Lokales

"Ein recht ungewöhnliches Naturschutzgebiet"

Insgesamt 20 neue Informationstafeln im Naturschutzgebiet Teck informieren die Besucher über die Besondereheiten des außergewöhnlichen Berges. Gestern wurden die Tafeln von Regierungspräsident Dr. Udo Andriof und Reinhard Wolf, Leiter der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege, offiziell eingeweiht.

IRIS HÄFNER

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OWEN Der Teckberg ist beliebt bei den Menschen im Mittleren Neckar-Raum. An einem schönen Sonntag können schon mal 2000 Erholungssuchende den Weg an Hörnle, Bohl und Bölle oder auf die Burg finden. Wildes Parken, Abfälle aller Orten, Glasscherben und zertretene Pflanzen und Gehölze bleiben da nicht aus. "Der Teckberg ist ein recht ungewöhnliches Naturschutzgebiet hier gibt es einen großen Parkplatz und Glascontainer", sagte Reinhard Wolf. Zwei Bausteine seien deshalb zum Schutz der Natur wichtig: Besucherlenkung und Landschaftspflege.

Die neuen Schilder sollen die Menschen für die Besonderheiten von Flora und Fauna des Teckbergs sensibilisieren. Sie informieren über die seltenen Pflanzenarten, die sich hier noch heimisch fühlen, erklären naturkundliche Zusammenhänge und machen auf die landschaftlichen Besonderheiten aufmerksam. Aber auch die Bedeutung der Schäferei wird hervorgehoben. "Jahrhundertelange Beweidung haben die Wacholderheiden mit ihrem einzigartigen Charme entstehen lassen", so Reinhard Wolf. Ohne Schafe gäbe es diese Flächen nicht. "Die Schäferei ist die Grundbedingung dafür. Deshalb werden wir sie auch weiterhin fördern, auch wenn wir böse Anrufe bekommen, dass Orchideen von Schafen abgeknickt wurden", erklärte der Naturschützer. Es seien immer noch nicht genügend Tiere vorhanden, die die freien Flächen abgrasen. Die Folge davon sind Verbuschung und der Mensch muss selbst mit Hand anlegen, um die Heiden von Gestrüpp zu befreien. "In mühevoller Arbeit hat der Bissinger Albverein am Teckberg Vorbildliches geleistet", lobte Reinhard Wolf.

Neben den Schildern gibt es auch neue Faltblätter, die über das Naturschutzgebiet Teck informieren und zwar jeweils in drei verschiedenen Sprachen: deutsch, englisch und türkisch. Viele türkische Mitbürger haben den Reiz der schwäbischen Vulkanlandschaft ebenfalls für sich entdeckt und entfliehen am Wochenende den engen Häusern in der Stadt, um an der frischen Luft zu picknicken. Auch ihnen soll die Besonderheit dieses Gebietes nahe gebracht werden, da in solch einem sensiblen Gebiet bestimmte Verhaltensregeln von allen Besuchern eingehalten werden müssen.

Der erste Schritt zum Schutz des Teckbergers wurde ziemlich genau vor fünf Jahren unternommen. "Am 9. November 1999 standen wir hier bei bitterer Kälte", erinnerte Udo Andriof an die offizielle Verkündung des Naturschutzgebietes Teck. Die angrenzenden Gemeinden, Forstverwaltung, Polizei, privater Naturschutz und Landwirte arbeiten seitdem zusammen und haben auch ein Konzept zum Schutz der Fläche entwickelt. Dies alles kostet jedoch Geld. Die Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg hat beispielsweise die Finanzierung der Schilder übernommen. Ein stattlicher Betrag kam auch dank der Ausgleichsmaßnahmen für die Zubetonierung der Filder dem Teckberg zugute.

"Der Kreis Esslingen ist nicht nur der schönste im Regierungsbezirk,sondern in ganz Baden-Württemberg", gab sich Landrat Heinz Eininger selbstsicher. Der Besucherdruck für dieses schöne Fleckchen Erde sei enorm. "Wir alle müssen lernen, damit umzugehen. Einerseits soll Natur erlebbar sein, andererseits müssen wir aber auch das schützen, was schützenswert ist", stellte er klar. Vor allem müsse die Besucherlenkung in den Griff bekommen werden. Ein großes Lob erhielt die Volonteersgruppe Teck, die tolle Aufklärungsarbeit bei der Bevölkerung leiste. "Das ist vorbildliches bürgerschaftliches Engagement", so Heinz Eininger. Die Infoschilder sieht er als einen weiteren Baustein im Sinne das Naturschutzes. Zum einen würde dadurch die Orientierung leicht gemacht und zum anderen Zusammenhänge erklärt sowie Flora und Fauna vorgestellt. "Was man kennt, das schützt man auch", ist der Landrat überzeugt.

Damit sich die angereisten Besucher selbst ein Bild von der Landschaft unterhalb der Teck machen konnten, führte Reinhard Wolf durch einen Teil des Naturschutzgebietes, erklärte die eine oder andere Besonderheit und stellte auch einzelne Berge und Ortschaften vor. Offen blieb allerdings weiterhin die entscheidende Frage: Liegt nun Bissingen vor der Teck und Owen dahinter, oder ist es umgekehrt?