Lokales

Ein Spiegel der lebendigen Kunstszene der Region

KIRCHHEIM Auf beiden Ebenen der städtischen Galerie im Kornhaus ist derzeit die Gruppenausstellung

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FLORIAN STEGMAIER

"Kunst in der Region" zu sehen. In ihrem eröffnenden Grußwort würdigte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker die Ausstellung, die in jährlichem Wechsel durch die Galerien der Städte Wendlingen, Nürtingen und Kirchheim wandert, als ein Konzept, das über die politischen Grenzen hinweg die lebendige und seit jeher zusammengehörige Kunstszene in den und um die drei Kommunen widerspiegle.

Im Erdgeschoss des Kornhauses zeigt Sonja Kälberer großformatige, mit Mittelbildkamera aufgenommene Fotografien. Ansichten von inszenierten Wohnräumen, die dem Betrachter eine atmosphärisch dichte Stimmung vermitteln, teils relativ dunkel daherkommen und gerade aus dieser subtilen Melange von Schönheit und Unheimlichem ihren individuellen Reiz ziehen.

Im gleichen Raum sind auch Arbeiten von Anja Luithle zu sehen, die sich schwerpunktmäßig kinetischer Objekte bedient. Ihr Thema ist der abwesende Mensch, dessen Physis sie lediglich im Sinn einer Negativform durch Kleidungsstücke umschreibt. Völlig körperlos wird der Mensch bei Luithles "Kaffeetisch". Wie von Geisterhand bewegt, gleiten einzelne Teile eines Kaffeeservices anmutig über die Tischplatte und touchieren einander immer wieder, sodass der Eindruck eines kommunikativen Miteinanders entsteht.

Ganz im Zeichen der Malerei steht der Galerieraum im ersten Stock. Gabriele Waldvogel zeigt mit ihren Exponaten eine aktuelle künstlerische Entwicklung auf. Ausgehend von Bildern, die von einer luftig-schwebenden Farbgebung geprägt sind, gelangte sie in letzter Zeit zu einem vergleichsweise kompakten und materialhaften Umgang mit der Farbe. In ihren jüngsten Arbeiten kommen noch in linearem Duktus gehaltene organische Formen als zusätzliche Bildebene hinzu.

Eine regelrechte Bilderflut entrollt Sabine Schulze mit ihrem 18-teiligen Block "Sieben Tage Indien". Fasziniert von den Eindrücken eines einwöchigen Aufenthalts in Kalkutta, setzt sie das dort Erlebte malerisch um, trägt eine landestypische Buntfarbigkeit sowie Symbole und Figuren dieser hinduistisch geprägten Kultur in ihre Bilder hinein.

Die Figuration spielt eine wichtige Rolle in den Arbeiten von Willi Durner. Auf eine in erster Näherung ironisch und witzig wirkende Weise malt er Tierfiguren Vögel, Murmeltiere und vieles andere oft aus einer ganz nahen, die Figuration das Bild bestimmen lassenden Perspektive. Dahinter ist jedoch auch ein ernsthafter Ansatz erkennbar. Zum einen in der teils sehr differenzierten Malweise, zum anderen imponiert Durner an seinen gefiederten und bepelzten Sujets deren aus menschlicher Sicht ideales Verhalten als Gemeinwesen.

Auch für Gabriele Anne Welker ist die Figuration ein zentrales Moment, allerdings steht bei ihr der Mensch im Mittelpunkt ihrer Kunst. Die großformatigen Ölbilder haben einen ausgesprochen narrativen Charakter, entziehen sich aber reizvollerweise einer allzu eindeutigen Deutung und lassen ganz im Sinne Welkers ihren Betrachtern Raum für deren eigene Interpretationen.

Ein verdienter "Musiker der Region", Georg Lawall, sorgte mit eigenen Kompositionen für Gitarre für die musikalische Umrahmung der Vernissage. Die Ausstellung ist bis einschließlich 7. Januar zu sehen. Sie ist geöffnet dienstags von 14 bis 17 Uhr, mittwochs bis freitags von 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr, samstags und an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr.