Lokales

Ein "Sahnehäubchen" für den Mini-Kreisel

KIRCHHEIM Noch kein halbes Jahr ist er alt, und schon auf dem besten Weg, sich das unrühmliche Etikett "Unfallschwerpunkt" zu verdienen: Kirchheims umstrittener Minikreisel am Schwarzen Adler. Von

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IRENE STRIFLER

sechs Unfällen in nur fünf Monaten wusste Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker jüngst im Ratsrund zu berichten.

Angesichts der oberbürgermeisterlichen Darstellung beschlich Stadtrat Mathias Waggershauser umgehend das Gefühl, "man ist ganz froh, wenn der Kreisel nicht funktioniert." Bekanntlich hatte die Verwaltung nie an das Rondell geglaubt und vehement für eine Ampelkreuzung votiert. "Ich nehme die Statistik so nicht hin", weigerte sich der CDU-Mann daher kurzerhand, dem Zahlenwerk Bedeutung beizumessen. Erinnerungen an Churchill wurden im Ratsrund wach, der ja angeblich keiner Statistik traute, es sei denn, sie sei von ihm selbst gefälscht worden.

Doch Waggershauser ging's nicht etwa ums Prinzip. "Der Kreisel ist nicht so, wie wir ihn uns vorstellen", führte er aus. Deshalb sei die Statistik im Hinblick auf weitere Planungen gewissermaßen gegenstandslos, ja, der angestrebte einjährige Probelauf habe eigentlich rechnerisch noch gar nicht begonnen. Mindestens ein Überzug mit weißer Farbe für die Kreiselmitte schwebte der CDU als dringende Verbesserung vor. Dass der Kreisel nicht unbedingt als solcher wahrnehmbar ist, weiß nicht nur jeder Stadtrat, sondern auch jeder Autofahrer, der die Kreuzung am Schwarzen Adler regelmäßig passiert. Bei Kaffeekränzchen und an Stammtischen macht so manche Kreisel-Anekdote die Runde. Da geht es um Autofahrer, die die Sperrfläche unbeeindruckt überfahren, oder um waghalsige Bremsmanöver mit Beinah-Auffahrunfällen, verursacht durch die kreiselnah gelegenen Zebrastreifen.

So fiel der politische Gegner der CDU nicht etwa in den Rücken, sondern stärkte ihr denselben: Für die Grüne Alternative solidarisierte sich Sabine Bur am Orde-Käß mit den Schwarzen und befürwortete die weiße Markierung. "Der Kreisel muss so gestaltet sein, dass der Verkehrsteilnehmer sieht, auf was er zufährt", betonte Hagen Zweifel, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. Er regte "Katzenaugen" im Inneren an.

Die spontan überzeugende Idee machten die Techniker allerdings sogleich erbarmungslos zunichte: Das Material halte das ständige Überfahren nicht aus, winkte Geschäftskreisleiter Martin Zimmert ab. Bekanntlich müssen Lkws und Busse den Kreiselgipfel überfahren, um überhaupt die Kurve zu kriegen, wogegen den Pkws gerade dies verboten ist. An Pflanzungen oder gar Kunstwerke im Kreiselinnern ist daher gar nicht zu denken.

So bleibt's, zumindest vorerst, beim billigen Griff zum Farbtopf. Der Mini-Kreisel wird eine Art Sahnehäubchen erhalten. Ein Akt, der allerdings noch der Abstimmung mit der Verkehrskommission bedarf.