Lokales

Ein Paradies für Hecht und Zander entsteht

Was in den 60er-Jahren im Rahmen des Hochwasserschutzes in Wernau getrennt wurde, soll jetzt wieder zusammenwachsen: Durch den Erblehensee bei Wernau, zwischen Neckar und Bahngleisen gelegen, wird über zwei Kanäle wieder der Neckar fließen. Das Gemeinschaftsprojekt finanziert sich zum Teil mit den Ausgleichsgeldern der neuen Landesmesse auf den Fildern.

DORIT BROCKMAIER

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WERNAU "Wir sind endlich so weit, unsere Planungen in die Tat umzusetzen", freute sich der Wernauer Bürgermeister Roger Kehle bei einem Vor-Ort-Termin am Ufer des Erblehensees. Gemeinsam mit Vertretern des Regierungspräsidiums Stuttgart, des Naturschutzbundes und des Landratsamtes Esslingen sowie dem Verband Region Stuttgart stellte der Bürgermeister das Ökologieprojekt Erblehensee vor.

Es ist eine von 79 Ideen, die im Rahmen von "Ikone" (Integrierende Konzeption Neckar-Einzugsgebiet) geschaffen wurden. "Ikone" setzte sich 1999 zum Ziel, den Hochwasserschutz mit der Gewässerökologie zu verbinden. Alles, was mit Wasserwirtschaft zu tun hat, wird bei Ikone koordiniert.

Das Vorhaben ist zudem Teil von Artery, dem EU-Projekt "Flusslandschaften der Zukunft". Als Symbol für die Verbesserung der Flusslandschaft enthüllte Kehle am Ufer einen Stein mit dem Artery-Logo. "Die Ökologie dient auch der Wirtschaft", sagte Bernd Steinacher, Regionaldirektor beim Verband Region Stuttgart. Denn die Region sei hauptsächlich wegen ihrer Industrie bekannt, die grüne Infrastruktur müsse aber noch verbessert werden.

Der Erblehensee, die frühere Neckarschlinge bei Wernau, war in den 60er-Jahren durch einen Damm vom Fluss abgetrennt worden. Nun wurde im ersten Bauabschnitt Anfang September der See abgefischt und das Wasser abgelassen. Anschließend senkten Bagger den Damm fast bis auf das Niveau des Flusses. An zwei Stellen sind Durchstiche zum Neckar geplant, sodass die Strömung den See wieder mit fließendem Wasser versorgt.

"Viele Fischarten wie der Hecht oder der Zander finden dadurch verbesserte Lebensbedingungen", sagte Harald Buchmann, Betreuer des Naturschutzgebietes Wernauer Baggerseen, zu dem der Erblehensee gehört. Der Fischbestand aus dem See wurde in der Zwischenzeit in die Wernauer Baggerseen übersiedelt.

Erst Ende 2006 sollen die Baumaßnahmen fertig sein. Das Vorhaben wurde in zwei Teilabschnitte geteilt, weil sich dadurch die Kosten besser verteilen ließen, sagte Buchmann. Zudem wolle man nach dem ersten Abschnitt erst einmal sehen, wie sich das Wasser des Flusses an dieser Stelle verhält. Etwa 20 000 Kubikmeter Erde werden am Damm abgetragen. Sie finden hauptsächlich an einem Lärmschutzwall an der Autobahn 8 bei Denkendorf eine neue Bestimmung.

875 000 Euro werden nach Abschluss des Projekts dann insgesamt in die ökologische Aufwertung des Neckars geflossen sein. Die Kosten teilt sich die Stadt Wernau mit dem Land und mit dem Verband Region Stuttgart. 300 000 Euro davon werden durch die Ausgleichsabgabe für den Bau der Neuen Landesmesse finanziert.

"Hoffentlich bekommt Plochingen den nächsten Artery-Stein, sagte Plochingens Bürgermeister Eugen Beck. Die Gemeinden Deizisau, Wernau, Altbach und Plochingen wollen gemeinsam die Flusslandschaft für Naturfreunde und Anwohner zu einem Naturerlebnis werden lassen.