Lokales

Ein Saurier hat Heimweh nach Holzmaden

Ein Ichthyosaurus aus dem Naturkundemuseum am Löwentor wird künftig in Holzmaden zu sehen sein. Das lebensgroße Modell des riesigen Schwimmsauriers findet im Urweltsteinbruch Fischer eine neue Heimat.

RAINER STEPHAN

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HOLZMADEN Beim Umzug hat sicher auch das Heimweh ins Voralbgebiet eine Rolle gespielt, denn der Stuttgarter Trias ist nicht die Gesteinsformation, dem der Ichthyosaurier entstammte.

Früher lebte das Ungetüm im Jurameer, ehe es im Lias Epsilon vor rund 180 Millionen Jahren versteinerte. Das Original-Skelett wurde einst im Schieferbruch von Kurt Kromer gefunden und lagert heute noch im Stuttgarter Museum ein. Die Präparatoren Falk-Horst Epping und Uwe Flügge haben vor neun Jahren das Modell gefertigt. Es hing seither als Teil der Dauerausstellung im Löwentormuseum an der Decke und schwebte über den knöchernen Artgenossen.

Normalerweise wurden die Ichtyosaurier als Knochenskelett auf dunklem Schiefer gezeigt so wie sie in den Steinbrüchen in Holzmaden und Umgebung gefunden werden. Das Modell war nunmehr der geglückte Versuch, Körper und Volumen des Sauriers zu dessen Lebzeiten nachzuempfinden.

"Die Dimension hat uns selbst überrascht", schilderte Flügge seinerzeit die Erfahrung der Präparatoren, als sie von einem Vormodell im Maßstab 1:10 auf die volle Lebensgröße übergingen.

Im ersten Arbeitsschritt wurde um ein Stahlrohr, das die Funktion des Rückgrats übernahm, ein Holzgerüst gezimmert. Darüber wurde ein feinmaschiges Drahtgeflecht gelegt und Bauschaum aufgesprüht. Danach kam ein Überzug aus Gips, auf den Glasfasermatten und Kunststoff aufgetragen wurden. Zum Schluss folgten Farbe und Lackierung.

Das Sauriermodell hat jetzt einer neuen Sonderausstellung im Löwentormuseum weichen müssen. Ein Glücksfall für den Urweltsteinbruch: Auf seinem Freiluftdomizil in der Holzmadener Aichelberger Straße 75 wird der Ichthyosaurier von den Besuchern beäugt werden können.

Die "Rettungsaktion" wurde von Gotthilf Fischer, dem Ersten Vorsitzenden des Vereins Urweltsteinbruch e.V., in die Wege geleitet. "Bevor der Ichthyosaurus irgendwo in der Fremde dahinkümmert, soll er in seiner angestammten Heimat die Leute erfreuen", umschreibt Gotthilf Fischer glücklich und zufrieden die neue Attraktion auf seinem Museumsgelände.

Der zehn Meter lange und rund 500 Kilogramm schwere Schwimmsaurier wurde bereits mit einem Tieflader aus Stuttgart abtransportiert und lagert in einer Fabrikhalle ein. Zum 25-jährigen Vereinsjubiläum im Herbst dieses Jahres wird er seinen gebührenden Standort im Steinbruch erhalten. Ein passenderes Geburtstagsgeschenk ließe sich wohl kaum finden.

Ein willkommener Zuzug in die Urweltgemeinde, der bei vielen Freunden der Urweltfunde Freude, aber auch Wehmut auslöst.

Hierzu passt die erste Strophe aus dem Gedicht "Der letzte Ichthyosaurus" des berühmten Schriftstellers Joseph Viktor von Scheffel: "Es rauscht in den Schachtelhalmen, verdächtig leuchtet das Meer da schwimmt mit Tränen im Auge ein Ichthyosaurus daher".