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"Ein Nutztier, das den Umweltschutz vorantreibt"

"Am 17. Oktober 1980 haben sich im Vereinszimmer der Konrad-Widerholt-Halle etwa 15 20-jährige Personen getroffen und die Ortgruppe Kirchheim des BUND gegründet", mit diesen Worten eröffnete Dr. Martin Dieterich, selbst Gründungsmitglied, seine Rede zur Jubiläumsveranstaltung in der Stadthalle.

MARIA GLOTZBACH

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KIRCHHEIM Ziele waren damals Säuberungsaktionen, Pflege von Feuchtgebieten und Einflussnahme auf die Straßenplanung, insbesondere der Kirchheimer Nord-West-Umgehung, damals ein brisantes Thema. Neben Dieterichs Rückblick auf 25 Jahre BUND, wurden noch Grußworte von der Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker und der BUND-Landesvorsitzenden Brigitte Dahlbender gehalten. Zum Abschluss gab es einen Exkurs von Dr. Mario Ludwig aus Karlsruhe über exotische Tiere in Europa "Waschbären, Ochsenfrösche und Co."

Wie viele andere Vereine, leidet auch der Bund für Umwelt und Naturschutz an mangelndem Interesse und ehrenamtlichen Engagements der Bevölkerung. So besteht die Ortsgruppe zwar aus 150 passiven, jedoch nur aus fünf aktiven Mitgliedern. Der BUND, als er 1980 durch engagierte angehende Studenten gegründet worden ist, habe seitdem keinen sonderlichen Zuwachs gefunden, bedauert Dieterich. Der Grund liegt für ihn unter anderem darin, dass man sich in der Freizeitgesellschaft davor scheut, Verpflichtungen außerhalb des beruflichen Alltags anzunehmen.

Doch in einem Land, in dem der Naturschutz groß geschrieben wird, und in allen Bereichen von der Schule bis zum Arbeitsplatz versucht wird, der Bevölkerung das Bewusstsein zum Schutz der Natur zu öffnen, verliert der BUND nicht an Hoffnung. So ermutigte Dahlbender die Gäste, indem er sie an die Erfolge erinnerte und die Besonderheit des BUND hervorhob: "Dank der vielen Verbände auf unterschiedlichen Ebenen, vom Orts- bis zum Bundesverband, ist der BUND eine flächendeckende Organisation und daher Garant für eine effiziente Zusammenarbeit und Umsetzung ihrer Ziele".

Ferner ging sie noch auf die Gründungsgeschichte des BUND ein, dessen Wurzeln in Baden-Württemberg liegen. Sie erinnerte an die ersten Bürgerbewegungen in den 60er- und 70er-Jahren, die sich unter anderem gegen die Planung richtete, den Bodensee für die Industrie zu nutzen. Nach den Lobeshymnen von Dahlbender, wonach "kreative und pfiffige Ideen" den BUND charakterisieren, kritisierte Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker die Schwierigkeiten der unterschiedlichen Naturschutzverbände und forderte diese auf, nicht gegeneinander, sondern miteinander zu arbeiten.

Neben dieser Aufforderung lobte jedoch die Oberbürgermeisterin, dass die heute selbstverständlichen Maßnahmen zum Umweltschutz nur dank dem BUND existieren. Weiterhin unterstrich sie, dass der BUND in vielen Bereichen eine Vorreiterrolle innehat, so zum Beispiel in alternativen Energien, Förderung von Bio-Produkten, Maßnahmen gegen das Waldsterben oder in der Agrarwende. "Der BUND ist zu einem einflussreichen Verband geworden: ein Nutztier, das den Umweltschutz vorantreibt", verglich die Oberbürgermeisterin scherzhaft. Abschließend überreichte sie einen Scheck als Präsent.

Im Vortrag von Dieterich wurde die Arbeit des BUND schließlich von einer kritischen politischen Sicht aus betrachtet. Dabei nannte er das Beispiel vom Turnhallenneubau für das Ludwig-Uhland-Gymnasium. Der Abriss der Gaststätte Lohrmannskeller sollte Platz schaffen für die neue Turnhalle. Unterschriftensammlungen und eine Petition an den Landtag konnten an der Entscheidung nichts ändern. Neben dieser Niederlage für den BUND erwähnte Dieterich zum Ausgleich die erfolgreichen, aber auch schwierigen Verhandlungen mit der Stadtverwaltung über die Nordwesttangente. Schließlich betonte Dieterich, dass "diese geschilderten Vorgänge Vergangenheit sind und so heute in Kirchheim nicht mehr denkbar."

Neben den Auseinandersetzungen auf politischer Ebene führte Dieterich weitere bedeutende Arbeitsschwerpunkte des Verbandes auf, so wie den Erwerb der Kirrwiesen bei Nabern 1987, die Betreuung der Bürgerseeheide und anderer Flächen, den Amphibienschutz an der B297 zwischen Kirchheim und Reudern oder die Errichtung des europäischen Schutzgebietes im Rahmen Natura 2000 für die Gelbbauchunke zwischen Bürgerseen und Tiefenbachtal.

Zum Abschluss der Grußworte und Vorträge, konnten die Gäste, durch den Exkurs des Biologen Ludwig, einen Einblick in die heimische Fauna gewinnen mit ihren ausländischen tierischen Bewohnern. Das Ziel der Jubiläumsveranstaltung war aber nicht nur die 25 Jahre des BUND zu feiern, sondern auch auf sich aufmerksam zu machen. "Wir sind nach wie vor präsent, so wie unsere Themen", erklärte der Zweite Vorsitzende des BUND, Siegfried Hauff.