Lokales

Ein Nachmittag speziell für Jungs

Am Samstag bietet der Kirchheimer Arbeitskreis Jungen erstmals einen Jungentag an

Was brauchen Jungs? Dieser Frage sind die Mitglieder des Kirchheimer Arbeitskreises Jungen nachgegangen. Antworten geben sie am Samstag, 8. Mai, von 14 bis 19 Uhr – beim ersten Kirchheimer Jungentag im Mehrgenerationenhaus Linde. Eingeladen sind alle Jungs von zehn bis 16 Jahren.

Andreas Volz

Kirchheim. „Der Kirchheimer Jungentag ist ein Pendant zum Mädchentag“, sagt Susanne Alex von der Stiftung Tragwerk – die einzige Frau im Vorbereitungsteam. Dass auch beim männlichen Nachwuchs das Bedürfnis für eine Parallelveranstaltung zum Mädchentag besteht, bestätigt Wolfgang Schinko, der Leiter des Kommunikationszentrums für interkulturelle Zusammenarbeit (KiZ): „Die Jungs fragen immer wieder, wann es denn eigentlich einmal einen Jungentag gibt.“ Nun ist es also so weit, übermorgen geht der erste Kirchheimer Jungentag über die Bühne. Matthias Rothengaß vom Kirchheimer Mehrgenerationenhaus Linde spricht vom „ersten, großen Versuch, institutionsübergreifend was aufzuziehen“.

Was brauchen Jungs also? Dem Programm nach Spaß und Action, Möglichkeiten, sich zu beweisen und sich mit anderen zu messen. Dazu dienen das Kistenstapeln, das Wettnageln, das Bogenschießen oder der Tischkicker genauso wie Fußball und Basketball. Für Bewegung sorgen außerdem Angebote wie Breakdance oder ein „Win Tsun“-Schnupperkurs. Gestalterisch können sich die Jungs am Samstag bei Holzsägearbeiten oder beim Herstellen eines Didgeridoos betätigen. Ansonsten steht noch ein Film auf dem Programm sowie der „Kondomführerschein“.

Das Programm ist von allen möglichen Anbietern von Jugendarbeit in Kirchheim zusammengestellt worden, jede Organisation hat sich auf ihre Weise eingebracht. „Das sind offene Angebote“, sagt Wolfgang Schinko. „Es gibt keine Anmeldung. Jeder kann kommen, rumlaufen und schauen, was ihm gefällt. Wir hoffen, dass für jeden was dabei ist.“

Matthias Rothengaß zufolge ist es wichtig, „was Spezielles für Jungs“ anzubieten. Das erhöhe den Stellenwert – sowohl den Stellenwert des Jungentags als auch den Stellenwert der einzelnen Jungen. Vor dem Jungentag haben sich die Mitglieder des Arbeitskreises Jungen erst einmal fundiert Gedanken gemacht über die theoretischen Grundlagen der pädagogischen Arbeit mit Jungs, denn trotz aller Parallelen zum Mädchentag stellt Hermann Sommer vom Sozialen Dienst der Stadt Kirchheim fest: „Der Jungentag wird anders. Da lässt sich der Mädchentag nicht eins zu eins übertragen.“

Für Martin Lempp vom Brückenhaus geht es gar nicht so sehr um ein spezifisches Programm für Jungs. Für ihn hat Jungenarbeit vor allem mit der Haltung zu tun, mit der man arbeitet. „Da muss man sich immer sagen: Ich arbeite deshalb mit Jungs, damit sie an mir ein anderes Vorbild kriegen.“ Darum ist es gar nicht schlecht, wenn auch Frauen wie Susanne Alex beteiligt sind. Einerseits zeigen sie, dass auch Frauen Jungenarbeit machen können. Andererseits geht es um die Form der Zusammenarbeit, wie Martin Lempp betont: „Die Jungs beobachten, wie wir zusammenarbeiten.“

Ahmet Aksu vom Jugendmigrationsdienst stellt in diesem Zusammenhang fest: „Auch der Umgang mit Kolleginnen ist ein Teil der Sache. Jungs kennen sonst ja oft nur das Machogehabe. Und hier können sie dann lernen, cool draufzusein, ohne einen auf Macho zu machen.“ Martin Lempp erinnert auch an die anderen Jungen, die alles andere als Machos sind: die zurückhaltenden und verängstigten. Auch sie bräuchten männliche Vorbilder.

Nach den ersten Erfahrungen am kommenden Samstag wertet der Arbeitskreis Jungen den Tag aus und plant weiter für die Zukunft. Vorgesehen ist, dass es künftig jedes Jahr einen Kirchheimer Jungentag geben soll – vielleicht auch einmal mit einem speziellen Thema. Ein Dauerthema freilich wird die Finanzierung bleiben. Die Veranstalter haben bereits einige Sponsoren für den Jungentag finden können, hoffen aber noch auf weitere Unterstützer.

Wer Fragen zum Jungentag hat, ob als potenzieller Sponsor oder Teilnehmer, kann sich an Matthias Ro­thengaß wenden, unter der Telefonnummer 0 70 21/4 44 11 oder per E‑Mail an m.rothengass@linde-kirchheim.de. Eine Frage allerdings lässt sich vorab klären: Der Jungentag findet bei jedem Wetter statt, notfalls eben nur innen in der Linde.

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