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Ein Preis für den "Breitensport"

Mit der Baukultur ist die Architektenkammer auch im Kreis Esslingen nach wie vor unzufrieden. Mit einem Wettbewerb soll das öffentliche Bewusstsein für das Thema weiter geschärft werden.

HERMANN DORN

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Gemeinsam mit dem Landratsamt sucht die Kammer beispielhafte Bauten. Neben vielbeachteten Vorhaben gilt das Interesse den kleinen Zeugnissen der Alltagsarchitektur.

Die Firma Putzmeister aus Aichtal, die in Dubai am Bau des höchsten Wolkenkratzers der Welt beteiligt ist, wird in dem Wettbewerb sowenig an den Start gehen wie die Messebauer auf den Fildern. In beiden Fällen werden die Bedingungen, dass die Projekte bis 30. Juni 2006 fertig sein und im Kreisgebiet liegen müssen, nicht oder nur teilweise erfüllt.

Das Fehlen solch spektakulärer Vorhaben ist für Carmen Mundorff von der Architektenkammer Baden-Württemberg kein Problem. Sie vergleicht die Aktion lieber mit dem Breiten- als mit dem Spitzensport. "Unsere Jury wird sich nicht scheuen, eine gut gestaltete Bushaltestelle zu begutachten", kündigte sie vor der Presse an.

Für die Aufmerksamkeit, die auch eher unscheinbare Arbeiten finden können, führt Gottfried Mueller gute Gründe ins Feld. Der Vorsitzende der Kammergruppe Esslingen vertritt die Auffassung, dass die Qualität der bebauten Umwelt weniger durch einige herausragende Werke geprägt wird. Entscheidend ist das breite Spektrum an Bauten, über das in der Öffentlichkeit weniger intensiv gesprochen wird.

Architektenkammer und Landratsamt Esslingen schreiben den Wettbewerb zum dritten Mal aus. Für Matthias Berg, den stellvertretenden Landrat, verkörpert der Preis inzwischen bereits ein Stück Kulturgeschichte: "Wenn im November 2006 die Plaketten und Urkunden vergeben werden, dürfen die Organisatoren für sich beanspruchen, die Architektur im Landkreis über einen Zeitraum von 25 Jahren hinweg begleitet und bewertet zu haben."

Für Berg kommt es aber nicht nur darauf an, die Entwicklungen nachzuvollziehen. "Wir loben die Architekten und Bauherren, die sich Gedanken gemacht haben." Mit dieser Auszeichnung setze die Jury in der Öffentlichkeit positive Impulse.

Wie wichtig solche Signale sind, unterstreicht Carmen Mundorff. "Die Architektur prägt unser tägliches Leben." Während es jedem Zeitgenossen freistehe, ein Bild anzuschauen oder eine Musik zu hören, könne er sich dem Anblick der Nachbarhäuser oder öffentlicher Gebäude nicht entziehen. Auch in Unternehmen sei zuletzt die Erkenntnis gereift, dass die Architektur ihrer Gebäude eine wichtige Visitenkarte darstellt. Mundorff rechnet mit einem großen Interesse. Während in anderen Landkreisen rund 80 Beiträge eingereicht werden, waren es im Kreis Esslingen zuletzt 117. 2001 zeichnete die Jury sieben Arbeiten aus, darunter in der Stadt Esslingen die John-F.-Kennedy-Schule, die Bahnhofstraße, einen Anbau der Firma Bechtle und die Siedlung Zaunäcker. Weitere neun Teilnehmer erhielten eine Belobigung. Die Ausschreibung kann im Landratsamt angefordert werden (Rainer Däschler, 0711/3902-2440). Teilnehmer müssen ihre Unterlagen spätestens am 12. Juli 2006 im Landratsamt einreichen. Als Gebühr werden 50 Euro fällig. Die Jury tagt am 20. und 21. Juli.