Lokales

"Ein Ort, an dem Geschichte erlebbar wird"

WENDLINGEN "Staunen ist der erste Schritt zu einer Erkenntnis." Diese Einsicht hat Louis Pasteur zwar auf eine seiner chemischen Forschungen bezogen, doch passt sie bestens auch auf das neu eröffnete Stadtmuseum mit seinem einmaligen Ensemble aus barockem Pfarrhaus, Wasch- und Backhaus und Pfarrgarten. Mit den Worten Pasteurs begrüßte Bürgermeister Frank Ziegler die Gäste. Nicht die Quantität an Ausstellungsstücken stehe im Vordergrund, sondern die Qualität. "Ausschließlich werden Originale gezeigt, die eine Epoche repräsentieren, ein geschichtliches Ereignis oder ein Schicksal", machte das Stadtoberhaupt neugierig auf mehr. Ziegler versicherte glaubhaft, dass es ausgesprochen Spaß mache, durch die Räume zu wandeln und sich von den Exponaten und den vielen Geschichten gefangen nehmen zu lassen. "Staunen Sie doch einfach", lud er ins Museum ein. Denn: "Staunen macht neugierig, regt zu Fragen an, Staunen führt dazu, sich mit den Dingen auf ganz neue Weise zu beschäftigen."

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Als verantwortliche Projektleiterin ging die Historikerin Dr. Michaela Häffner anschließend auf die Ziele und den Inhalt des neuen Stadtmuseums ein, das nach vierjähriger Arbeit nun übergeben wurde. Dabei erinnerte sie daran, dass der Ursprung des Museums auf das Jahr 1962 zurückgeht, als die Unterboihinger Ortsgruppe des Schäbischen Albvereins ein Heimatmuseum im früheren Rathaus von Unterboihingen gründete. Der durch den Verkauf dieses Gebäudes entstandene Einschnitt sollte als Chance genutzt werden: um eine neue Konzeption zu ermöglichen, die dem Bildungsauftrag und den Ansprüchen der Besucher heutzutage gerecht wird. Das unter städtischer Regie entstandene Museum umfasst die Geschichte der drei Stadtteile Wendlingen, Unterboihingen und Bodelshofen.

Betreten wird das Museum vorerst durch einen Seiteneingang, so lange, bis die weiteren Bauabschnitte Teil 2 und 3 in der daneben liegenden Drittel- und Pfarrscheuer fertig gestellt sind, und wo später einmal der Haupteingang des Museums dann sein soll. Dort sollen auch die Themen Landwirtschaft und altes Handwerk sowie die gesamte Vor- und Frühgeschichte und die Egerländer Heimatstube präsentiert werden. Diese Inhalte wird der Besucher im jetztigen Museum noch vermissen, sie sind aber bereits in der Museumskonzeption von Dr. Michaela Häffner berücksichtigt.

Mit der Eröffnung des Museums hat nun der Museumsverein eine große Aufgabe übernommen, schrieb Häffner dem Verein ins Stammbuch. Seine Mitglieder werden das Museum am Laufen halten müssen. Kein leichtes Unterfangen, haben sich doch die Anforderungen an den Museumsbetrieb in den vergangenen Jahren stark verändert. Nur mit einem attraktiven Programm, Wechselausstellungen und einer guten Musemspädagogik könne es gelingen, Besucher anzuziehen, sagte die Museumsexpertin. Daneben müssten die Exponatbestände erweitert und Themen der Stadtgeschichte weiter erforscht werden. Sie wünschte dazu viel Erfolg, zumal die Museen derzeit einen wahren Boom erleben.

Lob konnte anschließend die Stadt Wendlingen von der Vorsitzenden des Museumsverbands Baden-Württemberg, Dr. Kirsten Fast, einheimsen, ein solches Projekt in heutiger Zeit noch zu schultern. In ihrer Rede machte sie aber auch deutlich, dass mit dem Tag der Eröffnung die Kosten für das Museum nicht aufhören. Als bedauerlich fand sie in diesem Zuammenhang, dass für die Projektleiterin keine Stelle als Museumsleiterin geschaffen worden sei. Der Museumsverein übernehme keine leichte Aufgabe. Es gebe auch die Möglichkeit, einen gemeinsamen Leiter für mehrere Museen einzustellen.

Für den Leiter der Landesstelle für Museumsbetreuung Baden-Württemberg, Dr. Axel Burkarth, haben Museen die Fähigkeit, Brücken zu bauen. Dadurch finde ein Austausch mit den Besuchern statt, denn "Zukunft braucht Herkunft". Der Brückenbauer sei letztlich der Museumsbesucher selbst, so Burkarth, und sagte dem Museumsverein Hilfe bei der Betriebsführung zu.

Auf die vielen Besonderheiten im Pfarrhaus, die bei der Sanierung des Gebäudes zu berücksichtigen waren, wies Wolfgang Bloos, der beauftragte Architekt, in seinem Grußwort hin. Für den Museumsverein, der das Stadtmuseum künftig betreiben wird, sprach sein Vorsitzender, Peter Hoefer. Er hofft, dass sich das Museum im Ort entwickeln wird. Und dass die vielen weiteren Exponate, die noch eingelagert sind, keinen langen Dornröschenschlaf harren müssen.