Lokales

Ein "stilles Örtchen" macht von sich reden

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM An der Schließung der Toilette am Gaiserplatz nahm CIK-Stadtrat Wolfgang Schuler massiv Anstoß. In der jüngsten Gemeinderatssitzung forderte der massive Befürworter des Systems der Netten Toilette die Wiedereröffnung der Bedürfnisanstalt in Kirchheims Süden. Soziale Gründe sind für ihn ausschlaggebend: Speziell in dieser Ecke Kirchheims halten sich eine ganze Reihe von wohnungslosen Menschen tagsüber auf. Aus diesem Grund komme der öffentlichen Toilette dort größere Bedeutung zu als andernorts.

Der CIK-Stadtrat versteht die Forderung für den Erhalt dieser einzigen öffentlichen Toilette keineswegs als Bankrotterklärung für das System der Netten Toilette. Im Gegenteil: Sie habe sich bestens bewährt, betont der inzwischen zum fast schon bundesweiten Toiletten-Fachmann gereifte Kirchheimer und schwärmt von den 22 sauberen, also sprichwörtlich netten Toiletten in 22 Kirchheimer Einrichtungen.

Etwas anders sieht die Bewertung der Grünen Alternative aus. "Die öffentliche Akzeptanz der Netten Toilette ist sehr gering", bilanziert Fraktionsvorsitzender Andreas Schwarz in einem Schreiben an die Oberbürgermeisterin. Bei Festen und generell zu unüblichen Zeiten blieben die betriebseigenen Toiletten geschlossen. Somit greife die gut gemeinte Konzeption der Netten Toilette schlichtweg zu kurz, lautet die Argumentation, mit der Schwarz die Anregung verknüpft, das Thema im Rat alsbald erneut zu diskutieren. Die Grüne Alternative will die Nette Toilette zwar keineswegs abschaffen, ihr aber zumindest eine zusätzliche öffentliche Bedürfnisanstalt in der Innenstadt an die Seite stellen.

Ganz und gar einig sind sich Grüne und bekennende Christen außerdem darin, dass die Gaiserplatz-Toilette unverzichtbar ist aufgrund ihres Umfelds. Im Juli vergangenen Jahres hatte der Gemeinderat die Schließung an Rossmarkt (ausgenommen das behindertengerechte WC) und Krautmarkt beschlossen. Mit 31 zu 2 Stimmen sprach man sich dafür aus, die Toilette am Gaiserplatz offen zu halten, sofern der dortige Kioskbetreiber die Reinigung übernimmt.

Bürgermeister Günter Riemer erläuterte, dass die Verhandlungen bisher noch nicht zu einem befriedigenden Ergebnis geführt hätten. Deswegen wurden die wenig ansprechenden Toiletten zunächst geschlossen. Riemer zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass eine Öffnung unter bestimmten Bedingungen erreicht werden könnte. Denkbar wäre beispielsweise, dass der Kioskbetreiber den Schlüssel verwaltet.

Die Grüne Alternative sieht allerdings Zeitdruck. Zum einen steht die Festles-Saison vor der Tür. Zum anderen könnte nach Einschätzung von Andreas Schwarz die auf Eis gelegte Toilettenanlage im Schweinemarkt jetzt noch recht unproblematisch realisiert werden. "Mir ist klar, dass diese Investition mit Kosten verbunden ist", räumt der Fraktionsvorsitzende ein. Sie werde wohl dennoch im Sinne einer attraktiven Innenstadt erforderlich sein, denn der jetzige Zustand sei "untragbar".

Wolfgang Schuler verweist dagegen auf den Siegeszug der Netten Toilette, die im Südwesten bereits über 33 Städte erobert hätte. Den Nutzern in Kirchheim müsse lediglich die Schwellenangst genommen werden. Die Ergänzung des Stadt-Logos auf den Aufklebern und generell mehr Informationen könnten dabei helfen. Öffentliche WCs wiederum erfreuten sich erst recht keiner großen Beliebtheit, zumal wenn sie abgelegen seien wie die einst geplante. Schuler sieht "in der Weiterführung der Netten Toilette eine Verbesserung für die Besucher unserer Stadt bei gleichzeitigen nicht unbeträchtlichen Einsparungen." Einzusparen war schließlich das erklärte Ziel, nicht umsonst stand die erste Erwähnung der Netten Toilette durch die Frauenliste in Zusammenhang mit einer Haushaltsplandebatte.

Bürgermeister Riemer, der das Thema bereits auf verschiedenen Ebenen in der Verwaltung diskutiert hat, kündigte eine Bilanz für die Gemeinderatssitzung im Juli an. Wirtschaftsförderin Piroska Csösz, die auch das Stadtmarketing und somit die Toiletten-Problematik unter ihren Fittichen hat, wird einen Bericht vorlegen. Bei Großveranstaltungen werden Toilettenwägen aufgestellt, zudem kündigte Riemer die tageweise Öffnung der öffentlichen Toilettenanlage am Krautmarkt an. Was den Schweinemarkt anbelangt, sieht sich die Stadt vertraglich auf der sicheren Seite: Der dort ins Auge gefasste Raum sei gesichert und biete somit immer die Option für den Einbau einer Bedürfnisanstalt.