Lokales

Ein neues Bild von Jugendlichen vermitteln

Jugendliche stehen im Mittelpunkt von drei Seminarabenden, die sich an Erwachsene richten. Außerdem geht es in der Veranstaltungsreihe "Im Brennpunkt Glauben und Leben" um das Thema "Familienfreundliches Lenningen". Damit wollen die Kirchen neben den Senioren einen weiteren Schwerpunkt in ihrem Ort setzen.

IRIS HÄFNER

Anzeige

LENNINGEN "Um ein Kind zu erziehen braucht es ein ganzes Dorf" dieses afrikanische Sprichwort haben sich die Veranstalter zum Vorbild für ihr Schwerpunktthema gewählt. "Wir haben uns beim Brennpunkt gefragt, was das Nächste wäre, das uns unter den Nägeln brennt", erzählt Karlheinz Graf, Pfarrer in Oberlenningen. Nach den Senioren ist es nun die junge Generation, um deren Wünsche und Probleme es gehen soll.

Evangelische und katholische Kirchengemeinden laden deshalb gemeinsam zum Dialog in Lenningen ein. Am Mittwoch, 11. Oktober, geht es um 20 Uhr im Julius-von-Jan-Gemeindehaus um das Thema "Familienfreundliches Lenningen" in der Reihe "Im Brennpunkt Glauben und Leben". Erörtert werden soll die Situation junger Familien im Ort, was ihnen gefällt und was sie sich wünschen. "Wir wollen spielerisch herausfinden, wie sich die Familien hier in Lenningen fühlen", sagt Karlheinz Graf. Die Wünsche der Angesprochenen sollen dann die Motivation für die künftige Arbeit sein.

Daneben gibt es noch ein weiteres Projekt, das gleich am nächsten Abend beginnt und den Titel "Ein neues Bild von Jugendlichen" trägt. An drei Seminarabenden, immer donnerstags um 19.30 Uhr, steht diese Altersgruppe im Vordergrund, Veranstalter sind die evangelischen Kirchengemeinden Oberlenningen und Unterlenningen, die katholische Kirchengemeinde Lenningen sowie das Evangelische Jugendwerk Kirchheim. Am 12. Oktober spricht Jugendreferentin Stephanie Schwarz zum Thema "Die Lebenswelt der Jugendlichen", die Moderation hat Pfarrer Graf. Weiter geht es am 19. Oktober in Unterlenningen. "Neue Wege in der Jugendarbeit" lautet an diesem Abend das Motto, Referentin ist die Unterlenninger Pfarrerin Regina Stierlen, die Moderation hat Stephanie Schwarz. Zum Thema "Die Jugend sucht Vorbilder" unter der Überschrift "Eine neue Beziehung zu Jugendlichen" wird Pfarrer Karlheinz Graf sprechen, die Moderation hat wieder Jugendreferentin Stephanie Schwarz.

"Wir wollen Menschen für die Jugendarbeit gewinnen, egal, aus welchem Bereich sie kommen: aus Vereinen, Kirchen, Organisationen wie dem DRK oder Einzelpersonen", wünscht sich Pfarrer Graf. Daneben geht es den Veranstaltern vor allem auch darum, ein neues Bild der Jugendlichen aufzuzeigen. "Ist man mit ihnen zusammen, stellt man ganz schnell fest, dass sie besser sind als ihr Ruf", so der Pfarrer. Mit manchen Vorurteilen soll in Lenningen in Zukunft Schluss sein. Vielleicht seien manche Jugendliche deshalb verantwortungslos, weil sie nie Verantwortung übertragen bekamen, ist in der Broschüre "Die Jugend von heute" zu lesen, die aus dem Projekt "puls Neue Gruppen und Szenen für Jugendliche" des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg entstanden ist.

Daran angelehnt, allerdings mit einem klaren Lenninger Strickmuster, soll die Jugendarbeit vor Ort erneuert werden. Froh sind die Organisatoren, dass die Abende in ökumenischer Zusammenarbeit stattfinden können. "Wir wollen ein Netzwerk knüpfen, in dem die ganze Gemeinde beteiligt ist. Das haben wir vom Lenninger Netz gelernt", so die Vision von Karlheinz Graf. Eine stärkere Verzahnung innerhalb des Ortes ist das klare Ziel. Dabei sind die Schulleiter schon jetzt die Unterstützer. Als Signal wertet Pfarrer Graf auch die Schirmherrschaft von Bürgermeister Schlecht. "Ich hoffe, dass der eine oder andere den Mut im Seminar bekommt, sich das nötige Rüstzeug für die Jugendarbeit anzueignen und es dann einsetzt. Ich denke da insbesondere an die Ganztagesbetreuung", erklärt Michael Schlecht.

Es gibt ein Kernteam, das die Abende vorbereitet hat. Gespannt sind alle, wieviel Menschen daran teilnehmen. "Wir haben tolle Leute im Ort. Wir müssen sie nur für unsere Sache gewinnen", sagt Regina Stierlen. Es gehe nicht darum, Lücken zu stopfen, sondern Menschen mit ihren ganz eigenen Fähigkeiten zu überzeugen, dass sie wertvolle Arbeit leisten können. Deshalb wollen die Pfarrer die Abende als Motivationsseminar verstanden wissen. Interessierte müssen nicht alle Veranstaltungen besuchen, sondern können sich unverbindlich informieren. Immer mehr wird projektorientiert gearbeitet. So soll es auch hier sein. "Uns geht es um Mitarbeiter auf Zeit, die ihre Gabe einbringen können", so Pfarrerin Stierlen. Kernzeit an der Schule mit einem entsprechenden Mitarbeitpool wäre eines der Arbeitsfelder.

Die Kirche will Räume schaffen, in denen Begegnungen unterschiedlicher Generationen möglich sind. "Jeder Mensch ist ein begabter Mensch und von Gott geliebt", so die Pfarrer, die ganz klar ein biblisches Menschenbild vor Augen haben. Von einander tragen ist die Rede, vom offenen Blick für den anderen und der Wahrnehmungsschulung gegenüber anderen Generationen. Die Verschiedenartigkeit der Leben sehen die Seelsorger als Reichtum für die Gemeinschaft. "Wenn durch die Seminarreihe der Impuls gegeben werden kann, dass der eine oder andere sein Herz für die Jungendlichen (wieder-)entdeckt, hat sich die Arbeit gelohnt", urteilt Pfarrer Graf.