Lokales

Ein Piekser kann ein Leben retten

Seit Ende November haben die Eltern des vierjährigen Tobias aus Wernau traurige Gewissheit: Ihr Sohn ist an Leukämie erkrankt. Um das Leben des Jungen zu retten sucht die Familie zusammen mit einer Initiative des Kindergarten Sankt Pius nach Knochenmarkspendern.

TOBIAS DORFER

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WERNAU Der kleine Tobias ist ein fröhliches Kind. Er spielt mit seinen Freunden und macht Streiche. Wer den Vierjährigen sieht, ahnt nicht, dass er eine schlimme Krankheit in sich trägt: Chronisch myeloische Leukämie, so der medizinische Fachbegriff.

Es handelt sich dabei um eine seltene Art des Blutkrebses, sie kommt vor allem bei Erwachsenen vor. Bei Kindern taucht sie selten auf. Mit einer Chemotherapie ist der Krankheit nicht Herr zu werden, daher bekommt Tobias im Moment ein spezielles Medikament. Mit dessen Hilfe kann der Krebs zwar unter Kontrolle gebracht, nicht jedoch besiegt werden zu schnell bildet der Körper Resistenzkörper. In diesem Fall ist der Patient auf eine Knochenmarkspende angewiesen. "Wird ein Spender gefunden, hat Tobias optimale Heilungschancen", erklärt die behandelnde Ärztin Eva Koscielniak vom Stuttgarter Olgahospital.

Einen passenden Spender zu finden, ist jedoch schwer. Und das, obwohl weltweit zehn Millionen Menschen als Knochenmarkspender typisiert sind, davon 1,3 Millionen bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) in Tübingen. Um möglichst viele potenzielle Spender zu finden, hat sich im Kindergarten eine Initiativgruppe gebildet. Erzieherinnen und Eltern organisieren eine Typisierungsaktion, bei der sich mögliche Spender registrieren lassen und ihr Knochenmark analysieren lassen können.

Alle 45 Minuten erkrankt laut der DKMS ein Mensch in Deutschland an Leukämie. Vielen davon kann nur eine Knochenmarkspende helfen. Die Typisierung ist jedoch nicht billig. 50 Euro kostet die Analyse, die Kosten werden von den Krankenkassen nicht übernommen. Bei der Aktion der Initiative "Hand in Hand für Tobias und andere" darf jedoch auch derjenige sein Knochenmark registrieren lassen, der diesen Betrag nicht aufbringen kann. "Jeder kann mitmachen", sagt Carmen Baur, die Vorsitzende der Initiative. Eine Ausnahme bilden Menschen, die älter als 55 Jahre alt sind. Sie dürfen nicht mehr spenden.

Um möglichst viele Typisierungen zu bezahlen, sammelt die Initiative Geld und findet in ganz Wernau Unterstützung. Mit Fußballturnieren, Benefizkonzerten und Verkaufsaktionen werden Carmen Baur und ihre Mitstreiterinnen unterstützt. Der Arzt Jürgen Haas hat zahlreiche Kollegen zusammengetrommelt, um die Registrierungsaktion reibungslos durchzuführen. Und Brigitte Keusemann von der Deizisauer Aktion Kinderhilfe übergab den Verantwortlichen einen Scheck in Höhe von 5000 Euro. "Ich bin beeindruckt von dem, was hier auf die Beine gestellt wird", meint auch Wernaus Bürgermeister Roger Kehle, der Schirmherr der Aktion. Angst vor der Spritze bräuchte man übrigens nicht zu haben, sagt Jürgen Haas: "Es ist nur ein kleiner Piekser." Ein kleiner Piekser jedoch, der Leben retten kann.

TERMINDie Typisierungsaktion findet am Samstag, 18. März, von 10 bis 16 Uhr in der Wernauer Stadthalle "Quadrium" statt. Bereits am 13. März gibt es um 19.30 Uhr im Erasmussaal im Altenheim Sankt Magnus eine Info-Veranstaltung zur Knochenmarkspende.