Lokales

Ein Leben im Dienst der Nächsten

August Hesselschwerdt, der am heutigen Samstag in Neidlingen seinen 90. Geburtstag feiern kann, blickt auf ein reiches Leben zurück, in dem sich der Jubilar uneingeschränkt dem Dienst am Nächsten hingegeben hat. Mit seinem 90. Geburtstag kann er auch

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RENATE SCHATTEL

gleich zwei besondere Jubiläen feiern: die 75-jährige Mitgliedschaft beim Deutschen Roten Kreuz und die 60-jährige Mitgliedschaft bei der Bergwacht. Noch heute ist der Jubilar im monatlich stattfindenden Seniorenkreis der Neidlinger Ortsgruppe des DRK aktiv und kümmert sich mit seinen Kameraden um gegenseitige Anteilnahme und Hilfe im Alter.

Zwei Leitsprüche haben ihn sein Leben lang begleitet und ihm Kraft gegeben: "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut" und insbesondere im Zweiten Weltkrieg hart auf die Probe gestellt "leben und leben lassen". Dabei war ihm "hilfreich und gut zu sein" nicht in die Wiege gelegt. Am 21. Mai 1915 in Stuttgart in ärmlichen Verhältnissen geboren, musste August Hesselschwerdt schon als Achtjähriger ins Waisenhaus nach Ochsenhausen gebracht werden. Die Inflation hatte es den Eltern unmöglich gemacht, ihr Kind zu ernähren.

1930 begann August Hesselschwerdt seine Berufslaufbahn als Laufbursche bei Daimler in Untertürkheim und knüpfte erste Kontakte zum Roten Kreuz im Betrieb. Zwei Jahre später wurde er Opfer der Massenarbeitslosigkeit. Ein Kolonnenführer des DRK riet ihm, er solle sich beim Militär melden, was der junge Arbeitslose auch tat. So ließ er sich 1935 zum Sanitäter ausbilden. Während der Kriegszeit arbeitete August Hesselschwerdt bei den Gebirgsjägern, versorgte unzählige Verwundete und half sogar in der Funktion als "Hebamme" 1942 in Kiew einer jungen Russin bei der Geburt ihres Kindes.

1941 war die 4. Gebirgsdivision von Belgrad ins Banat umgezogen und wurde privat einquartiert. Der Zufall wollte es, dass 1975 in Kirchheim ein großes Banattreffen stattfand und August Hesselschwerdt nach 34 Jahren seine Banater Quartiersfrau wieder treffen konnte. Der herzliche Kontakt hält bis heute an. Nach Kriegsende betreute August Hesselschwerdt sieben Lazarette in Memmingen, eines davon mit 500 Betten. Rege tauschten Verwundete und Sanitäter Nahrungsmittel aus und August Hesselschwerdt besorgte Material für eine Weihnachtskrippe, die die Gefangenen dann basteln durften.

In Memmingen trat er schon bald der Bergwacht bei und half zunächst im Allgäu, später dann auf der Alb im Naturschutz und beim Rettungsdienst mit. In Memmingen begann er auch seine Berufstätigkeit in der Barmer Ersatzkasse. Bald ließ er sich nach Esslingen versetzen und war bis 1978 Dienststellenleiter der Krankenkasse in Kirchheim. Gleichzeitig baute er im Ehrenamt beim DRK-Kreisverband Nürtingen-Kirchheim den Sozialen Dienst mit auf. Wäsche- und Bücherbringdienst, Mobiler Dienst, Haushaltshilfe, Krankenpflege, Fußpflegedienst und Essen auf Rädern konnte August Hesselschwerdt ins Leben rufen.

Nach seiner Berufstätigkeit begründete er die Seniorengruppe des Kreisverbandes mit, in der heute noch die Mitglieder Besuchsdienste und Nachbarschaftshilfe leisten. Mit seiner Frau Maria lebt er seit 1972 in Neidlingen, die Tochter wohnt mit ihrer Familie in Esslingen-Berkheim. Jetzt kann der 90-Jährige die Früchte seiner guten Taten ernten, denn, so ist August Hesselschwerdt überzeugt, wenn einer ein gutes Werk tut, kommt es in irgendeiner Form zu ihm zurück. Heute wird der lebenslang unermüdliche Pfleger gemeinsam mit seiner Frau von guten Nachbarn liebevoll versorgt. Trotz gesundheitlicher Einbußen, die der 90-Jährige infolge eines Schlaganfalles erleiden musste, besucht er noch die monatlichen Kameradschaftsabende und pflegt den Kontakt zur Bergwacht.