Lokales

Ein "stolzes Kapitel Owener Heimatgeschichte"

Eine von Uwe Kiedaischs Devisen lautet: "Tue das, was du für richtig hälst." Diesem Motto ist er aber nicht mit egoistisch ausgefahrenen Ellenbogen, sondern hauptsächlich im Rahmen seines vielfältigen ehrenamtlichen Engagements nachgekommen. Deshalb wurde der Owener gestern für das, was er über Jahrzehnte hinweg getan und für richtig gehalten hat, mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

ANDREAS VOLZ

Anzeige

OWEN 1953 kam Uwe Kiedaisch als 16-Jähriger aus Frankfurt an der Oder endgültig nach Owen, in die Geburtsstadt seines Vaters. Zwei Jahre später hatte er dann genügend Schwäbisch sprechen und vor allem verstehen gelernt, sodass er sich gleich in der nächsten Weltsprache üben wollte: der Musik. Unter Karl Feller lernte er das Klarinetten-, später auch das Saxofonspiel und begann damit eine beipiellose Karriere im Musikverein Stadtkapelle Owen. Als Jugendleiter und Dirigent mehrerer Jugendkapellen habe Uwe Kiedaisch mehr als 200 Kinder und Jugendliche in den Bann der Musik gezogen, sagte Steffen Kirchgeorg, der Vorsitzende des Musikvereins, gestern in der Owener Bernhardskapelle und lieferte auch gleich den Grund dafür nach: "Bei solch einem Kapitän wollte jeder Matrose sein."

Uwe Kiedaisch selbst nannte einen weiteren Grund für sein besonderes Engagement in der Jugendarbeit: "Ich wollte eigentlich Lehrer werden." Beruflich hatte es ihn aber "ins Metallfach verschlagen". Und dennoch hat er für die Jugendlichen in seiner "Heimatstadt" Owen wohl ebenso viel getan wie er als Lehrer hätte tun können: Außer im Musikverein hat sich Uwe Kiedaisch ab 1963 auch im TSV Owen engagiert und dabei vor allem die Handballabteilung aufgebaut und über Jahrzehnte hinweg begleitet.

Der TSV-Vorsitzende Karl Bernecker sprach gestern von einem gesellschaftspolitischen Faktor der Sportvereine, die Jugendlichen eine Aufgabe geben und zugleich deren soziales Verhalten schulen. Uwe Kiedaisch sei ein großes Vorbild für die Jugend. Dass sich daran auf lange Zeit hinaus nichts ändern solle, symbolisierte der TSV-Vorsitzende mit Trillerpfeife und Stoppuhr. "Deine Zeit läuft weiter, wir brauchen dich noch", sagte er zum neuen Träger des Verdienstkreuzes am Bande.

Die Bündelung seiner vielen ehrenamtlichen Aufgaben im Owener Vereinsleben war von 1997 bis 2000 Uwe Kiedaischs Tätigkeit als Vorsitzender des Fest- und Organisationsausschusses für das Jubiläum zum 100-jährigen Bestehen von TSV und Musikverein. Darauf verwies Landrat Heinz Eininger in seiner Laudatio ebenso wie auf die 33 Jahre, in denen Uwe Kiedaisch ununterbrochen Mitglied des Owener Gemeinderats war von 1971 bis 2004. In allen Gemeinderatswahlen hätten ihm die Owener in überzeugender Weise das Vertrauen ausgesprochen.

Seit 1974 bekleidete Uwe Kiedaisch zudem das Amt des ersten stellvertretenden Bürgermeisters und war, wie der Landrat ausführte, "in dieser Funktion an allen Baumaßnahmen und an allen wichtigen Entscheidungen für die Stadt Owen in vorderster Linie maßgebend beteiligt". Als wichtigste Entscheidung der vergangenen drei Jahrzehnte nannte Eininger den Erhalt der Owener Selbstständigkeit im Rahmen der Gemeindereform "ein Punkt, der dazu geführt hat, dass Owen eine selbstbewusste Rolle im Reigen der Kreiskommunen spielen konnte".

Uwe Kiedaisch habe in all den Jahren nie gefragt, was die Stadt Owen oder deren Vereine für ihn tun könnten, sagte Bürgermeister Siegfried Roser in Anlehnung an ein Zitat von John F. Kennedy. Vielmehr habe der gebürtige Frankfurter immer gefragt, was er selbst für das Gemeinwesen tun könne. Auf Grund seines Engagements habe Uwe Kiedaisch nie Zeit für sich gehabt "und darüber sogar das Heiraten vergessen". Siegfried Roser kam in der Bernhardskapelle zu der "ehrlichen Feststellung", dass die Gemeinderatsjahre zwischen 1971 und 2004 von der Handschrift Uwe Kiedaischs geprägt gewesen seien und dass sich der Geehrte ein "stolzes Kapitel Owener Heimatgeschichte" erarbeitet habe: "Wir Owener waren und sind stolz auf unseren Uwe Kiedaisch."

Letzteres kommt schon allein dadurch zum Ausdruck, dass die Stadt Owen zum ersten Mal in der 33-jährigen Amtszeit von Bürgermeister Roser die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes beantragt hat. In der ganzen Zeit habe Uwe Kiedaisch die Belange der Stadt Owen vertreten, würdigte Siegfried Roser die Verdienste seines langjährigen Stellvertreters und fügte etwas verschmitzt hinzu: "manchmal auch unter dem Blickwinkel der Vereine". So wäre beispielsweise die Entwicklung des Owener Handballsports in einer etwas kleineren Teckhalle nicht im selben Maße möglich gewesen.

Uwe Kiedaisch sagte zum Abschluss der offiziellen Feierstunde, die von einem Blechbläserquintett "seines" Musikvereins würdig umrahmt wurde, dass alles, was zuvor an seinem Engagement gelobt worden war, nur durch Freunde und Mitstreiter möglich gewesen sei. Er nannte aber noch ein besonderes Lebensmotto, das seine unermüdliche Schaffenskraft erklären könnte: "Wenn die anderen glauben, man sei am Ende, muss man erst richtig anfangen." Insofern dürfte es spannend bleiben, was von Uwe Kiedaisch noch alles zu erwarten ist, auch nachdem er sich zu den Trägern des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland zählen kann.