Lokales

„Ein Spiel mit vielen Unbekannten“

Kindergarten Unterlenningen wird für Kleinkindbetreuung umgebaut

Die Kleinkindbetreuung in Lenningen nimmt konkrete Formen an. Der Gemeinderat stimmte der Planung für einen ersten Bauabschnitt im Kindergarten Unterlenningen einstimmig zu.

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Iris Häfner

Lenningen. Völlig überraschend wird die Wohnung im Kindergarten Unterlenningen frei, weit früher, als ursprünglich angenommen. Das hat den Vorteil, ohne Provisorium den Kleinkindbereich realisieren zu können. Doch ungetrübt ist die Freude darüber im Ratsrund nicht: Die Kosten sind höher als im Haushaltsansatz, der mehr oder weniger ins Blaue mit 200 000 Euro festgesetzt war. Für den ersten Bauabschnitt fallen für die Gemeinde Nettokosten von rund 250 000 Euro an, der Architekt geht von Kosten in Höhe von insgesamt 320 000 Euro aus. Ein zweiter Bauabschnitt würde mit nochmals knapp 270 000 Euro zu Buche schlagen. So verwundert es nicht, dass Bürgermeister Michael Schlecht gleich zu Beginn des Tagesordnungspunkts gar von Kummer sprach, obgleich bei ihm die Freude über eine vernünftige Planung schon zum jetzigen Zeitpunkt überwiegt.

Architekt Lothar Graner stellte die Planung vor. Für zehn Kleinkinder soll hier ab Januar 2010 Platz sein. In zwei Bauabschnitten können seine Ideen umgesetzt werden. Platz für die Kleinkindgruppe wird in einem Neubau geschaffen, in der Wohnung im Altbau ein Mitarbeiterbereich sowie ein Verbindungsbau zwischen den Gebäuden. Im ersten Abschnitt wird der bisherige Flur im Neubauteil nach Südosten verlängert und mit dem neuen Verbindungsbau der Zugang zum Gebäude so verändert, dass am alten Zugang an der Nordostseite ein neuer Raum entsteht. Er wird dann als Schlafbereich von den Kleinsten genutzt.

In der zweiten Bauphase könnte durch Abbruch der Flurwand und Einbau einer neuen Treppe im Flur ein „nestartiger“ Schlafbereich über einem vergrößerten Gruppenraum entstehen. Der Schlafraum im Erdgeschoss wird dann zum Spielraum, der Essbereich mit der Küche zu einem großen „Bistro“ für alle. Eine neue Küche wird in den nordöstlichen Mitarbeiterraum eingebaut. Ein eingeschossiger, verglaster Verbindungsbau verknüpft die Flure.

„Mit dem ersten Bauabschnitt sind wir in der Pflicht, der zweite hängt vom Zuspruch ab“, erklärte Michael Schlecht. Die zweijährigen Kinder sollten seiner Ansicht nach wohnortnah einen Kindergartenplatz erhalten, die einjährigen werden zunächst für die Gesamtgemeinde in Unterlenningen untergebracht.

Überrascht von den Kosten meldeten sich einige Gemeinderäte zu Wort. Armin Diez findet die stufenweise Realisierung zwar gut, doch 500 000 Euro stünden in keinem Verhältnis zu zehn betreuten Kleinkindern. Der erste Bauabschnitt reiche auf Jahre hinaus. Kurt Hiller „tut sich mit dem Betrag schwer“, zumal er auch an die Personalkosten dachte. Letztere sollen vom künftigen Bedarf abhängen. Für den Start rechnet die Verwaltung mit „mindestens 1,5 Mitarbeiterinnen in der Gruppe“. Die Personalkosten würden dann knapp 70 000 Euro betragen, bei einer Erhöhung auf zwei Stellen wären es dann rund 86 000 Euro.

„An den Kosten führt wegen des Rechtsanspruchs kein Weg vorbei“, stellte Georg Zwingmann klar. Jetzt gehe es darum, Erfahrungen zu sammeln. Kinder in diesem Alter bräuchten Schon- und Entdeckungsräume mit schiefen Ebenen und Fenstern bis zum Boden. „Die Sanitärräume dürfen nicht kalt sein, sondern sollten ansprechend gestaltet werden. Schließlich werden die Kinder dort gewickelt“, gab er zu bedenken.

Karl Boßler fragte sich, wie viel „Hardware“ sein muss, der erste Abschnitt gehe jedoch in Ordnung. „Etwas zu teuer“ ist der Bau auch für Roland Sailer. Er ist zwar nicht dagegen, fragt sich allerdings, ob „wir das alles brauchen, denn es gibt immer Folgekosten“. Wolfgang Tröscher hatte das Gefühl, dass Lenningen eine Kleinkindbetreuung der Mercedes-S-Klasse bauen will. „Zwei Nummern kleiner tun es auch“, urteilte er.

„S-Klasse wäre, wenn wir beide Bauabschnitte auf einmal realisieren würden“, relativierte Michael Schlecht. Der zweite Abschnitt müsse jedoch kommen, wenn die Gruppe mehr als zehn Kleinkinder zähle, zumal einjährige Kinder eine Herausforderung für die Erzieherinnen darstellten. Problemlose Übergänge seien von entscheidender Bedeutung für eine gemischte Gruppe. „Das ist keine Einbahnstraße. Auch die Dreijährigen sind in dieser Gruppe zu finden“, erläuterte er und fügte hinzu: „Der Orientierungsplan provoziert mehr Elternmitarbeit und die sind in dem Zwischenbau gut untergebracht.“

„Das ist ein Spiel mit vielen Unbekannten“, ist sich Hauptamtsleiter Günther Kern bewusst. Die Kinderzahlen in Unterlenningen gehen zurück, doch niemand weiß, wie die Kleinkindgruppe angenommen wird. „Die Erfahrung in anderen Kommunen zeigt, dass sie innerhalb kürzester Zeit voll sind. Im ländlichen Bereich gehen die Uhren aber ein bisschen anders – wir müssen uns überraschen lassen“, sagte Günther Kern. Lothar Graner empfahl dem Gemeinderat daher, nicht kurzfristig zu planen. „Mit diesem Konzept verbauen Sie sich nichts für die Zukunft“, so der Architekt.