Lokales

"Ein rundum gelungenes Projekt"

Kalt war's, aber das störte gestern Morgen niemanden. Zahlreiche Beurener wollten es sich auf keinen Fall nehmen lassen, dabei zu sein, wenn ihr Tunnel endlich im Beisein von Landesverkehrsminister Stefan Mappus und zahlreichen Festgästen für den Verkehr freigegeben wird. Die zur Feierstunde geladenen Gäste würdigten das Bauvorhaben als für die Entwicklung der Gemeinde Beuren besonders bedeutsames Projekt.

VOLKER HAUSSMANN

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BEUREN Dem Anlass entsprechend hatten gestern zahlreiche Vertreter aus Kreis- und Landespolitik den Weg ins tief verschneite Beuren gefunden. Neben Verkehrsminister Mappus waren Regierungspräsident Dr. Udo Andriof, der frühere Verkehrsminister und jetzige Staatsminister Ulrich Müller, der das Projekt seinerzeit vorangetrieben hatte, die Landtagsabgeordneten Jörg Döpper, Nils Schmid, Dr. Ulrich Noll und Karl Zimmermann gekommen.

"Heute ist ein großer Tag für Beuren", sagte Regierungspräsident Andriof, der den Reigen der Festredner eröffnete und den Tunnelbau "Superlative sind durchaus angebracht" als Jahrhundertereignis würdigte. Die Ortsumgehung diene der Aufwertung der Gemeinde, die damit dem Ziel Heilbad ein gutes Stück näher gekommen sei. Andriof sprach allen am Gelingen des Projekts Beteiligten seinen Dank aus, würdigte die "herausragende Ingenieurleistung" und stellte abschließend fest: "Die Baumaßnahme konnte unfallfrei durchgeführt werden, der Kostenrahmen wurde eingehalten."

Landesverkehrsminister Mappus betonte die große Bedeutung des Landesstraßenbaus besonders für den ländlichen Raum: "Kleinere Kommunen werden niemals ohne Hilfe des Landes derartige Projekte realisieren können." In Beuren habe es zwar etwas länger gedauert, aber 15 Millionen Euro für ein Projekt im ländlichen Raum sei auch ungewöhnlich. "Wenn man sieht, was hier alles vorangeht, kann man getrost sagen: Es war eine gute Investition." Den Tunnelbau würdigte er als "rundum gelungenes Projekt". Er hoffe, sagte Mappus, "dass die Gemeinde weiterhin so eine exzellente Entwicklung nimmt".

"Es ist geschaft!" freute sich Beurens Bürgermeister Erich Hartmann. "Dieser Tag ist ein Tag der Freude und des Dankes, ein Tag, der in die Geschichte eingehen wird." Die Gemeinde könne zuversichtlich in die Zukunft blicken, für die Anlieger gehe ein Albtraum zu Ende. Hartmann rekapitulierte kurz die einige Jahrzehnte umspannende Geschichte der Beurener Ortsumgehung. Die Jahre bis zum Baubeginn waren "Jahre des Bangens und Hoffens", sagte er.

Die Fertigstellung des Tunnels sei ein "Meilenstein für Beuren", schwärmte der Bürgermeister weiter. Die Gemeinde sei bereits in umfangreiche Entwicklungsplanungen eingestiegen, die bis ins Jahr 2015 reichten. Der Kurortentwicklungsplan, in dem die Projekte dargelegt sind, erscheint im April. Etliches wurde bereits angepackt: die Rathauserweiterung, der Rückbau der Ortsdurchfahrt, der bis 2006 abgeschlossen sein soll. "Der Ortskern gewinnt dadurch an Anziehungskraft." Um die anstehenden Aufgaben finanziell bewältigen zu können, sucht die Gemeinde nun dringend Investoren nicht zuletzt für ein gesundheitsorientiertes Wellness-Hotel. "Ein Heilbad Bad Beuren ist das Ziel", gab Hartmann für die Zukunft die Richtung vor. Auch sein Dank galt allen am Projekt Beteiligten, nicht zuletzt "den Grundstückseigentümern und den Anliegern für ihre Geduld und ihr Verständnis".

Großes Gedränge herrschte anschließend am Tunnelsüdportal, als es daran ging, das in den Landesfarben Gelb und Schwarz gehaltene Band vor dem Tunneleingang durchzuschneiden. Zwei Minister, die Abgeordneten, der Regierungspräsident, der Landrat und Bürgermeister Hartmann legten gemeinsam Hand an. Die Ehre, das Band zu durchtrennen, hatte Tunnelpatin Jutta Hartmann, die Ehefrau des Bürgermeisters. Als Souvenirs sehr gefragt waren anschließend Abschnitte des geschichtsträchtigen Bandes. Nach der Freigabe des Bauwerks für den Verkehr, der allerdings erst ab Montag über die neue Strecke rollen wird, weihten die Beurener ihren Tunnel mit einem farbenprächtigen Umzug ein. Grundschulkinder, Vereine und Institutionen rollten mit allem, was Räder hat, durch den Beurener Untergrund. In der Kelter bewirteten anschließend die Beurener-Balzholzer Landfrauen die Gäste. Ein Landfrauen-Quintett arbeitete die Tunnelhistorie gesanglich noch einmal auf, Grußworte von Landrat Heinz Eininger, der Bürgermeister Hartmann nach dem Verlesen selbst geschmiedeter Verse zur Erinnerung an diesen Tag ein (noch leeres) Tunnelbuch überreichte, von Jörg Eschenbach, der für die am Bauprojekt beteiligte Arge Tunnel Beuren sprach, und von Jörg Eschenbach, der dem Vorstand der Baufirma Kirchhoff angehört, rundeten die Feierstunde ab.