Lokales

Ein stolzer Erfolg in "a very good season"

Als "stolzen Erfolg" haben Landrat Heinz Eininger und Museumsleiterin Steffi Cornelius die zurückliegende Saison 2006 im Freilichtmuseum Beuren gewertet. Über 80 000 Gäste haben das Museumsdorf besucht, nicht zuletzt aufgrund einer erhöhten Präsenz in Presse, Rundfunk und Fernsehen. Bereits in Vorbereitung ist für die kommende Saison 2007 ein englischsprachiger Museumsführer.

RICHARD UMSTADT

Anzeige

KREIS ESSLINGEN Steffi Cornelius hat eine Vision. Bis zum Jahre 2010 will sie ihr Freilichtmuseum in den Beurener Herbstwiesen zum "besucherfreundlichsten, lebendigsten und interessantesten Museumsdorf" unter den sieben "Open-Air-Museen" im Musterländle hochpushen. Dabei greift ihr der Landkreis ebenso unterstützend unter die Arme wie der inzwischen über 400-köpfige Museumsförderverein, die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen als Sponsor, das Land Baden-Württemberg und zahlreiche Helferinnen und Helfer.

Da klang das "Auf, auf, zum fröhlichen Jagen" der Jagdhornbläser der Nürtinger Waidmänner beim "Dankeschönfest" zum Saisonende in der Beurener Kelter so richtig motivierend, das Ziel der Museumsleiterin beherzt ins Auge zu fassen. Was hatte das Museumsteam mit Steffi Cornelius als innovativem Motor nicht alles zu Wege gebracht?: 88 Veranstaltungen mit Vorführungen des traditionellen Handwerks, Mitmachaktionen und Sonderführungen, darunter neue Angebote wie zum Beispiel den Aktionstag "Jugendliche früher und heute", der "Schwäbischen Kirch", dem Holztag und den Kinderferientagen.

Zwar ließ der Ertrag an selbst angebauten Alblinsen noch zu wünschen übrig und die Kartoffelernte war aufgrund des trockenen Sommers miserabel. Das tat dem Interesse der Besucher jedoch keinen Abbruch, zumal durch eine interessante Beschilderung dem Informationsbedürfnis der insgesamt 84 242 Besucher in der Saison Rechnung getragen wurde. Der Gast findet nun leichter heraus, welches Pflänzlein auf den Museumsäckern wächst und welche Äpfel oder Birnen auf den Bäumen der Herbstwiesen darauf warten, gepflückt zu werden.

Vor allem die Publikumsrenner "Oldtimertreffen", Schäfertage und Moschtfest lockten die Massen ins Museumsdorf. Veranstaltungen zum diesjährigen Themenschwerpunkt "Essen und Trinken" stießen nicht nur auf das ungeteilte Interesse der Besucher. Auch der SWR war mit einem Kamerateam vor Ort. Der gemeinsame Aktionstag der sieben baden-württembergischen Freilichtmuseen zum Saisonauftakt war denn auch, ebenso wie der Slow-Food-Tag im Herbst, ein voller Publikumserfolg und der Tag, an dem Landrat Heinz Eininger zum ersten Mal Albschnecken kostete. Er fand sie im Spinat "und gar nicht so schlecht". Sie stammen übrigens aus dem museumseigenen Schneckengarten.

2006 erstmals an den Mann und die Frau gebracht wurden Rezeptbroschüren, darunter rund 4 000 Spätzlesrezepte. Wer nach leckeren Linsenrezepten sucht, muss sich bis zur kommenden Saison gedulden. Dann wird das Museum für alle Linsen- und Spätzlesfans Linsenrezeptflyer auflegen.

Regen Zulaufs erfreute sich auch die Museumsscheuer. Die pädagogischen Mitarbeiter leiteten mehr als 400 Kindergruppen und Schulklassen zum Backen im Museumsbackhäusle, zum Feuer machen, Filzen und Wonne spinnen an und feierten auch mal ein besonderes Kindergeburtstagsfest.

Auch die stetig steigende Zahl der Führungen weist auf die Attraktivität des "Aushängeschildes des Landkreises" hin. In knapp 500 Führungen lernten annähernd 900 Gruppen im Museumsdorf ländliche Geschichte zwischen Neckar und Alb kennen.

In die ländliche Alltagsgeschichte eintauchen konnten die Besucher in vielfältigen Ausstellungen wie der Osternhasenausstellung, der Vorführung der Spätzlesherstellung hier wurde der schnellste Spätzlesschaber ermittelt , der Ausstellung über die Albwasserversorgung, über "Flachs/Lein unentbehrlich, vielseitig!", einer Aquarell-Ausstellung und Ausstellungen über alte Streuobstsorten und historische Kartoffelsorten.

Auf dem Weg zu Steffi Cornelius Visionserfüllung 2010 gönnt sich die Museumsmannschaft keine Ruhe von wegen Winterschlaf. In den kommenden Monaten wird fleißig am neuen Programm gebastelt. Und damit dieses und überhaupt die Geschichte des Museumsdorfes auch für Besucher aus Übersee zu keinem Buch mit sieben Siegeln wird, lässt das Freilichtmuseum des Landkreises einen englischsprachigen Museumsführer in Druck geben. Vielleicht ist dann das "Open-Air-Museum Beuren" auch im Land der aufgehenden Sonne in aller Munde. Schließlich fällt dieser "Guide" auch unter die Rubrik "Besucherfreundlichkeit".

Zwar sind die Museumspforten bis Ende März geschlossen, doch auf dem Gelände wird zurzeit das Bauernhaus Aichelau, über dessen spektakuläre Translokation wir berichteten, aufgebaut und alle Arbeiten auf Zelluloid festgehalten. Es wird das Gebäudeensemble "Schwäbische Alb" vervollständigen.

Derweil rührt der Förderverein ganz nach seinem Motto "Wir machen mit" heftig die Werbetrommel für das Museumsdorf in den Beurener Herbstwiesen. Wie Vorsitzender Wolfgang Maier sagte, unterstützt der Verein Projekte, auch finanziell, die das Museum allein nicht stemmen kann. Landrat Heinz Einingers Dank war ihm ebenso gewiss wie allen anderen Helferinnen und Helfern und Sponsoren.