Lokales

Ein Pilotprojekt ohne Risiko

Neidlinger Grundschule erhält versuchsweise eine „Offene Gruppe“

Hilfe anzunehmen, ist keine Schande. Trotzdem fällt es manchen Eltern schwer, die für ihre Kinder nötige Unterstützung in Anspruch zu nehmen. In Neidlingen wird es ihnen jetzt so leicht wie möglich gemacht: In einem Pilotprojekt ist die Kirchheimer Stiftung „Tragwerk“ vor Ort an der Grundschule aktiv.

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Peter Dietrich

Neidlingen. Die Stiftung entstand vor einem halben Jahr aus den Stiftungen Paulinenpflege und Wächterheim. Gemeinsam mit dem Landkreis will „Tragwerk“ die bisher stationär angebotenen Hilfen für Kinder und Familien in die Gemeinden tragen. Die engen Kontakte des Neidlinger Kindergartens und der Neidlinger Grundschule zur Paulinenpflege und zum Sozialen Dienst des Landkreises zahlen sich nun aus, die Gemeinde ist beim Pilotprojekt von Anfang an dabei. „Etwas Ähnliches gibt es hier im Umkreis noch nicht, wir wären die ersten“, warb Bürgermeister Rolf Kammerlander bei den Gemeinderäten um Zustimmung. Diese fiel nicht schwer, ist das Projekt doch vorerst bis zu den Sommerferien befristet und kostet die Gemeinde nur etwa 250 Euro. „Wir können etwas Gutes tun und gehen kein Risiko ein“, meinte Gemeinderat Klaus Däschler (NWV) zustimmend.

Ab Februar kommt nun an 20 Nachmittagen eine Honorarkraft des Sozialen Dienstes Kirchheim nach Neidlingen und bietet an der Grundschule eine „Offene Gruppe“ an. Unterstützt wird die Honorarkraft von einer Neidlinger Mutter, die sich für diese ehrenamtliche Aufgabe gemeldet hat. Sie erhält von der Gemeinde eine kleine Aufwandsentschädigung.

Die Gruppe bietet nicht nur eine Hausaufgabenbetreuung an, sondern gibt auch Impulse für eine sinnvolle Freizeitgestaltung. Die Gruppe wird durch eine sozialpädagogische Fachkraft der Stiftung Tragwerk sowie durch die Grundschule begleitet. Räume hat die Schule genug, zudem stehen die Spiele der früheren Kernzeitenbetreuung zur Verfügung.

Zur Gruppe kommen sollen auf jeden Fall die vier Neidlinger Kinder, die schon bisher zur Betreuung nach Kirchheim fahren. Doch das Angebot ist, wie der Name schon sagt, offen. „Den Bedarf hätten noch ein paar mehr“, meinte Kammerlander. Er rechnet deshalb mit insgesamt sechs bis zehn Kindern – Kinder, die bisher eine Außenseiterrolle einnehmen, ob wegen Sprachbarrieren oder aus anderen Gründen. In einer offenen Gruppe, die sich ungezwungen außerhalb des Unterrichts trifft, sollen Chancen und Defizite einzelner Kinder früher erkannt werden. Außerdem, so Kammerlander weiter, könne die Gemeinde so den Bedarf an Betreuung außerhalb der Schulzeiten ermitteln.

Im neuen Jahr wird das Projekt bei den Elternabenden vorgestellt, außerdem ist eine Kennenlern-Veranstaltung vor Ort geplant. Zum Ende des Schuljahrs wird geprüft, ob das Projekt weitergeführt wird.