harald Fano war die Freude über die Einweihung ins Gesicht geschrieben. Als letzter Redner war es ihm nochmals ein großes Bedürfnis, all den Beteiligten ein herzliches Danke auszusprechen. Man habe erkannt, dass trotz knapper Kassen nicht an der Bildung und Ausbildung der Jugendlichen gespart werden darf. "Wer sicher anlegen will, muss in die Zukunft unserer Jugend investieren." Musikalisch umrahmt wurde die Einweihung des Schulgebäudes vom Blechbläserquartett der Musik- und Jugendschule der Stadt Nürtingen. Was Fano inspirierte: "In Jericho hatten Posaunen eine ganze Stadt zum Einsturz gebracht. Unser Neubau hat den Posaunen widerstanden dies ist ein gutes Omen."