Lokales

Ein Schlaganfall kündigt sich oft schon Monate im Voraus an

Blitzartig aus heiterem Himmel, kommt der Schlaganfall. Plötzliche Lähmung, Sprachstörungen und Erinnerungslücken sind die häufigsten Folgen. Rund 200 000 Frauen und Männer erleiden in Deutschland jährlich einen Schlaganfall. Ein Drittel aller Fälle endet mit dem Tod, ein anderes Drittel der Betroffenen behält mehr oder weniger schwere Behinderungen zurück und ein weiteres Drittel übersteht ihn weitestgehend unbeschadet.

DANIELA HAUSSMANN

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KIRCHHEIM "Das Risiko eines Schlaganfalls steigt zwar mit zunehmendem Alter, dennoch sind auch jüngere Menschen zunehmend betroffen", wie Doktor Uwe Mauz, Leiter der Neurologie am Klinikum Kirchheim-Nürtingen, weiß. 315 Kinder, Jugendliche und Erwachsene unter 25 Jahren erlitten in Baden-Württemberg 2004 einen Schlaganfall. Im selben Jahr wurden rund 7,1 Milliarden Euro in der Bundesrepublik für die medizinische Behandlung von Patienten mit einem ersten Schlaganfall ausgegeben. Für die AOK Kirchheim-Nürtingen, den Landkreis Esslingen und dem Kuratorium Schlaganfall Nürtingen-Kirchheim ein Grund mehr, im Rahmen eines Projekttages unter Schülern der Teck-Realschule, die Kenntnis um Risikofaktoren und das Bewusstsein für die eigene Lebensweise zu schärfen.

"Meistens sind die Auslöser für einen Schlaganfall angeboren", erklärt Uwe Mauz den etwa 109 Schülerinnen und Schülern, die aufmerksam seinen Ausführungen folgen. Jedoch werden die Gefahren der einmaligen Einnahme von Drogen wie Ecstasy, Heroin oder Kokain unterschätzt. Kokain beispielsweise erhöht das Risiko um das 50-fache. Darüber sind sich die wenigsten im Klaren. Ein Raunen geht durch die Reihen der Jugendlichen, die erstaunlich gut über das Krankheitsbild des Schlaganfalls informiert sind, wie Mauz rasch erkennt.

"Zu dieser Erkrankung muss es gar nicht erst kommen", wie der Facharzt aufklärt. Häufig kündigt sich ein solcher Anfall schon Wochen oder gar Monate im Voraus an, betont der Neurologe. Vorübergehende Sehstörungen, kurzzeitige Taubheitsgefühle, Verlust der Sprache und Schwindelanfälle zählen zu den typischen Warnsignalen. Wer sie erkennt und sich rechtzeitig behandeln lässt, kann einen Schlaganfall häufig verhindern. Neben den nicht beeinflussbaren Risikofaktoren wie genetische Prädisposition, Lebensalter und Geschlecht gibt es eine Reihe Faktoren wie Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Rauchen, Bewegungsmangel und Diabetes die durch eine bewusstere Lebensweise beeinflusst werden können.

Doch was genau ist ein Schlaganfall überhaupt? Dieser Frage gingen die Schüler gemeinsam mit Dr. Maxim Maximov nach, der den ein oder anderen der Jugendlichen zum Ultraschall auf die Trage bat. "Beim Schlaganfall sind die Zellen eines abgegrenzten Gehirnbereichs nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Dadurch werden sie beschädigt oder gehen ganz zugrunde", erläutert der Kirchheimer Neurologe.

Diese Mangelversorgung kann zwei wesentliche Ursachen haben. Zum einen die Verengung oder Verstopfung von Gefäßen, zum anderen das Aufplatzen eines Blutgefäßes. In ersterem Fall kann es bei verschlechterter Herztätigkeit oder nächtlichem Blutdruckabfall zu einer ausgeprägten Mangeldurchblutung kommen. Diese Situation im Gehirn gleicht im Prinzip der bei einem Herzinfarkt, weshalb auch vom Hirninfarkt gesprochen wird. Fallabhängig könne medikamentös oder durch einen operativen Eingriff geholfen werden, wie Maximov ausführt.

Über die Folgen eines Schlaganfalls informierte die Neurologin Fraucke Höck die Schüler eingehend. Anhand von Hirnaufnahmen zeigte sie unter Berücksichtigung der verschiedenen Hirnregionen auf, mit welchen Konsequenzen zu rechnen ist. Von Übelkeit, Schwäche, unsicherem Gang und halbseitiger Lähmung über hängende Mundwinkel bis hin zu einseitigem Seh- oder auch Hörverlust eröffnete die Medizinerin auch Einblicke in die Funktionsbereiche des menschlichen Denkorgans.