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"Ein Studium bei uns ist kein Spaziergang"

380 Neulinge konnte der Rektor der Nürtinger Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen-Geislingen, Professor Klaus Fischer, in dieser Woche zum Auftakt des Wintersemesters begrüßen.

HEINZ BÖHLER

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NÜRTINGEN Im neuen Wintersemester hätte die frühere Fachhochschule Nürtingen mit 3 931 Studenten fast die 4 000er-Marke geknackt. Leider konnten aber von den insgesamt 3 097 Bewerbern für die 21 Studiengänge in Nürtingen und Geislingen nur 560 positiv beschieden werden. Einzelne Studiengänge hätten, wie Professor Fischer nicht ohne Stolz vorrechnete, sogar zehnmal so viele Bewerber zu verzeichnen gehabt als Plätze zur Verfügung standen.

"Stellen Sie sich darauf ein, dass unsere Hochschule voraussichtlich ab 2007 Studiengebühren verlangen wird." Professor Fischer hält diesen Schritt angesichts der knappen Kassen der öffentlichen Haushalte für unbedingt notwendig. Das Geld solle unmittelbar der Hochschule zur Verbesserung der Ausbildung zukommen.

Zumindest hoffe er, so Fischer, dass die Politik diesbezüglich die richtige Entscheidung treffen werde. Es müssten selbstverständlich Finanzmodelle geschaffen werden, die den Studenten eine tragbare Studien- und Lebensführung ermöglichen. Es ginge dabei, appellierte der Hochschulleiter, jedoch für jeden Einzelnen um eine Investition in die eigene Zukunft. Denn: "Sie sind an einer attraktiven Bildungsadresse mit einem ausgezeichneten Ruf gelandet", rief der Hochschulleiter den Studienanfängern zu. Diese bekämen hier so viele Gestaltungsmöglichkeiten geboten wie in keinem anderen Lebensabschnitt. Zwar bekäme man an der Hochschule die Bildungsinhalte nicht auf dem Silbertablett serviert, denn an der HfWU würden von Anfang an Leistung, soziale Kompetenz und damit ein großes Stück Eigeninitiative gefordert. Doch dafür bekäme man, wie Fischer aus einer Studie der Heinrich-Böll-Stiftung zitierte, durch ein Studium eine Steigerung des persönlichen wie des allgemeinen Glücks vermittelt.

Zum Auftakt des neuen Semesters begrüßte Rektor Klaus Fischer neben den Erstsemestern auch Nürtingens Oberbürgermeister Otmar Heirich, der es sich nicht hatte nehmen lassen, die neuen Mitbürger der Stadt herzlich in deren Mauern willkommen zu heißen und ihnen zu ihrem Glück zu gratulieren, einen der begehrten Studienplätze bekommen zu haben. Bei dieser Gelegenheit wollte er natürlich nicht versäumen, die Vorzüge der, wie er sagte, "poetischen Stadt am Neckar" herauszukehren. Sie sei mit rund 42 000 Einwohnern ein wichtiges Wirtschafts-, Bildungs- und Dienstleistungszentrum.

Mit einigem Bedauern erwähnte Professor Fischer den baldigen Eintritt des langjährigen Geschäftsführers des auch für Nürtingen zuständigen Studentenwerkes Hohenheim, Adolf Neubauer, in den Ruhestand, als er dessen Tätigkeit und die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit ihm würdigte und ihn zum letzten Mal zu einem Semesterbeginn begrüßte. Neubauer hieß seinerseits die Studienanfänger unter den Fittichen des Studentenwerks willkommen. Das Studentenwerk sei zuständig für die Mensaverköstigung der Studenten, die Wohnraumverwaltung und die Beratung in Fragen zu Studienbeihilfen. Man biete aber auch psychotherapeutische Hilfe in Krisensituationen an. Neubauer forderte die Studierenden auf, den Anruf beim Studentenwerk auch nicht zu scheuen, wenn es um die Bewältigung von Problemen mit der zu erwartenden Studiengebühr gehe: "Einige Kreditinstitute stehen schon mit fertigen Produkten in den Startlöchern, andere sind noch in der Vorbereitungsphase."

So wichtig die künftige Verwendung der dann aus Studiengebühren eingenommenen Mittel auch ist, seit 2004 spiele, so die Gleichstellungsbeauftragte der HfWU, Professorin Dr. Margot Körber-Weik, im Bereich der staatlichen Finanzzuwendungen an die Hochschulen auch die jeweilige Situation hinsichtlich der Gleichstellung der Geschlechter eine Rolle. Bei einem Bevölkerungsanteil von 55 Prozent sei ein Frauenanteil von gerade mal 13 Prozent der Professorenstellen viel zu wenig. Auch sie lud die Studenten ein, sich an den Bestrebungen, auf diesem Gebiet mehr Fortschritte zu erzielen, zu beteiligen.

Ein Vertreter des Allgemeinen Studentenausschusses AStA rief die neuen Studenten auf, sich in der AStA-Arbeit zu engagieren, an den Wahlen zur Neubesetzung der Studentenvertretung teilzunehmen und bei Problemen deren Rat zu suchen.

"Ein Studium bei uns ist kein leichter Spaziergang", hatte Rektor Klaus Fischer in seiner Begrüßung gewarnt, doch versprach er allen Studenten einen fairen Umgang durch die Hochschulgremien. Dies erfordere allerdings die beiderseitige Einhaltung eines Regelwerks, welches für einen Studienbetrieb mit insgesamt etwa 4500 Menschen unabdingbar sei. Abschließend gab er den vor ihm Sitzenden einen Rat mit auf den Weg: "Wenn auch in den nächsten Tagen viel Neues auf Sie einstürzt, bleiben Sie gelassen, wie es Tausende vor Ihnen auch geblieben sind."